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    Abrotanum

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    REMEDY ABBREV.

    Abrot.

    MASTER PROVER

    Dr. Franz Swoboda, OEGHM, Austria

    YEAR

    1984

    PROVING METHOD

    PLACEBO?

    yes, one prover received placebo

    BLINDING?

    The 8 provers knew that the proved substance would belong to the asteraceae

    PHARMACY OF REMEDY IN PROVING

    unknown

    Description of the substance

    A homeopathic drug proving- now termed a homeopathic pathogenetic trial- of Artemisia abrotanum

    Eine homöopathische Arzneiprüfung von Artemisia abrotanum, der Eberraute

     

    Proving document available currently only in German

    published in the Austrian journal  Documenta Homoeopathica No.6

     

    Arzneimittelprüfung mit Abrotanum D30

     

    Zusammenfassung

    Die bei einer Prüfung mit Abrotanum D30 gewonnenen Symptome werden, nach Prüfern geordnet, im Kopf-zu-Fuß-Schema wiedergegeben. Von bisherigen Prüfungen wird vergleichend berichtet. Vom Prüfungsbild ausgehend werden Indikationen für Abrotanum besprochen.

     

    Idee

    Eine Gruppe homöopathisch tätiger bzw. interessierter Ärzte in Wien führte diese Prüfung im Frühjahr 1984 durch. Sie war als Vorbereitung auf die Atterseetagung im folgenden Juni gedacht, bei der die Besprechung der Familie der Korbblütler ein Hauptthema sein sollte. Bekannt war den Prüfern also, dass eine Pflanze aus dieser Familie geprüft werden würde. Die Potenzwahl wurde ebenfalls gemeinsam getroffen.

     

    Durchführung

    Den 11 Prüfern wurde je ein Fläschchen mit Globuli übergeben. Eines enthielt Plazebo. Der Prüfstoff sollte 1 bis 3mal täglich durch mindestens 4 Wochen eingenommen werden. An diese Forderung hielten sich 3 Prüfer nicht und wurden deshalb in der Auswertung nicht berücksichtigt. Auslaßversuche unternahmen 3 Prüfer, um Beschwerden, die sie auf den Prüfstoff zurückführten, abklingen zu lassen.

     

    Auswertung

    Von den verbliebenen 8 Protokollen, die dem Auswertenden bei Prüfende übergeben wurden, war das des Plazebo leicht herauszufinden. Mit Kenntnis des Mittels wurde mit der Auswertung begonnen, jedoch erst nach einer neuerlichen Besprechung der Symptome 6 Wochen nach Prüfungsende, um die Stichhaltigkeit der angegebenen Symptome erneut in Frage zu stellen.
    Bei der nachfolgenden Aufzählung geben wir die Prüfer getrennt wieder und kennzeichnen dies mit „(1)-(7)“. Dies soll dem Leser einen Eindruck von der Vielschichtigkeit des Mittels geben und die bekannte Tatsache bestätigen, dass nicht jeder Prüfer mit allen vom Mittel angreifbaren Organsystemen reagiert. Das Mittelbild lässt sich nur aus der Gesamtschau erstellen. Eine Zahl von 7 Prüfern scheint, jedenfalls was diese Prüfung betrifft, ausreichend zu sein.

     

    Literatur

    Im Anschluss an die bei unserer Prüfung aufgetretenen Symptome führen wir die in der Literatur beschriebenen zum Vergleich an. Abrotanum ist bereits 5x geprüft worden, ein Glück, das nicht vielen unserer Arzneien bisher zuteil wurde. Zwei dieser Prüfungen - jene in Allen's Encyclopedia - sind aber von jeher in Zweifel gezogen worden. Stiegele meinte, dass der Wechsel von Obstipation und Diarrhö (eine immer wieder zitierte Indikation!), ferner Anzeichen für eine diuretische Wirkung und die Betonung der rheumatischen Symptome von Wert sein könnten.
    Verlässlich scheinen jene 3 Prüfungen Friedrich von Stockebrands und Hedwig Imhäusers, die in der Zeitschrift „Hippokrates“, 18.Jhg., Heft 1/4, nachzulesen sind.
    Stockebrand prüfte 1927 Abrotanum D3, D2, D1 und die Urtinktur an 13 Personen und im folgenden Jahr eine D30 an 4 Prüfern. Imbäuser prüfte D1 und die Urtinktur an 5 Kindern.

     

    Die Symptome

     

    Geist und Gemüt:

    *(1)

    Zunächst pflichtbewusst, einfallsreich, arbeitsfreudig, harmonisch, gefestigt. Im weiteren Verlauf (im gleichen Maß auffallend!) antriebsarm, interesselos, faul, vergisst wichtige Termine, schiebt Pflichten vor sich her, ist zerstreut, vergesslich, müde, benommen, gleichgültig, doch leicht reizbar, hat wortarme Differenzen mit dem Ehemann.

    (2)

    Schüchtern, unsicher, nicht so kontaktfreudig wie gewöhnlich, realitätsfern. Keine Arbeit macht ihm Freude - besonders morgens, er vergisst Namen, findet Worte nicht, stottert? Ist schwach, müde, zittrig, schwer besinnlich. Äußere Unruhe bei Verdauungsbeschwerden. Fährt sich oft mit der Hand durch das Haar, über die Stirn, an die Ohren.

    (4)

    Innere Unruhe, hastig, kann keine Ruhe finden. Das Erledigen von Kleinigkeiten wird als Last empfunden. Toleranzschwelle gesenkt, gerät in Wut und Zorn, gereizt ohne ersichtlichen Grund - dies bessert sich durch Riechen an Camphora Rubini und bei Auslassversuchen. Ferner: Trotz ausreichend Schlafs ständig müde, weniger gegen Abend.

    (5)

    Wechselhafte Stimmung: Zuversichtlich, kräftig, arbeitsam, dann wieder antriebslos, untätig, depressive Stimmungslage. Zittrige Unruhe mit Müdigkeit, Ungeschicklichkeit, Konzentrationsschwäche, dumpfer Kopf.

    (6)

    Oft ungewöhnlich müde nachmittags und abends.

    (7)

    Oft müde morgens und nachmittags, depressive Stimmungslage ohne Anlass.

    * Die Prüfer 1, 3 und 6 sind weiblichen Geschlechts.

    Bei Stockebrands erster Prüfung klagten 10 Prüfer über große Müdigkeit, Zerschlagenheit, Verstimmung und Arbeitsunlust.

     

    Schlaf

     

    (1)

    Fühlt sich frisch trotz nur kurzen Schlafs. Später müde, benommen trotz ausreichend Schlafs.

    (6)

    Sehr deutliche Träume: Mit Angst und Schrecken von einer Spinne und einem Autozusammenstoß; von Haarausfall.

    Stockebrand berichtet bei beiden Prüfungen von „unruhigem Schlaf mit vielen Träumen“ - bei 3 und 2 Prüfern.

     

    Kopf und Hals:

    (1)

    Gefühl, als ob Struma wachse, Kropfgefühl, Engegefühl. Stechender Schmerz beim Schlucken in der Gegend der Schilddrüse.

    (2)

    Drückender Kopfschmerz in beiden Schläfen bei Verdauungsbeschwerden (s.u.).

    (3)

    Kopfschmerz, der am frühen Nachmittag an der rechten Schläfe beginnt und bis zum Abend über die Stirn nach links wandert. Der Schmerz ist dumpf, Druck bessert. Kopf wird dabei als zu groß empfunden. Am nächsten Tag beginnen Kopfschmerzen ebenso, wandern nicht mehr und hören gegen Abend auf.

    (7)

    Am Abend das Gefühl, als ob etwas im Hals stecken würde.

    Alle Prüfer Stockebrands berichteten über Kopfschmerzen. Diese befielen vorwiegend Hinterkopf und Stirn, teilweise auch die Schläfen und wurden als dumpf, drückend und stechend geschildert. Sie wurden als ziehend beschrieben, bald von der Stirn nach dem Hinterkopf oder umgekehrt, bald von der rechten zur linken Seite, bald von den Augen zu den Schläfen. Sie dauerten nur kurze Zeit (1/2 bis 2 Stunden).

     

    Augen, Ohren, Gesicht:

    (2)

    Konjunktiven injiziert bei allgemeinem Krankheitsgefühl und Verdauungsbeschwerden.

    (5)

    Minutenlang Ohrensausen, als er abends im Bett liegt.

    Stockebrand berichtet uns keine Symptome aus diesem Bereich.

     

    Atmungstrakt:

    (2)

    Bei Berührung schmerzende Krusten in der Nase. Hinter dem Brustbein sitzender Hustenreiz, zu einzelnen trockenen Hustenstößen herausfordernd. Stechen tief in der Brust, öfters, als ob es von der Lunge käme. Beim Einatmen Schmerz hinter dem Brustbein links. Anfälle von Kitzelhusten, der Reiz sitzt sehr weit oben.

    (4)

    Nasenlaufen ohne Krankheitsgefühl abends.

    (5)

    Nase verstopft, trockene schwer abniesbare Beläge in der Nase.

    Auch Stockebrand wählt die Symptome sorgfältig aus und eliminiert allgemeine, die ihm auf saisonbedingte Erkältungskrankheiten verdächtig sind.
    Dennoch gibt er wesentliches an:
    Stechen in der Brust schlimmer beim Einatmen. Druck in der Brust unabhängig vom Atmen mit rauem Gefühl unter dem Brustbein (beides bei 2 Prüfern). Kitzel im Hals, Hustenreiz. Mit D30 keine Symptome in diesem Bereich.

     

    Verdauungsorgane:

    (1)

    Rachen erst trocken, später verschleimt. Zu Beginn der Prüfung zeigen sich Beschwerden im rechten Oberbauch, die der Prüferin seit längerem bekannt waren, spärlicher. Eine Cholecystopathie war bisher vermutet worden.
    Zunächst Nachlassen des Appetits, einmal das Gefühl, „als ob der Magen von einer Hand ergriffen werde“. Im weiteren Verlauf der Prüfung Völlegefühl, Übelkeit, stechende Schmerzen im Magen 2-3 Stunden nach dem Essen. Manchmal bessert Essen vorübergehend.
    Die Prüferin hält nun Diät, bei jeder Diätsünde treten die Beschwerden auf, verbunden mit Brechreiz, einmal kommt es beinahe zu einem Kreislaufkollaps.
    Verlangen nach Schokolade, Kuchen, Wurst, Speck. Unverträglich sind Kaffee, Zwiebel, erhitztes Fett.
    Weitere Symptome waren Heißhunger, Fressgier ohne Appetit, Blähungen und Obstipation. Ein Druckgefühl in der Gallenblase ließ sie „die einzelnen Gallensteine spüren“. Die Prüferin nahm 3 kg Gewicht zu.

    Anmerkung: Ein Oberbauchsonogramm, durchgeführt nach Abschluss der Prüfung, ergab keinen Hinweis auf Konkremente. Die Beschwerden ließen nach, und 3 Monate nach Beendigung der Prüfung ist die Prüferin beschwerdefrei. Lediglich Kaffee wird noch schlecht vertragen. Die Prüferin hat, ohne darauf zu achten, ihr Normalgewicht wiedererlangt.

    (2)

    Übelkeit und Unwohlsein 2 Stunden nach Kaffeegenuss. Schlechter Geschmack im Mund, dünn weiß belegte Zunge, „Gastritisgefühl“. Appetitlosigkeit, Flatulenz, Stuhl riecht sehr übel, allgemeines Krankheitsgefühl. Weicher Stuhl wird nur mit Mühe abgesetzt.
    Die Beschwerden nehmen zu: Übelkeit während des Autofahrens, später Brechreiz, Aufstoßen, Winde gehen ab. Stuhldrang, Frösteln, kalte Schweiße, Zusammenkrümmen verschlimmert die Magenschmerzen, alles endend in erleichterndem Erbrechen von Speisen und Galle.
    Der Prüfer nahm das Mittel nicht weiter ein, bemerkte in der Folge noch die weiß belegte Zunge, war schnell satt und empfand den Geschmack der Speisen vermindert.

     

    Anmerkung: Der Prüfer betonte, solche Beschwerden an sich nicht zu kennen.

    (4)

    Zweimal tritt ein Ohnmachtsgefühl in der Magengegend auf, ein „Hinsein“, das zum Niedersetzen zwingt und dabei nach einigen Minuten verschwindet.

    (6)

    Gefühl des „An- und Abschwellens im Bereich der Leber“. Stechender Schmerz im Bereich des rechten Rippenbogens (Anm: Pleurasymptom?).

    (7)

    Kaffee wird nicht gut vertragen. Leeregefühl im Magen, Hungergefühl stärker als gewöhnlich. Nimmt während der Prüfung 4 kg Gewicht zu (was bei ihm sehr ungewöhnlich sei).

    Symptome aus dem Mund- und Rachenbereich waren bei dieser und Stockebrands Prüfungen zahlreich, werden aber da wie dort Zurückhaltung beurteilt. Immerhin lässt sich sagen, dass sie einander gleichen: Trockenes Gefühl im Rachen und als Gegenpol Schleimansammlung sind häufige Angaben. Stockebrand gibt außer „Schmerzen in der Mandelgegend“ an, ein Symptom, das bei auftrat.

    Der hartnäckige metallische Mundgeschmack eines unserer Prüfer wird nicht hoch bewertet, weil eine mehrmalige Einnahme von Rhus tox. D30 vorangegangen war.

    Auch bei Stockebrand gehen die Berichte über Verdauungsbeschwerden über das bei Prüfungen hier übliche Maß hinaus. Bei 2/3 der Prüfer fanden sich heftiges Aufstoßen, Sodbrennen, ziehende oder kolikartige Schmerzen, von 4 weiteren Prüfern wird häufiger erfolgloser Stuhlgang berichtet sowie starke, teils übelriechende Blähungen; bei zwei weiteren häufige Entleerungen eines dünnen breiigen Stuhls.

    Mit D30 beobachteten 3 der 4 Prüfer breiige leichte Durchfälle und Blähungen. Ein Prüfer klagte über Entzündung von Hämorrhoiden.

    Bei Hedwig Imhäusers Prüfung reagierten 4 der 5 Kinder ausschließlich mit dem Verdauungstrakt. Breiige Stühle wurden fest, feste wurden breiig, die Farbe änderte sich.

     

    Herz und Kreislauf.

    (1)

    Schwindelgefühl beim Aufrichten.

    (2)

    Neigung zu Herzklopfen.

    (3)

    Schwindel im Sitzen, einige Sekunden lang.

    (4)

    Schwindel und beinahe Kollaps nach leichter Arbeit in gebückter Haltung.

    (5)

    Beim Bergsteigen und in der Sauna fast Kreislaufkollaps, was dem Prüfer, zumal er an diese Tätigkeit gewöhnt ist, ungewöhnlich schien.

    Hier sind Stockebrands Prüfungen reichhaltiger. Ein „Wehtun“, einen „Druck in der Herzgegend“ gaben 4 Prüfer an, auch „so, dass die Kleider gelockert werden mussten“. Stiche in der Herzgegend und Herzklopfen gaben 2 Prüfer an.

    Mit D30 berichteten 2 Prüfer ein „heraufdrängendes Gefühl vom Herzen her, ein wehes Gefühl in der linken Brust mit dem Bedürfnis, tief zu atmen“. Sie bemerkten heiße Hände mit einem „Hitzegefühl wie von Feuer.“

     

    Harn- und Geschlechtsorgane:

    (3)

    Bei und nach Aufenthalt im Freien, in der Kälte, bemerkt die Prüferin häufigen Harndrang mit Abgang von reichlich hellem Harn. Das Symptom ist ihr nicht bekannt an sich, es verliert sich etwa 3 Wochen nach der Prüfung.

    Über den Harntrakt liefert uns Stockebrand keine Symptome. Um bei den Geschlechtsorganen einigermaßen Verlässliches zu gewinnen, müsste die Prüfung vermutlich mehrere Monate laufen.

     

    Stütz- und Bewegungsapparat:

    (2)

    Muskelschwäche besonders in den Oberarmen, weiche unsichere Knie, Händezittern bei Magenbeschwerden. Kraftlosigkeit der Arme, besonders an der Daumenseite der Hände.

    (3)

    Schmerz im Bereich des rechten Schulterblattes sowie zwischen den Schulterblättern. Verschlimmert durch Druck und Massieren. Hält lange an.

    (4)

    Nackensteifigkeit (bekanntes Symptom, vor und nach der Prüfung lange Zeit nicht vorhanden).

    (5)

    Rückenmuskulatur steif, „mit Klemmen komprimiert“, „Muskelstränge wie von Händen zusammengedrückt“. Verschlimmerung durch Kälte und plötzliche Bewegung, Besserung in Ruhe und bei Dehnung. Besserung auch während einer Einnahmepause. Stiche verspürt im linken Kniegelenk, „wie mit einem Messer“. Schmerzen im rechten Fuß, „als würde das Fußgewölbe durchbrechen“.

    (6)

    Wacht morgens auf mit einem stechenden Schmerz links der Brustwirbelsäule, besonders zu bemerken beim Drehen des Kopfes nach rechts. Dieses Symptom wiederholt sich mehrmals.

    (7)

    Nackensteifigkeit vormittags.

    Hier war die Wirkung bei Stockebrands Prüfungen (auch mit D30!) am eindrucksvollsten. Kein Prüfer blieb verschont. „Die Beschwerden treten bald an Arm, Ellenbogen, Hand- und Fingergelenken auf, bald in der Hüfte, mehrfach im Bereich des N.ischiadicus und überall an der unteren Extremität. Die Empfindungen an den Armen und Füßen sind schießend, ziehend, stechend, lähmend, so dass die Betroffenen hinken, nicht mehr gut schreiben können und im normalen Gebrauch ihrer Gliedmaßen beeinträchtigt sind.“

    Jeder (!) Prüfer klagte über Schmerzen in der Schulterblattregion, sie werden als Reißen, als brennend wundes Gefühl, als Stechen, Ziehen, Drücken und Steifheit den Rücken hinauf und als Nackensteifigkeit empfunden. „Häufig ziehen die Schmerzen von einer Gegend zur anderen, genau wie die Kopfschmerzen“.

    Die Betonung dieses Organsystems war schon bei den Prüfungen aufgefallen, die Allen zitiert.

     

    Haut und -anhangsgebilde.

    (1)

    Haut vom seborrhoischen Typ wird - das fällt Außenstehenden spontan auf - zunehmend rein und bleibt dies nach Prüfungsende.

    (2)

    Ein Fibroma pendulans an der rechten Wange, das eine Zeitlang erfolglos homöopathisch behandelt worden war, macht eine Rückentwicklung durch und verschwindet schließlich. Fragliche Zunahme von Pigmentflecken.

    (3)

    Juckreiz an den Oberschenkeln, am ganzen Körper, schlimmer in der Wärme und in enger Kleidung. Juckreiz an einer Stelle am rechten Unterarm; als die Prüferin sich dort wundkratzt, dauert es 2 Wochen bis zur Heilung. Zunächst hat sich ein papulöses Exanthem um die weiterhin juckende Stelle gebildet.

    (4)

    Ein trockenes, teilweise licheniformes Ekzem an beiden Unterschenkeln, das kurz vor der Prüfung aufgetreten war, verschlimmert sich deutlich. Nach der Prüfung ist es weiter vorhanden, doch viel weniger ausgeprägt und kaum juckend. Verschlimmerung durch Waschen und Seife sind wohl pathognomonisch.
    Das Kopfhaar beginnt - in nicht gekanntem Maß - zu schuppen, Normalisierung tritt nach etwa 2 Monaten ein.
    Pickel an der Stirn treten auf.

    (5)

    Für ihn ungewohnt, bemerkt der Prüfer in der Sauna eine Gefäßzeichnung und teilweise Marmorierung der Haut. Seit Prüfungsende bilden sich Pickel an Stirn, Brust und Oberarmen.

    (6)

    Das Haar wird struppig, steht am Morgen zu Berge und fällt vermehrt aus.

    (7)

    Leichtes Brennen in der rechten Kniekehle, „als wäre ein Exanthem vorhanden“. Die Haut ist jedoch unversehrt.

    Stockebrand berichtet von Juckreiz und Bläschenausschlag, von schmerzhaften Furunkeln und einem pustulösen Exanthem. Für die Anwendung bei Hauterscheinungen maßgeblich waren die Symptome, die bei einem Kind der Imhäuserschen Prüfung aufgetreten waren: „Weiße, derbe, dicht stehende kleinste Knötchen auf Stirn und Wangen. Außerdem an beiden Wangen, besonders rechts, blaurote fleckige Verfärbung, nicht erhaben, unscharf begrenzt. In ihrem Bereich feinste Venenzeichnung sichtbar. - Viel Juckreiz. - Die Symptome erinnern an Akne rosacea im 1. Stadium.“

    Bei einem anderen Kind fand man ähnliche Erscheinungen, als es wegen Wurmbefalls mit Abrotanum Ø behandelt wurde.

    PS: Ein nicht einfach einzuordnendes Symptom berichtet der Prüfer (2) in der aktuellen Prüfung: „Taubheitsgefühl am rechten Fußrücken auf einem münzgroßen Areal zwischen erstem und drittem Strahl, ungefähr eine Stunde lang.“


    Wärmeregulation:

    (1)

    Kältegefühl, Kälteempfindlichkeit kommen des Öfteren vor.

    (2)

    Kälteempfindlicher als sonst. Labile Temperaturregulierung - schnell Frösteln, schnell zu heiß, schwitzt leicht.

    (3)

    Erhöhte Temperatur am Tag vor Einsetzen der Regel: Bisher nicht bekanntes Symptom.

    (5)

    Kalter Schweiß während des Schlafs, besonders an den Unterschenkeln. So lästig, dass er deswegen mitten in der Nacht duscht.

     

    Modalitäten - Allgemeinsymptome

    Die Beschwerden am Bewegungsapparat scheinen sich durch Ruhe zu bessern, durch Druck und Kälte zu verschlimmern. Kälte ist offensichtlich ein allgemein negativer Faktor: Sie wird als unangenehm empfunden und begleitet oder verschlimmert Beschwerden.

    Stockebrand konnte hierzu keinen Beitrag leisten, außer dem oben angeführten Symptom der Hitze an den Händen zeigten seine Prüfer keine Reaktionen auf Wärme und Kälte, auch sonst stellten sich keine Modalitäten bei den Prüfungen heraus.

     

    Diskussion

    Prüfungsspektrum - Indikationen - Arzneimittelbild:
    Ziel einer Prüfung ist, Anhaltspunkte für den therapeutischen Einsatz der Arznei zu liefern. Wenn, wie im vorliegenden Fall, das Mittel bereits geprüft ist, sollen diese Prüfungen bestätigt und neue Aspekte erschlossen werden.

    Wir glauben, dass die hier vorgestellte Prüfung dieses Ziel erreicht hat. Bis in detaillierte Symptombeschreibungen ähnelt sie fallweise den anerkannten Stockebrand'schen Prüfungen. Man darf sagen, dass sie diese in manchem an Umfang und Tiefe sogar übertrifft. Erinnert sei an die Gewichtszunahme von 2 unserer Prüfer, ein Symptom, das seine therapeutische Entsprechung bei „Abmagerung bei gutem Appetit“ findet. Unter den Hauterscheinungen finden sich 2 Heilwirkungen, eine weitere bei dem als Cholecystopathie” interpretierten Beschwerden der Prüferin (1)

    Die Symptome im Atmungstrakt sind deutlicher als bei früheren Prüfungen aufgetreten, und das Symptom der Pollakisurie in der Kälte ist ein bisher therapeutisch nicht verwertetes.

    Dass der Prüfer (2) neben gastrointestinalen Beschwerden bemerkt, er fahre mit der Hand auffallend oft durch das Haar, an die Ohren und über die Stirn und zupfe des Öfteren an der Nase, gewinnt an Bedeutung, wenn man an die Bewährtheit von Abrotanum bei Wurmbefall und die dabei oft auftretenden Begleitumstände denkt.

    Manches fanden wir bei dieser Prüfung nicht, etwa die oft zitierte Vikarianz von Beschwerden oder Hinweise auf Wirkungen bei Tuberkuloseformen.

    Wir wollen diese Besprechung jedoch nicht dazu missbrauchen, bewährte alte Indikationen in Zweifel zu ziehen. Im Sinn einer „Materia medica pura“ sollen bloß - wie dies üblich ist - Prüfungs- und Kliniksymptome voneinander getrennt werden.

    Vereint werden sie im „Arzneimittelbild“, den Kleinkunstwerken in der Homöopathie.

    Ein bescheidener Beitrag zum Bild von Abrotanum, wie es sich uns darstellt, soll die folgende Skizze sein. Wir gingen von den Wirkungen im Verdauungstrakt aus, in dessen Zentrum die Leber steht, „Leber“ hier weniger als Einzelorgan denn als Organsystem gemeint, dem wir in der Homöopathie Symptome an der Haut, an den Bewegungsorganen, nicht zuletzt im Geistig-Seelischen usf. zuordnen.

    Von diesen assoziierten „Lebersymptomen“ findet man eine Vielzahl bei Abrotanum. Ein graphischer Versuch kann etwa so aussehen:

     

    Da wir bei unserer Prüfung keine Plazebophase vorgeschaltet hatten, mussten wir bei der Auswertung besonders vorsichtig und kritisch zu Werke gehen. Mag sein, dass dabei Arzneisymptome als unverlässlich befundet und in diesen Bericht nicht aufgenommen wurden. Wir glauben, dass die restlichen Symptome, die wir für gesichert halten, immer noch geeignet sind, das Bild von Abrotanum zu bekräftigen und vielleicht zu bereichern.

    Das Ergebnis dieser Prüfung soll nicht nur uns, sondern allen Homöopathen ein Ansporn sein, weitere Prüfungen zu veranstalten. Die Forderung, an Gesunden geprüfte Arzneien in der Homöopathie zu verwenden, gilt es in vielen Fällen zu erfüllen.

    Nachsatz: Für die Bereitstellung der Arznei danken wir Herrn Mag. Dr. Koch von der Apotheke „Zur Kaiserkrone“, Mariahilferstraße 1 10 in A-1060 Wien.

     

    Literatur

    • Stockebrand, F.: Hippokrates. 18. Jg., 1947, Heft 1/4.
    • Allen, T. F.: Encyclopedia, Bd. 1, Seite 558, Bd. X, Seite 357 ff.
    • Leeser, 0.: Lehrbuch der Homöopathie, Bd. II, Seite 889 ff. Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1971.
    • Mezger, J.: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre, Bd. 1, Seite 4 f£ Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1977.

    (Anschrift des Verfassers: Dr. med. Franz Swoboda, Jagdschloßgasse 24a, A-1130 Wien)