Neue Prüfungen

    Succinicum acidum

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    REMEDY ABBREV.

    Succ-ac.

    MASTER PROVER

    YEAR

    1984- 1985

    PROVING METHOD

    PLACEBO?

    BLINDING?

    PHARMACY OF REMEDY IN PROVING

    Description of the substance

    Arzneimittelprüfung mit Acidum Succinicum D30

     

    1. Konzept

    Von November 1984 bis Januar 1985 prüften wir mit einer Gruppe von ursprünglich 42 Personen (20 Männer, 22 Frauen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren) die bis dahin homöopathisch ungeprüfte Bernsteinsäure (Acidum succinicum).

    Es war dies die erste homöopathische AMP unseres Wiener Arbeitskreises, an der eine entsprechend große Gruppe von Prüfern teilnehmen sollte. Eine Serie kleinerer Prüfungen von bereits gut geprüften Arzneien unserer Materia medica (Lachesis, Causticum, Aurum) sowie unsere im Frühjahr 1984 durchgeführte AMP von Abrotanum (Swoboda) bildeten die Grundlage an Prüferfahrung und -wissen für das Vorhaben der Acid.succ.-Prüfung.

    Unsere „Prüfpersonen“ durften wir im Oktober 1984 aus Teilnehmern der 18. Intensivkurswoche für Homöopathische Medizin in Baden bei Wien (Leitung Prim. Dorsci) rekrutieren.

     

    In der Absicht, neben einem brauchbaren Prüfungsergebnis auch eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Prüfungsleitern und Prüfern zu erreichen, wurden sechs Mitgliedern unseres Arbeitskreises je 3 bis 8 Prüfer zur Betreuung während der Dauer der AMP und der Nachbeobachtungszeit zugeteilt. Diese 6 Tutoren - die Autoren dieser Arbeit miteingeschlossen - prüften selbst die Arznei mit, allerdings mit eigenem Arzneiverteilungsschlüssel.

    Leider konnten wir unseren ursprünglichen Plan, die Probanden auch in der Phase der Auswertung stärker in der Prozess der Arzneierfassung einzubeziehen, aus organisatorischen Gründen nicht im gewünschten Umfang realisieren.

     

    „Prüfpersonen “

    „Doch bleiben diejenigen Arzneiprüfungen, welche der gesunde, vorurteilslose, gewissenhafte und feinfühlige Arzt an sich selbst mit aller ihm hier gelehrten Vorsicht und Behutsamkeit anstellt, die vorzüglichsten“ (Hahnemann im Organon, 5 141).

    Die 20 Männer und 22 Frauen, die sich in Baden in die Liste der Prüfer eingetragen hatten, waren zum Großteil Ärzte, zum kleineren Teil Medizinstudenten; auch eine OP-Schwester und ein Pharmareferent prüften mit.

    Die Voraussetzungen für die Teilnahme an einer homöopathischen AMP (Hahnemann: „Von Krankheit frei, zärtlich, reizbar und empfindlich“) und das nötige Wissen über den Ablauf einer solchen waren den Prüfern zumeist aus dem Ausbildungsprogramm der Badener Kurse bekannt. Zusätzlich instruierten wir unsere Prüfer eingehend vor Prüfungsbeginn und sicherten einen permanenten Kontakt zu ihren jeweiligen Betreuern zu (Zwischenanamnesen; allfällige Intervention bei allzu heftigen Prüfungssymptomen). Die Meisten unserer Probanden nahmen zum ersten Mal an einer homöopathischen AMP teil.
    Bei keinem der Prüfer waren schwere organische Erkrankungen aus der Anamnese bekannt (Ausschließungsgrund nach Mezger!). Die Voraussetzung eines „funktionellen Gleichgewichts“ unserer Prüfer (Mezger im Vorwort zu seiner Arzneimittellehre) war also - soweit im Einzelfall beurteilbar - gegeben.
    Die folgende Aufstellung listet jene 12 Prüfer auf, deren Protokolle für die Erstellung des Prüfungsbildes von Acid.succ. letztendlich herangezogen wurden. Auf die hier angegebenen Prüfnummern wird bei den jeweiligen Arzneisymptomen (3. Kapitel) verwiesen werden.

     

    Prüfnummer

    Dauer der
    Verumeinnahme

    Geschlecht
    Alter

    Grund für ev.
    Abbruch

    (1 )

    39 Tage

    29a, m.

    -

    (5 )

    17 Tage

    30a, m.

    psych. Symptome

    (6 )

    14 Tage

    39a, w.

    psych. Symptome

    (7 )

    68 Tage

    30a, m.

    -

    (8 )

    42 Tage

    25a, w.

    -

    (12)

    41 Tage

    25a, m.

    -

    (21)

    51 Tage

    30a, m.

    -

    (22)

    44 Tage

    27a, w.

    -

    (23)

    13 Tage

    29a, w.

    Hautsymptome

    (24)

    36 Tage

    25a, w.

    -

    (25)

    45 Tage

    25a, w.

    -

    (29)

    14 Tage

    37a, w.

    Pharyngitis acuta

     

    Prüfarznei und Prüfungsansatz

    Sowohl den (selbst prüfenden) Prüfungsleitern als auch den Prüfern war die zu prüfende Substanz unbekannt (Doppelblindsystem). Der Prüfstoff war von Dr. Mattitsch ausgewählt und an die Fa. Austroplant, 1232 Wien (Dr. Gerhard Peithner) der Auftrag zu Herstellung und Vorbereitung der Prüfarznei erteilt worden. Die Verarbeitung des zu prüfenden Stoffes von der Rohsubstanz über die Urtinktur zur potenzierten Arznei wurde im Hause Peithner durchgeführt, wobei die Ausgangssubstanz identifiziert sowie jeder Herstellungsschritt genau dokumentiert wurde.
    Die fertige Prüfarznei (Globuli D30) wurde gemäß dem von uns vorgegebenen Schlüssel abgefüllt und gemeinsam mit den Plazebofläschchen abgegeben. Hahnemanns Forderungen des „reinen, echten und vollkräftigen“ Prüfstoffs (Organon § 122) hoffen wir damit größtmöglich nahe gekommen zu sein.

    Die folgende Skizze soll unseren Prüfungsansatz schematisch darstellen.

     

    Anmerkung zur Kontaktnahme nach 4 Wochen:
    Die Probanden sollten bezüglich der Verum- oder Plazeboqualität ihres Prüfstoffes bewusst verunsichert werden. Theoretisch ließen wir uns somit auch die Möglichkeit offen, ab der fünften Prüfungswoche Fläschchen I weiterlaufen zu lassen.

    Die Probanden wurden angewiesen, ein Protokollheft anzulegen, um ihre objektiven und subjektiven Befindensänderungen, die während des Beobachtungszeitraums auftraten, festzuhalten. Zusätzlich forderten wir die schriftliche Erstellung eines Persönlichkeitsprofils (Eigenanamnese). Dies sollte eine Anamnese vor Prüfungsbeginn (wichtig für den Auswertungsprozess!) überflüssig machen - eine Vereinfachung des von Mezger geforderten Procedere bei der Durchführung einer AMP, die wir bei unserem „aufgeklärten“ Prüferkreis bewusst in Kauf nahmen.
    Nach Prüfungsende wurde mit jeder Prüfperson eine Nachanamnese durchgeführt, der mindestens noch eine weitere Kontaktaufnahme im Zuge der Auswertung (Nachbeobachtungen; nochmalige Rückversicherung bezüglich der Authentizität und Wertigkeit von Arzneisymptomen) zu folgen hatte.
    In einem Fall verstießen wir bewusst gegen eine Anweisung Hahnemanns: Wir erlegten unseren Prüfern keinerlei diätetische Vorschriften, keinerlei Enthaltsamkeit im Konsum von Stimulantien und „Ausschweifungen“, keinerlei Verbot, „dringenden Geschäften nachzugehen“, „Anstrengungen des Geistes“ vorzunehmen (Organon §§ 124, 125, 126) auf. Im Gegenteil: Der gewohnte Tagesablauf unserer Prüfer war möglichst beizubehalten. Wir meinen, dass Hahnemann in diesem Punkt zu korrigieren ist: „Falsche“ Prüfungssymptome durch eine geänderte Ernährungsweise, durch Korrekturen alltäglicher Handlungsweisen könnten so allzu leicht in die Prüfungsprotokolle gelangen!

     

    Resonanz, Auswertung

    Lediglich 12 Protokolle, die der ursprüngliche Zahl von 42 Prüfern gegenüberzustellen sind, konnten in den Prozess der Auswertung einbezogen werden. Einige der Kollegen, die sich in die Badener Liste eingetragen hatten, holten ihre Prüfarznei erst gar nicht ab, andere protokollierten nachlässig und somit unbrauchbar. Wir verweisen auf die Auflistung der uns geeignet erscheinenden Prüfer und ihrer Prookolle im Abschnitt „Prüfpersonen“.


    Den verbliebenen 12 verwertbaren Prüfungsprotokollen versuchten wir zunächst spielerisch die uns noch unbekannte Prüfarznei zuzuordnen. Dabei waren für uns die Arzneien Bovista, Natr. mur., Ambra, Colch. und Sepia die höchstrangigen. Acid.succ. wurde nicht genannt. Immerhin gelangten wir aber mit Ambra ganz in die Nähe der sicherlich noch viel zu wenig abgesicherten, bis dahin bekannten Charakteristika von Acid.succ. als Arznei mit einer großen Affinität zu nervösen Störungen („Asthma nervosum“). Auf andere mögliche Aspekte, die sich aus diesen zugeordneten Arzneien ergeben könnten, wollen wir im 4. Abschnitt hinweisen.

     

    Ein geübter Prüfer vermag - so will es uns scheinen - wenn auch das Identifizieren der Arznei nicht immer zweifelsfrei möglich sein sollte, doch zuallermeist entscheiden, ob es sich bei dem einverleibten Prüfstoff um Placebo oder Verum gehandelt hat. Dies bestätigte sich auch bei unserer Acid.succ.-Prüfung: Die Prüfer 1 bis 7, bei denen ein Placebo durch die gesamte Prüfungsdauer lief, erkannten alle ihre Prüfsubstanz als Verum. Das Plazebofläschchen (3) hatte zufällig ein Ersatzproband nach Ausfall eines anderen Prüfers erhalten.

    Die Auswertung der Prüfungsprotokolle erfolgte im Mai 1985. Wir gingen an unsere Arbeit der Symptombewertung und -sichtung äußerst kritisch heran.
    Die im Einzelfall so schwierige Aufgabe, zu entscheiden, ob ein Symptom „zufällig“ („spontan“, exogen, . . .) aufgetreten war oder sich auf die Einnahme des Prüfstoffs zurückführen ließ, vergrößerte sich noch durch die Tatsache der Erstprüfung. Auf keine der großartigen Arzneiprüfungen unserer alten Meister durften wir als Anhaltspunkt zurückgreifen.

    Wir wollen an dieser Stelle unsere Kriterien für die Symptombewertung nicht anführen und verweisen auf diesbezügliche Angaben Mezgers, Stüblers, Bayrs und anderer Autoren.
    Auf Prüfungssymptome, die zwar gut in das sich abzeichnende Prüfungsbild gepasst hätten, aber durch Nachanamnese und kritische Bewertung nicht genügend verifizierbar waren, verzichteten wir bewusst. Leider konnten wir in einem Fall das Auftreten eines eindrucksvollen akuten Ekzems (Voranamnese diesbezüglich völlig leer!) nicht verwerten, weil der Prüferin ihr Protokoll abhanden gekommen war.
    In einzelnen Fällen musste die Acid.succ.-AMP wegen heftiger Arzneireaktionen abgebrochen werden. Auch hierüber gibt die Aufstellung der Prüfer im Abschnitt „Prüfpersonen“ einen Überblick. Einige Symptome aus unserem Acid.succ.-Prüfungsbild konnten nach tageweisem Aussetzen der Einnahme des Prüfstoffs reproduziert werden.
    Eine relativ große Anzahl von Prüfern notierte erst nach dem Absetzen der Arznei (Zeitraum von 1 bis 4 Wochen) Prüfungssymptome, die zum Teil sehr wertvoll waren. Es fiel uns auf, dass eindrucksvolle Symptome oft nicht aufgezeichnet wurden und erst retrospektiv mit der AMP in Zusammenhang gebracht werden konnten. So glaubte ein Prüfer (12), an Multipler Sklerose erkrankt zu sein (anästhetischer Bezirk über der Tibia), notierte dabei aber kein Symptom. Eine andere Prüferin produzierte ein akutes Exanthem und musste durch Außenstehende auf einen möglichen Zusammenhang mit der AMP hingewiesen werden!

     

    Die Vorschaltung einer Plazebophase (I) vor Verabreichung der Verum-Arznei (II) bei der zweiten, größeren Prüfergruppe (Prüfnummern 8 bis 42) hat sich gut bewährt. - Wir wollen es nicht unerwähnt lassen, dass es bei einer Prüferin (38) nach wenigen Tagen der Einnahme von Fläschchen I (Plazebo) zum Auftreten einer massiven hämorrhagischen Zystitis gekommen ist!
    Es ist offensichtlich, dass jede Bewertung und Sichtung von Symptomen aus einer AMP letztlich ein Unterfangen darstellt, das zu einem großen Teil der Subjektivität unterliegt, vor allem von der Erfahrung und dem Einfühlungsvermögen des Auswerters bestimmt ist. Auch Bayr und Geir konnten bei ihrer Berberis-Prüfung aus dem Jahr 1982 erst nach einer (subjektiven) Vor-Sichtung der Symptome die Authentizität der verbleibenden Prüfungssymptome statistisch signifikant (und objektiv) erfassen.
    So konstruierten wir das Prüfungsbild von Acid.succ. mit „aller uns hier gelehrter Vorsicht und Behutsamkeit“ (Organon § 141) aus den uns zur Verfügung stehenden kritisch gesichteten Prüfungssymptomen.
    Wir stellen der Präsentation des Prüfbilds von Acid.succ. (Kap. 3) ein Kapitel über die Bernsteinsäure und ihre bisherige medizinische Bedeutung, ihre Chemie, Physik und Geschichte, voran.

     

    2. Die Bernsteinsäure bisher

    Bernstein ist das erstarrte Harz von Nadelhölzern der Tertiärzeit - eine fossile Substanz, der also rein pflanzliche Ursprung ist. Er findet sich in bemerkenswerter Konzentration in der „blauen Erde“ der Bernsteinküste des Samlandes (Ostpreußen).
    Das hellgelbe bis schwarzbraune, fettglänzende Harz - häufig mit Einschlüssen tierischen Ursprungs versehen - das „Elektron“ des Aristoteles (elektrische Aufladung durch Reiben), das „Glasaz“ (unserem Wort „Glas“ entsprechend) der Germanen, ist seit der Steinzeit als Schmuckstück in Verwendung. Die Bezeichnung „Bernstein“ stammt von seiner Eigenschaft, mit heller Flamme zu brennen („Brennstein“).
    Heute kennen wir den Bernstein nicht nur als Schmuckgegenstand, - seine Verarbeitung zu Zigarrenspitzen, Mundstücken, Knöpfen, seine Verwendung als Räuchermittel und mit Benzol als Bernsteinlack ist uns ebenso geläufig.
    Die Bernsteinsäure, die ja der eigentliche Gegenstand unserer Betrachtungen ist, gewinnt man aus dem Bernstein durch trockene Destillation, wie dies erstmals 1546 von Georgius Agricola durchgeführt wurde („Bernsteinsalz“). Heute sind andere technische Syntheseverfahren zu ihrer Gewinnung üblich.
    Es handelt sich bei der Bernsteinsäure (Acidum succinicum) um eine organische Dicarbonsäure mit der Summenformel C4H604. Sie bildet farblose oder weiße geruchlose Prismen von sehr saurem Geschmack.


    Neben ihrem Vorkommen in fossilen Strukturen findet sich die Bernsteinsäure auch (zumeist neben anderen Fruchtsäuren) in verschiedenen Pflanzen, nicht nur in Pilzen (Hallimasch) und Flechten, sondern auch in Blütenpflanzen, und hier besonders in den unreifen Früchten, wo sie ein Zwischenprodukt bei der Synthese von Wein- oder Zitronensäure darstellt. An speziell bernsteinsäurehältigen Pflanzen - nicht zuletzt wegen möglicher Querverbindungen zu pflanzlichen Homöopathika - seien hier das Schöllkraut (Chelidonium majus), der triviale Grüne Salat (Lactuca sativa), der „Mauerpfeffer“ (Sedum acre) und der Schlafmohn (Papaver somniferum) genannt. Acidum succinicum entsteht auch bei Gärungsprozessen und kann somit - nicht nur als Lebensmittelzusatzstoff! - auch in Fruchtsäften und im Wein enthalten sein.
    Geläufiger ist uns die Bedeutung der Bernsteinsäure als Zwischenglied verschiedener Stoffwechselchemismen des menschlichen (und tierischen) Metabolismus. So kennen wir Acidum succinicum als Bestandteil des Zitratzyklus und wissen um seine Bedeutung bei der Energiebereitstellung der Mitochondrien durch die Atmungskettenphosphorylierung sowie als Grundbaustein bei der Hämsynthese. Die Bernsteinsäure wird nur in geringsten Mengen ausgeschieden, der überwiegende Anteil fällt der Verstoffwechselung anheim. Auf eine mögliche - spekulative - Querverbindung zu unserer Arznei Acidum oxalicum sei an dieser Stelle nur hingewiesen.


    Die industriellen Verwendungsmöglichkeiten der Bernsteinsäure, insbesondere ihrer Verbindungen - stehen uns nicht so nah: Lack- und Farbstoffherstellung, Parfümindustrie, Photographie, Kunststoffproduktion (als Polyester); Funktion als Lösungsmittel und Weichmacher, Verarbeitung in Salben, Wachsen und Harzen. Auf den Gebrauch als Lebensmittelzusatzstoff (wie viele andere organische Säuren - z. B. Acidum benzoicum, - tartaricum und - salicylicum) wurde bereits hingewiesen.
    Auch aus dem medizinischen Bereich - abgesehen von ihrer Verwendung in der Homöopathie, auf die sogleich eingegangen wird - sind Möglichkeiten des Gebrauchs bekannt: So wurden (und werden z. T. noch) Verbindungen der Bernsteinsäure als Laxantien verwendet und mit Salicylaten gegen Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises eingesetzt. Ihre Harnstoff- und Alkaloidsalze besitzen gegenüber dem basischen Anteil solcher Verbindungen erhöhte analgetische und hypnotische Eigenschaften. Eine antiseptische Wirkung als Quecksilbersalz (Phenylmercurisuccinat) wird in Zahnpasten, Seifen und Mundwässern ausgenützt.
    Die Bernsteinsäure taucht auch in einem Kombinationspräparat der Fa. Kali-Chemie (Ferro Folsan plus ® ) gemeinsam mit Eisen-IISulfat und Folsäure als Antianämicum auf, sowie als Bestandteil eines Plasmaexpanders (Thomaegelin ® - Fa. Thomae).
    Zuletzt verweisen wir noch auf zwei in der traditionellen Pharmakologie fest verankerte Substanzen, die ihrer chemischen Struktur nach Bernsteinsäurederivate sind: Suxamethonium (Lysthenon® - Chemie Linz) als depolarisierender Hemmstoff an der motorischen Endplatte (Muskelrelaxans) und das Succinimidderivat Ethosuximid als Antiepileptikum.
    Von hier aus erscheint es nicht schwierig, an die homöopathische Verwendung dieser Substanz anzuknüpfen. Drei Werke der Homöopathiegeschichte sind hier als Quellen anzuführen: Johann Gottfried Rademachers „Rechtfertigung der von den Gelehrten misskannten verstandesrechten Erfahrungsheilkunde der alten scheidekünstigen Geheimärzte und treue Mitteilung der Ergebnisse einer 25jährigen Erprobung der Lehre am Krankenbette“ (1843), Morris Weiners Arbeit in Anshutz „New, Old and Forgotten Remedies“ (1892) und J. C. Burnetts Monographie „Diseases of the Spleen“. Das letztgenannte Buch ist es, das uns den Sprung vom zentralen und peripheren Nervensystem und seiner Pharmakologie zum homöopathisch verwendeten Acid.succ. zumindest aus historischer Sicht plausibel macht.

     

    Burnett beschreibt hier zunächst sein „Oleum succinü non rectificatum“, welches, wie später noch zu beschreiben sein wird, nicht ganz unserem Acid.succ. entspricht, als ein Organmittel, welches „sehr nützlich“ sei „gegen schmerzhafte Milzaffektionen, die mit krampfartigen Attacken, so wie sie die Hysterischen und Hypochondrischen oft haben, einhergehen“. Bei einer Frau, die daran gerochen haben soll, seien einmal als unmittelbare Folge „hysterische Krämpfe“ aufgetreten. An anderer Stelle beschreibt Burnett die Fallgeschichte einer „jungen Dame mit chronischer Milzschwellung, Hemihyperästhesie, Zephalalgie, Dyspnoe, Orthopnoe und Konvulsionen“, die bereits jahrelang von verschiedenen Ärzten erfolglos vorbehandelt worden war. Auf eine Angabe Rademachers hin verordnete er Oleum succinü, drei mal täglich 5 Tropfen davon. Nach 48 Stunden seien keine Krampfanfälle mehr aufgetreten, eine langsame sukzessive Besserung aller Beschwerden hätte eingesetzt.
    Burnett gibt noch an, das Oleum succ. sei heilsam bei „Milz-Leukozythämie“ (der Leukämie entsprechend?). Über die Dosierung schreibt er, es sei in „kleinen Dosen“, am besten (in „Eichelwasser“) verdünnt und aufgeschüttelt, einzunehmen.

     

    Hier wollen wir einhaken und zwei Punkte klären:
    Erstens: Die „alten“ Homöopathen (neben Burnett auch Weiner und später Clarke und Boericke) unterscheiden sehr deutlich zwischen dem (verriebenen) Bernstein („Succinum“), dem Produkt seiner unvollständigen Destillation („Oleum succinü non rectificati“) und der eigentlichen Bernsteinsäure („Acidum succinicum“). Zum Teil decken sich die bei den einzelnen Arzneien angeführten Symptome;
    Weiner und Burnett gehen aber davon aus, dass die nicht mehr geruchlose, sondern im Gegenteil „brenzlig“ riechende, gefärbte (unreine), der Ausgangssubstanz näher stehende ölige Flüssigkeit in ihrer Wirkung dem (farb- und geruchlosen) Mehrfachdestillat überlegen sei. Da das Öl ja in dem Steine enthalten sei, sei auch einfache Verreibung des Steins ausreichend (Weiner). Auf die sich von diesem Punkt aus ergebende altbekannte „Pars pro toto - Problematik“ (z. B. auch mineralische Wirkstoffe in pflanzlichen und tierischen Arzneien, organische Bestandteile von Nosoden, usw.) kann hier nicht eingegangen werden. Wir glauben, dass es zulässig ist, diese in der homöopathischen Literatur verhaftete Spitzfindigkeit zugunsten einer vereinfachend gemeinsamen Betrachtung von Bernstein und Bernsteinsäure vernachlässigen zu können.

    Zweitens: Was man damals - in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - unter Milzerkrankungen verstand, bedarf noch einer näheren Erläuterung: Ausgehend von dem geläufigen Begriff „Spleen“ (Verschrobenheit, sonderbares Benehmen) können wir die historische Verknüpfung von Milz und Geistes-Gemütsbereich verstehen. Von der Milz angeblich ihren Ausgang nehmende Konvulsionen werden für uns vielleicht so besser nachvollziehbar. Zwar betrachtete man die Milz zur Zeit des ausklingenden Barok (um Hahnemanns Geburtszeit) als Organ, welches das von ihr der Leber zugeführte Blut mittels eines Auspreßvorgangs verdünnen sollte, damit diese „die Galle leichter von sich lasse“, doch findet sich auch in einem Konversationslexikon aus dem Jahre 1722 unter dem Stichwort „Seitenweh“, „Miltzweh“ die Erklärung: Hypochondriacum malum; befallen davon würden in erster Linie „die Gelehrten, die ein einsam Leben führen“, und „Miltzkrankheiten“ seien „mehrentheils mit schwermüthigen Gedanken vergesellschaftet“. Der Begriff des Hypochonders und des Melancholikers wird uns so von den Organen des Hypochondriums, der Milz und der Leber, ausgehend - geschichtlich betrachtet - verständlicher. Ob dieser historische Konnex wesentlich zum Verständnis unserer homöopathischen Arznei Acid.succ. beitragen kann, muss offen bleiben.


    Die anderen zwei Quellen für die homöopathische Verwendung der Bernsteinsäure wurden bereits erwähnt: Johann Gottfried Rademacher (1772-1850), der als Zeitgenosse Hahnemanns in den Schriften seiner Erfahrungsheilkunde auf iatrochemischer Ebene eine konstitutionelle Medizin vorstellte, und M. Weiner.
    Rademachers Hinweis, der - wie bereits erwähnt - auch Burnett zum therapeutischen Gebrauch der Bernsteinsäure anregte, konnten wir aus seinem oben zitierten umfangreichen Werk nicht habhaft werden.
    Weiner behauptet, die Bernsteinsäure 1880 einer Prüfung unterzogen zu haben. Über Prüfungsmodus, eventuelle Potenzierung des Prüfstoffs etc. finden sich aber keinerlei Angaben. Es entsteht der Verdacht, Weiner meinte mit „Prüfung“ ein toxikologisches Experiment, da er an anderer Stelle schreibt, die entflammbaren Dämpfe dieser Masse („Acidum succinicum crudum“) seien imstande, „Asthma, Husten, Niesen, Tränenfluß, Tropfen wässrigen Schleims von den Nasenlöchern, Thorax- und Kopfschmerzen“ zu verursachen. „Keine unserer Arzneien“, schreibt er, „ergibt ein getreueres Bild des Heufiebers“. Bernsteinohrringe und -halsschmuck seien in volksmedizinischer Anwendung schon lange gegen Neuralgien, Erkältungen und Heufieber eingesetzt worden. Weiner empfiehlt die D3-Trituration des Bernsteins in Wasser gelöst („ein Teelöffel alle zwei Stunden“) als Spezifikum gegen das Heufieber. Er gibt an, mit dieser Verordnung die besten Ergebnisse erreicht zu haben. Eine deutliche Erleichterung der Symptomatik sei nach der ersten Woche der Einnahme zu erwarten. 30 Patienten hätte er derart behandelt und hätte ihnen durch seine Succinum-Verordnung den sonst alljährlich notwendigen Klimawechsel erspart.


    Clarke und Boericke stützen sich in ihren Angaben im Wesentlichen auf die oben genannten Autoren. So schreibt Boericke z.B. über die Indikationen des Bernsteins: „Nervöse und hysterische Symptome; Asthma; Milz-Affektionen.“ Für die Anwendung von Acid.succ. empfiehlt er die 6. und die 30. Potenz. Clarke führt als Indikationen unter „Succinum“ an: Asthma; Furcht vor Zügen und engen Plätzen (Schlüsselsymptom nach Burnett); Globus; Heufieber; Singultus; Hysterie; Leucocythämia splenica; Milzaffektionen. Er erwähnt das Bernsteinöl auch als lokales Irritans gegen Lumbago, Rheuma, Ischias und auch bei Keuchhusten (in die Haut des Rückens eingerieben).
    Ferner zitiert er einen Artikel Murrells aus dem British Medical Homeopathic Journal, in dem dieser einen Vergiftungsfall (ein Teelöffel des Öls) schildert. Er zählt dazu folgende Symptome auf: Unstillbares Erbrechen, Durchfall, Kollaps, Abort. Clarke fügt auch dieses Vergiftungsbild in sein Arzneimittelbild ein.


    Acid.succ. fehlt in den Arzneimittellehren Allens, Herings, Leesers, Mezgers und Stauffers. Voisin führt die Bernsteinsäure an, fasst aber im wesentlichen bereits Bekanntes zusammen. Dorcsis Arzneimittellehre widmet dieser Arznei verhältnismäßig breiten Raum, dem häufigen und bewährten Gebrauch von Acid.succ. und seiner großen klinischen Erfahrung mit dieser Arznei entsprechend. Die Symptomenvielfalt von Accid.succ. bei Dorcsi beruht unseres Wissens nicht auf Angaben von Vor-Autoren. Wir erinnern, dass Acid.succ. von Dorcsi gemeinsam mit Ambra und Mephites in eine Reihe gestellt wird („Nervöses Asthma“).


    Abschließend verweisen wir noch auf den Gebrauch von Acid.succ. im Rahmen der Molekurlartherapie nach W F Koch und auf ähnliche Aspekte in der Homotoxinlehre Reckewegs. Darauf soll jedoch hier nicht eingegangen werden.
    Kritisch betrachtet stehen wir mit Acid.succ. vor einer homöopathischen Arznei mit zwar großer Tradition, aber völlig fehlender Grundlage der Arzneimittelprüfung - einer von zahlreichen weißen Flecken in der Landschaft unserer homöopathischen Materia medica. Diesem Defizit an Arzneiwissen stellen wir nun unser Prüfungsbild von Accid.succ. entgegen.

     

    3. Prüfungsbild von Acidum succinicum

    I. Geist, Gemütssymptome Allgemeinbefinden Schlaf

    (5)

    Große Unruhe, kann am Abend nicht einschlafen. Wacht wiederholt gegen 2 Uhr morgens auf und kann nicht mehr einschlafen. Zittrig, leicht reizbar, verletzbar, Konzentration fällt schwer. Deswegen Abbruch der Prüfung am 17. Tag. Die psychischen Symptome klingen eine Woche darauf ab, die Schlafstörungen erst nach einem Monat.

    (6)

    In der zweiten Nacht nach der abendlichen Einnahme ein Alptraum von einer Gruft, von Reliquien, Knochen und einem Gerippe, das ihr die Lebenskraft zu rauben droht. Der Traum bedrückt die Prüferin tagelang, sie kennt solche Träume nicht von sich. Der Rest der Prüfung traumlos.
    Am dritten Tag beginnt die Stimmung schlechter zu werden: Gereiztheit, Zerstreutheit („schreibe wie ein Legastheniker, sage „Guten Morgen' statt „Danke“, wenn man mir Kaffee bringt“). Wird in den nächsten Tagen depressiv: „Suche verzweifelt jemanden, der mir hilft“, „stelle heulend fest, dass ich keine Freunde habe“, „bin ganz allein“, „hilflos in rabenschwarzer Depression“.
    Das Rauchverhalten wechselt stark, von „heißer Gier bis Ekel“, raucht zwanghaft, mehr als sonst.
    Streitet, schreit mit den Kindern, was ihr später leid tut. Abbruch der Prüfung wegen der psychischen Symptome nach 13 Tagen Verumeinnahme. Die Depression löst sich etwa 4 Wochen später.

    (7)

    An manchen Tagen müde, benommen, kann sich schwer besinnen. Auch: Üble Laune, Gereiztheit, Kleinigkeiten bringen ihn aus Fassung, schreit mit den Kindern.

    (23)

    Stimmung auffallend gut trotz ständig juckenden Ekzems (siehe Abschnitt „Haut“).
    Wohlbefinden bei heftigem Nasenlaufen, auch während Fiebergefühl mit Puls von 140/min. (s. „Temperaturverhalten“).

    (24)

    Will oft allein sein - ist ebenso ungewöhnlich wie „keine Lust auf sexuellen Kontakt“.

    (25)

    Gereizt, mürrisch, streitet; zieht sich gern allein in ein Zimmer zurück.
    „Kann abends nicht einschlafen, die Ereignisse des Tages spielen sich wie ein Film vor meinen Augen ab“ (wiederholt aufgetreten - ein zwar bekanntes, aber nie in dieser Intensität erlebtes Symptom).

     

    IL Kopfschmerz Schwindel Sinnesorgane

    (1)

    Stechen im linken Auge und darüber für kurze Zeit - zu Beginn der Prüfung über drei Tage -, einmal abends im Bett, sonst untertags aufgetreten. Nicht schmerzhaft.
    Raucht einmal am Vormittag mit Genuss eine Zigarette - sonst Nichtraucher.

    (5)

    Während der Prüfung wird Alkohol schlecht vertragen, der Prüfer fühlt sich schon nach kleinen Mengen betrunken, was ihm sehr ungewohnt ist.

    (7)

    Hört in einem Gespräch plötzlich schlechter, muss sich Gesagtes wiederholen lassen, um lauteres Sprechen bitten.

    (8)

    „Am Nachmittag fiel mir der Geruch einer Zigarette im Freien angenehm auf. Ich bin Nichtraucherin und finde den Geruch normalerweise scheußlich.“
    Einige Tage wiederholt Stechen im linken, dann im rechten Ohr.


    (22)

    Die Prüferin leidet seit langem unter drückenden Stirnkopfschmerzen, meist „rechts hinter der Augenbraue“. Diese als „lästig“ beschriebenen Schmerzen treten ab dem 10. Einnahmetag der Prüfarznei wesentlich häufiger, nach Absetzen deutlich seltener als üblich auf. Während der Prüfung lassen die Kopfschmerzen im Freien nach und ändern sich nicht in Ruhestellung. Bekannt war der Prüferin eine Verschlimmerung der Beschwerden im Freien und eine Besserung im Liegen.

    (23)

    Die Prüferin leidet seit langem unter drückenden, bohrenden rechtsseitigen Stirnkopfschmerzen, die während der Prüfung nicht und bis drei Monate danach auffallend selten auftreten. Übliche Modalitäten dieser Kopfschmerzen: Auslösung durch „Stress“ möglich, Verschlimmerung durch geistige Arbeit, am Nachmittag, beim Bücken und Aufrichten. Keine Beeinflussung durch Schlaf.
    Augen rinnen wässrig (s. nächstes Kapitel). Ekzem an der Ohrmuschel (s. Kapitel „Haut“).

    (24)

    Etwa ab dem 14. Einnahmetag mag die Prüferin keine Milch mehr trinken, später lehnt sie auch Kaffee ab. Grund für diese Ablehnungen kann sie nicht angeben, Beschwerden sind nicht aufgetreten. Drei Wochen nach Prüfabschluss nimmt sie Milch und Kaffee wieder gern zu sich.

    (25)

    Zwei Tage nach Prüfende beginnt bei der 25jährigen Probandin eine Schwindelsymptomatik, die 14 Tage anhält: Morgens beim Aufstehen „dreht sich alles vor den Augen“, „Schwarzwerden vor Augen“, „benommen“. Der Schwindel tritt auch beim Niederlegen abends auf, „vor allem beim Drehen des Kopfes im Liegen“, nicht dagegen untertags. (- Bisher nie beobachtete Beschwerden).

     

    III. Atmungstrakt

    (7)

    Wird einen banalen Infekt nicht los: Schleimig-eitrige Nasensekretion während der gesamten Prüfung, Heiserkeit, Kratzen im Hals, Reizhusten, vom Jugulum ausgehend, „hüsteln“ (wiederholt). Dabei ständig Kältegefühl, Frieren (s. unten).

    (8)

    Nachlassen des Riechvermögens um den 30. Einnahmetag. Hält einige Tage an.

    (23)

    Plötzlich heftige wässrige Sekretion aus Nase und Augen ohne Unterlass, Nasensekret wundmachend. Später ist die Nase „verstopft“, rinnt aber ununterbrochen. Dabei fühlt die Prüferin sich wohl. Die Sekretion hält 4 Tage an, in dieser Zeit juckt das im Kapitel „Haut“ zu beschreibende Ekzem wesentlich weniger.
    Anmerkung: Dieses Symptom trat Ende Januar auf, eine saisonale Rhinitis ist bei der Prüferin nicht bekannt.

    (25)

    Muss sich häufig räuspern, spürt Schleim im Rachen, den sie nicht abhusten kann.

     

    N. Kreislauf Temperaturverhalten

    (6)

    Verträgt die Kälte nicht, abends vor dem Schlafengehen ist ihr besonders kalt.

    (7)

    Erkältlichkeit, kann sich nicht erwärmen, kalte Füße trotz dicker Socken. Kältegefühl um die Brust. Kältegefühl um die Nierengegend. (s.a. „Atmungstrakt“).

    (8)

    Seltener kalte Finger als sonst, Füße sind dagegen fast immer
    kalt.

    (23)

    Fühlt sich am Abend fiebrig und trotzdem wohl, Ruhefrequenz dabei 140/min. (Am nächsten Tag keine Anzeichen eines Infektes.)

    (25)

    Friert während der Prüfung weniger als sonst.

    Anmerkung: Die Prüfung fand in einem strengen Winter mit Temperaturen zwischen - 10 bis -20 Grad Celsius und darunter statt. Im Hinblick darauf wurde in diesem Abschnitt besonders vorsichtig ausgewählt und ausgeschieden.

     

    V. Mund
    Rachen
    Verdauungsorgane

    (1)

    Bohrendes nagendes Hungergefühl, auch bald nach dem Essen. Besser durch Essen. Dabei allgemein wohl.
    Druck im Epigastrium mit leichter Übelkeit am Nachmittag. Am Abend nach ein paar Schlucken Wassers gebessert. Dabei Ekel vor Essen.
    Bauch scheint gebläht nach einem keineswegs üppigen Abendessen mit Übelkeit. Besserung im Stehen, bei Vornüberbeugen, im Liegen auf dem Rücken. Dabei Widerwille gegen Alkohol (fällt ihm besonders auf).
    Magendrücken nach geringen Mengen Alkohols (wiederholt).

    (7)

    Zahnfleisch wund - Bläschen und Erosionen.

    (8)

    Über mehrere Tage Übelkeit am späten Abend: Besserung durch lokale Wärme, Druck, Hinlegen und Anbeugen der Knie, keine Änderung durch Essen. (Solche Beschwerden unbekannt).

    (21)

    Völle, Geblähtheit im Oberbauch, Aufstoßen und Winde, „Gefühl, die Nahrung wird nicht richtig verdaut“, dann 3 Tage lang Tenesmen und helle, fettige, stechend riechende Stühle, auch flüssig. (Der Prüfer erinnert sich nicht, jemals solche Beschwerden gehabt zu haben.)
    Stechen in einem 6 Wochen früher sanierten Zahn, dann anhaltender dumpfer Schmerz und leichte Druckempfindlichkeit.

    (23)

    Einige Male nur jeden zweiten Tag Stuhl - wird als höchst ungewöhnlich empfunden, zumal sonst jeden Tag mindestens einmal Stuhl bei Neigung zu Diarrhöen (M. Meulengracht in der Anamnese).

    (25)

    Zu Beginn der Prüfung über zwei Wochen der Stuhl weich, in den ersten Tagen mit Tenesmen, später schmerzlos. Die restliche Prüfung über normalen Stuhl.
    Die ersten drei Tage nach der letzten Einnahme ist der Stuhl wieder weich bei normaler Farbe, so wie zu Beginn der Prüfung. Diese Symptome sind der Prüferin nicht bekannt und treten in den folgenden drei Monaten auch nicht mehr auf.

     

    VI. Harn- und Geschlechtsorgane

    (5)

    Brennen beim Urinieren mit Rötung und Wundsein im Sulcus coronarius glandis. (Zu Beginn der dritten Woche, einige Tage anhaltend. Als Bub hat der Prüfer einmal solche Beschwerden gehabt.)
    Zehn Tage nach Absetzen der Arznei, als die psychischen Beschwerden, die den Prüfer zum Abbruch der Prüfung veranlasst haben, in den Vordergrund treten, werden folgende bisher nicht bekannte Symptome beobachtet: Schmerzen im linken Hoden von ziehendem Charakter, den Samenstrang entlang sich ausbreitend. Diese Schmerzen, die anfallsartig auftreten, sind so heftig, dass dem Prüfer beim Berühren des Hodens während eines Anfalles übel wird.
    Es bestehen keine sichtbaren Veränderungen. Die Anfälle treten zunächst ein- bis zweimal pro Tag auf, später ein- bis zweimal in der Woche, nach 4 Monaten nur mehr gelegentlich und nicht mehr so heftig wie zu Beginn.

    (6)

    Die Regelblutung tritt am 20. Zyklustag (sonst zwischen dem 25. und 27. Tag) ein. Die nächste Blutung tritt schon 14 Tage später ein. Anschließend wird die Prüferin schwanger.

    (22)

    Die beiden auf die Prüfung folgenden Regelblutungen fallen mit ein bis zwei Tagen deutlich kürzer (sonst 4 bis 5 Tage) und schwächer aus als gewöhnlich.

    VII. Stütz- und Bewegungsapparat

    (5)

    Unsicher in den Sprunggelenken, muss aufpassen, dass er sich beim Aussteigen aus dem Auto nicht verletzt. Schneidende Schmerzen im linken Ellbogengelenk und im

    (7)

    rechten Knie, einen Tag lang. Die Schmerzen im Knie werden beim Stehen stärker und nehmen bei längerem Gehen ab.
    Brennender, „wunder“ Schmerz hinter dem Brustbein und „Gefühl in der Brustwirbelsäule wie verrissen“ (bessert sich am nächsten Tag).
    Plötzlich heftiger stechender Schmerz hinter dem Brustbein links, zum Zungengrund ausstrahlend, mit Angstgefühl. Einatmen verschlimmert den Schmerz, der nach einigen Minuten verschwindet. Der 30jährige Prüfer beschreibt diesen Zustand als „fast pektanginös“.
    Ziehende Schmerzen in den Handgelenken mit lokalem Kältegefühl.

     

    VIII. Haut undAnhangsgebilde; Akren

    (1)

    Ein bestehendes trockenes Ekzem an den Unterschenkel juckt in den ersten Wochen der Prüfung weniger, dann mehr als vorher.

    (5)

    In der ersten Woche tritt ein trockenes papulöses Ekzem um den Nabel und an den Unterarmbeugeseiten in Handgelenksnähe auf. Kratzen lindert den Juckreiz. Das Ekzem verschwindet nach einigen Tagen.
    Später Juckreiz an beiden Unterschenkeln über einige Tage. (In der Anamnese ein generalisiertes vermutlich allergisches Exanthem, vor einigen Jahren einmalig aufgetreten.)

    (6)

    An den Innenseiten beider Oberschenkel tritt bei der Prüferin jeden Herbst Juckreiz auf. Während der Prüfung zu Winterbeginn ist der Juckreiz besonders stark, „kratze bis zur Erschöpfung“.

    (7)

    Ab der 4. Woche treten Parästhesien (als leichtes Brennen) und (häufiger) Hypästhesien an den Fingern auf. Betroffen ist meist der rechte Daumen, seltener der 3. und 4. Finger der rechten Hand und der linke Daumen. Die Empfindungen treten anfallsweise, auch mehrmals am Tag auf und verschwinden einige Wochen nach Prüfungsende.
    Weitere Empfindungen sind: „Kann nichts angreifen, ohne Schmerzen an den Fingerspitzen zu haben“, „abends Schmerzen in den Zehen des rechten Fußes“, „Finger tun sehr weh, wenn ich mich anschlage“. Der Nagel des linken Zeigefingers splittert nach einem Bagatelltrauma der Fläche nach, die Fingerkuppe schmerzt.
    Die Haut ist noch trockener als sonst, der Juckreiz dabei stärker, besonders die Beine und hier die Kniekehlen sind betroffen. In der Sauna ist der Juckreiz so stark, dass er ständig kratzen muss.

    (8)

    Kribbeln an der Radialseite des rechten Daumens. „Als dann beim Gehen der Arm herunterhängt, pflanzt sich das Kribbeln bis zum Ellbogen fort, dort spüre ich ein Gefühl der Wärme.“ Diese Empfindung dauert eine halbe Stunde und wiederholt sich nicht.
    Gesichtshaut und Haar sind fettiger als sonst.
    Während der Prüfung besteht deutlich weniger Juckreiz auf der (unveränderten) Haut der Unterarme als üblich.
    Anmerkung: Die Prüferin hat an der AMP mit Abrotanum D 30 letztes Jahr teilgenommen und damals über eine beträchtliche Zunahme des Juckreizes zu klagen gehabt.

    (12)

    Hypästhesie rechts praetibial, dauert eine Woche an. Anmerkung: Der Prüfer ist sehr beunruhigt über dieses Symptom gewesen, hat an Multiple Sklerose gedacht!

    (23)

    Die Haut ist noch trockener als sonst. Am 10. Tag tritt an beiden Daumen und Zeigefingern ein trockenes, Papeln bildendes, heftig juckendes Exanthem auf, das sich ekzemartig ausbreitet und zum Abbruch der Prüfung Anlass gibt. Die Ausbreitung erfolgt über die Handrücken an die Ulnarseiten der Unterarme, auch an den Ohrläppchen und den Außenseiten der Ohrmuscheln wie am Hinterkopf im behaarten Bereich treten die gleichen Veränderungen auf. Der Juckreiz wird vorübergehend während eines heftigen Fließschnupfens deutlich schwächer (s. Kap. „Atmungsorgane“). Das Ekzem besteht etwa zwei Monate.
    Aus der Anamnese ist eine vor drei Jahren aufgetretene Kontaktdermatitis auf Desinfektionsmittel bekannt. Eine exogene Ursache ist bei dem während der Prüfung erschienenen Ekzem nicht anzunehmen.

    (24)

    Die Haut ist trockener als gewöhnlich.

    (29)

    Am Abend treten am Oberkörper 4 juckende Knötchen mit einem geröteten Hof von 2 cm Durchmesser auf. Die Erscheinungen verschwinden nach 2 Stunden und sind weder vorher noch nachher beobachtet worden.

     

    4. Kommentar zum Prüfungsbild

    Dorcsi ordnet Acid.succ. in seiner Arzneimittellehre der Lithämie zu. Gleichzeitig gibt er als Konstitutionsmerkmale „blass, kalt, feucht, schwach“ an (vgl. andere Säuren!). - Für uns Prüfunksauswerter war die geprüfte Arznei eine lithämische - bevor wir ihren Namen kannten: Gelenksbeschwerden (stechend, schneidend, wie verrissen), Parästhesien, wundmachende Sekrete, die außergewöhnliche Kälteempfindlichkeit und die Reaktion, die unser Prüfstoff auf das männliche (und weibliche) Genitale hervorrief, ließen uns von vornherein in diese Richtung denken. Eine Verwechslung mit Colchicum wurde bereits erwähnt. Auch die eher gereizte Stimmung, mit dem Verlangen allein zu sein, und die Affinität (bzw. NichtAffinität) zu Stimulantien, wie sie im Prüfungsbild wiederholt zutage trat, passten gut in das Lithämie-Konzept. Dorcsis Erfahrungen mit dieser Säure-Arznei ließ sich also durch unsere AMP voll bestätigen, - so wie dies übrigens für eine Fülle von Prüfsymptomen gilt, die bei Dorcsi vermerkt sind und sich auch bei unseren Prüfern manifestierten.
    Ein weiteres Argument für die Zuordnung von Acid.succ. zur Lithämie ist in unseren Augen die chemische Verwandtschaft der Bernsteinsäure zu den Arzneien Acid.oxal., -benzoicum, -lacticum, -salicylicum und -tartaricum (Tartarus emeticus), die ebenfalls der Sykose zugerechnet werden. Anhand einzelner Symptome lassen sich bemerkenswerte Ähnlichkeiten aufzeigen, - man denke nur an die „nervösen“ Acid.oxal.-Symptome (Verschlimmerung durch Darandenken) oder auch an die Schmerz-Charakteristik von Acid.oxal. („kleine, umschriebene und stark berührungsempfindliche Stellen“) ! Auch die Tatsache, dass die Ausgangssubstanz der Arznei ein Harz ist, weist auf eine Beziehung zur Sykose hin (vgl. Cannabis, Copaivabalsam, Guajakum, Gummi Gutti).

    Die Konkordanz von Symptomen aus dem Arzneibild von Dorcsi und unserer AMP wurde bereits erwähnt. Aber auch alte Angaben über das „Oleum succinü“ - z. B. die Hemihyperästhesie bei Burnett - finden sich in unseren Prüfungsprotokollen wieder.


    Über die Ähnlichkeit mit Ambra wurde bereits an anderer Stelle geschrieben. So verleiteten uns Beschwerden von Prüfern wie Schlaflosigkeit, (nervöses) Hautjucken, Reizhusten und akrale Parästhesien an Ambra als Prüfstoff zu denken. Obwohl im Englischen mit ähnlichem Namen versehen („Amber“ = Bernstein, „Ambergris“ = Ambra), konnte kein Hinweis auf einen Bernsteinsäuregehalt von Ambra entdeckt werden.


    Es muss auch an Conium als Vergleichsmittel gedacht werden (Drehschwindel, Parästhesien, Alkoholintoleranz).
    Schließlich fahndeten wir nach der Bernsteinsäure als Inhaltsstoff von Pilzen. Unsere Prüfarznei war - wie erwähnt - anfangs mit Bovista verwechselt worden (Mensesirregularität, Hautjucken, depressive Verstimmung - Prüferin 6). Tatsächlich findet sich im Bovist (Lycoperdon bovista) die Gammaguanidobuttersäure (Leeser), deren chemische Struktur jener der Bernsteinsäure sehr ähnlich ist. Der hohe Gehalt an Bernsteinsäure im Hallimasch (Armillariella polymyces) wurde bereits erwähnt. Von diesen Überlegungen ausgehend ist es ein kurzer Weg zu einer unserer wichtigsten Arzneien mit Akren-Beziehung, - Secale cornutum. Secale enthält an organischen Säuren allerdings nur die Brenztraubensäure in bemerkenswerter Konzentration und seine Wirkung auf die Gefäße wird in erster Linie den Lysergsäurederivaten zugeschrieben. Acid.succ. wurde aufgrund unserer Prüfungsergebnisse aber bereits vom Verfasser dieser Zeilen bei einem Patienten mit Morbus Raynaud als Folgearznei von Secale verordnet - und, wie es vorläufig scheint, mit gutem Erfolg.

    Von dieser abgesehen, wollen wir auf die Angabe von Indikationen verzichten. Vielmehr scheint sich ein weites Anwendungsgebiet aufzutun, wenn man die „Nervöse Schwäche“ der Säure in Verbindung bringt mit dem Leitfaden der Lithämie, wie er sich durch die Prüfung zieht.
    Vom „sykotischen“ Kopfschmerz über die saisonalen oder nichtsaisonalen Rhinitiden, Asthma bronchiale („nervosum“), Hautsymptomen und Beschwerden des rheumatischen Formenkreises bis hin zu den Geistes- und Gemütssymptomen findet man in diesem Sinne die Indikationen.
    Unterstreichen wollen wir die Beziehung zur Haut. Zum einen weisen wir auf das Suppressions- oder Vikarianzphänomen hin, wie es bei der Prüferin 23 aufgetreten ist, zum anderen scheint uns der heftige Juckreiz bedeutsam, der in diesem Fall ehe der S\ kose als der Psora (vgl. Medorrhinum) zuzurechnen ist.

     

    5. Zukünftige Aspekte unserer Arbeit mit Arzneimittelprüfungen
    „Es ist übrigens eine eigene Sache mit solchen Arzneimittelprüfungen, sie sind nicht so leicht wie sie aussehen.“

    Dieser Satz des Hahnemann-Schülers Hartmann aus dem Jahre 1850 soll auch hier - so wie bei den Betrachtungen Mezgers über Arneimittelprüfungen im ersten Abschnitt seiner Arzneimittellehre - das Motto bilden!

    Zur Frage der Prüfer:
    Hahnemann warnte vor „fremden und unbekannten Prüfpersonen“ (j 139 des Organon). Prüfvereine und Prüfergesellschaften haben Tradition und uns wertvolle Arzneien geschenkt. Das ist kein Zufall: Es scheint, dass man das Prüfen in gewissem Maße üben und lernen kann. Diese hohe Einschätzung des geübten Prüfers soll nicht bedeuten, dass nicht auch der unbefangene sensible Erstprüfer sich als sehr wertvoll erweisen kann.
    Wir werden jedenfalls bei unserer nächsten Arbeit auf begabte und bewährte Prüfer zurückgreifen und auch neue Interessenten einbeziehen.
    Die Zahl der Prüfer werden wir im Vergleich mit dieser Prüfung verkleinern. Erstens, weil die unerlässliche persönliche Betreuung während der Prüfung verstärkt werden kann und zweitens, weil die Zahl der verwertbaren Symptome nicht linear mit der Zahl der Prüfer zuzunehmen scheint.
    Dass Ärzte besonders gute Prüfer sind (Organon 5 141), müssen wir als Verallgemeinerung in Zweifel ziehen. Mangelhafte Mitarbeit war selbst bei homöopathisch interessierten und geübten Kollegen einige Male ein Ausschlußgrund.

     

    Zur Frage der Durchführung:
    Die Anweisungen zu Beginn einer Prüfung müssen ausführlich und genau erfolgen. Die Bereitschaft zum Durchhalten ist häufig eine Funktion der Güte der Betreuung durch den Prüfungsleiter. Drastische Reaktionen auf einen Prüfstoff treten seltener als erwartet auf. Milde, unterschwellige, kaum merkliche Symptome sind oft die hochwertigen. Stübler spricht von einer „behutsamen Begegnung“. Der Enttäuschung des Prüfers, der nach Einnahme der Prüfarznei auf eine Explosion wartet, ist in diesem Sinn vorzubeugen.


    Die Aufzeichnungen der Probanden in ein „Freistilprotokollheft“ eintragen zu lassen, muss rückblickend als ein Fehler gewertet werden. Es bot sich leider allzu oft ein typisches Bild: Gewissenhafte Protokollführung während der ersten (Plazebo)tage, dann oft plötzliches Abbrechen der Eintragungen, manchmal sogar völliges Fehlen von protokollierten Beobachtungen oder der Versuch, aus der Erinnerung heraus noch ein scheinbar aktuelles Protokoll zustande zu bringen. Hierher gehört auch die bereits erwähnte Tatsache des völligen „Übersehens“ und Nichtaufzeichnens von erlebten Symptomen, die nach Beendigung der Prüfung herausgearbeitet werden mussten!

    Wir werden reumütig zu vielleicht etwas erweiterten Protokollheften von Stübler und Bayr zurückkehren.
    Die Prüfer müssen eindringlich davor gewarnt werden, selbst ihre Symptome auf „Prüfsymptom“ und „Nicht-Prüfsymptom“ hin zu bewerten und vielleicht sogar nicht aufzuzeichnen, was sie für unwichtig halten.
    Erst die genaue Nachbesprechung mit dem Prüfungsleiter und eine Nachbeobachtung über einige Wochen kann ein Symptom als wertvoll oder für die Prüfung wertlos darstellen.


    Besonderer Wert ist auf eine ausreichende Dauer der Prüfung zu legen. Mezger hat diese Forderung mehrfach begründet: Modalitäten stellen sich heraus, wenn man den Prüfer sich verschiedenen Situationen aussetzen lässt, Einflüsse auf die Menses gehen bei zu kurzer Prüfdauer verloren usw.
    Zumindest sechs Wochen scheinen uns notwendig zu sein. Ob man dabei wie wir mit täglichen Gaben prüft oder man z. B. Einmalgaben auswirken lässt, ist dem Belieben des Prüfleiters mit seiner diesbezüglichen Erfahrung überlassen. Die Frage der bei einer Prüfung anzuwendenden Potenz scheint uns ebenso wenig im Vordergrund zu stehen. Gute Prüfungen gibt es mit tiefen wie mit hohen Potenzen.

    Unerlässlich, um es zu betonen, ist die lange Prüfdauer, auf die eine ausreichende Zeit der Nachbeobachtung folgt. Wertvolle Symptome werden dadurch gewonnen, dass man eine Arzneiwirkung abklingen sieht oder eine solche überhaupt erst auftritt nach Beendigung der Einnahme.
    Hahnemanns Aufforderung unentwegt zu prüfen, um die Materia Medica zu bereichern und abzusichern - aude sapere! - ist uns zu einem Anliegen geworden.
    Eine ehrgeizige Fragestellung ist dabei folgende: Wird es bei genügender Erfahrung mit Arzneimittelprüfungen möglich sein, Hinweise auf konstitutionelle und diathetische Merkmale einer Arznei aus der Prüfung zu bekommen? Im Hinblick auf die Einführung bislang ungeprüfter Mittel sehen wir darin eine reizvolle Aufgabe und bitten unsere interessierten Kollegen um ihre Mitarbeit.


    Um diese Mitarbeit bitten wir auch, wenn wir die Bernsteinsäure als geprüftes Acidum succinicum zur Anwendung am Patienten übergeben. Erst die gut dokumentierte Erfahrung am kranken Menschen macht aus Vermutungen wertvolle und nachvollziehbare Arzneidaten, über deren Mitteilung wir dankbar wären.
    Unser Dank gilt den „Mitleidenden“ (nach Fritsche eine homöopathische Grundhaltung) Prüfern, ferner Dr. Gerhard Peithner und Hans Swoboda für die Bereitstellung und Dr. Günter Mattitsch für die Wahl der Arznei.
    Besonderen Dank möchten wir unserem Mentor Prim. Mathias Dorcsi aussprechen, der uns durch seine fortwährenden Ermunterungen zur Arzneimittelprüfung und in seiner stetigen Präsenz als Initiator und Träger der Homöopathischen Idee in Österreich immer ein Ansporn war und sein wird.


    Literatur

    Aebi, H.; Baumgartner, E.; Fiedler, K P.; Ohloff G.: Kosmetika, Riechstoffe und Lebensmittelzusatzstoffe. G. Thieme Verlag, Stuttgart 1978.

    Anshutz, E. B.: New, Old and Forgotten Remedies. Indian Books & Periodical Syndicate, New Dehli 110005.

    Bayr, G.: Eine Prüfung von Berberis vulgaris D3 und D30. Allgemeine Homöopathische Zeitung, H. 5. Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1983.

    Boericke, O. E.: Pocket Manual of Homeopathic Materia Medica. 9th Edition, B. Jain Publishers, New Dehli 110029.

    Burnett, j. C.: Diseases of the Spleen. B. Jain Publishers, New Dehli 110029.

    Clarke, J. H.: Directionary of Practical Materia Medica. Jain Publishers, New Dehli 1978.

    Dorcsi, M.: Arzneimittellehre, Bd. 5 der Lernbuchreihe Homöopathie. Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1983.

    Dorcsi, M.: Medizin der Person, Bd. 1 der Lernbuchreihe Homöopathie. 4. Aufl. Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1982.

    Foerst, W(Hrsg.): Ullmanns Lncyklopädie der Technischen Chemie, 4. Bd., 3. Aufl. Urban & Schwarzenberg, München - Berlin 1953.

    Hager, H.: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, Bd. 2, 4. Aufl. Springer Verlag, Berlin - Heidelberg - New York 1969.

    Hahnemann, S.: Organon der Heilkunst, 5. Aufl. Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1984.

    Karlson, P.: Kurzes Lehrbuch der Biochemie. G. Thieme Verlag, Stuttgart 1974. Kuschinsky, G.; Lüllmann, K: Kurzes Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie, 7. Aufl. G. Thieme Verlag, Stuttgart 1976.

    Leeser, O.: Lehrbuch der Homöopathie, 2. spez. Teil, 2. Aufl. Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1968.

    Merck index: Windholz, M.; Budavari, S.; Blumetti, R. F.; Otterbein, E. S.; (Hrsg): lOth Edition, Merck & Co., Inc., Rahway N. J., USA 1983.

    Mezger, 1.: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre, (2 Bde.), 5. Aufl. Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1981.

    Roempp, H.: Chemie Lexikon, 4. Aufl. Francksche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1958.

    Schwabe, W.: Homöopathisches Arzneibuch, 2. dt. Ausg. Verlag Dr. Willmar Schwabe, Leipzig 1934.

    Stübler, M.: Die homöopathische Arzneimittelprüfung. Documenta Homoeopathica Bd. 3, Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1980.

    Voisin, H.: Materia medica des homöopathischen Praktikers, 2. verb. Aufl. Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1984.

    (Anschriften der Verfasser: Dr. Peter König, Friedenszeile 50, A-1130 Wien und Dr. Franz Swoboda, Jagdschloßgasse 24a, A-1130 Wien)