New provings
Ginkgo biloba
Requests: If you need specific information on this remedy - e.g. a proving or a case info on toxicology or whatsoever, please post a message in the Request area www.homeovision.org/forum/ so that all users may contribute.
REMEDY ABBREV.
Gink.
MASTER PROVER
Dr. F.Swoboda, Dr. P.Koenig, OEGHM, Austria
YEAR
1987 + 1989
PROVING METHOD
double blind, placebo controlled trial
PLACEBO?
Yes
BLINDING?
remedy unknown to the 18 provers
PHARMACY OF REMEDY IN PROVING
Description of the substance
A homeopathic drug proving- now termed a homeopathic pathogenetic trial- of Ginkgo biloba, the Ginkgo- tree
Eine homöopathische Arzneimittelprüfung von Ginkgo biloba, dem Ginkgo- Baum
Proving document currently available only in German
Published in the Austrian journal Documenta Homoeopathica No.13
Ginkgo biloba
Homöopathische Arzneimittelprüfungen
Von F. Swoboda und P. König
Ginkgo biloba
Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst Du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin?
Johann Wolfgang von Goethe
West-östlicher Diwan
Von einer solchen Arzneimittellehre soll alles Vermutete, bloß Behauptete oder gar Erdichtete gänzlich ausgeschlossen sein; sie soll die reine Sprache der sorgfältig und redlich befragten Natur sein.
Samuel Hahnemann
Organon, §144
Zusammenfassung
In den Zeiträumen Oktober bis Dezember 1987 (I) sowie 1989 (II) wurde die Arznei Ginkgo biloba in Wien an jeweils 25 Probanden (=50 Prüfer I+II) einer Arzneimittelprüfung unterzogen.
Beide Teilprüfungen standen unter der Leitung von Dr. Franz SWOBODA und Dr. Peter KÖNIG, Wien. Sie fanden als placebokontrollierte und doppelblindgeführte Arzneiversuche statt. 10 (I) bzw. 8 (II) Prüfungsprotokolle (= 18 Protokolle I+II) gelangten zur Auswertung.
An den Probanden, die auf Ginkgo biloba D30 1x tgl. 5 Globuli gut reagierten, entfaltete sich ein interessantes und dichtes Prüfungsbild. Ginkgo, das gerade in letzter Zeit das Interesse von Klinikern und Pharmakologen auf sich ziehen konnte, wurde bisher in der Homöopathie eher selten eingesetzt, zumal es außer einer einzigen Arzneimittelprüfung (MAURY 1933/34) keine spezifisch homöopathischen Daten über diese Arznei gab.
Die Prüfungssymptome der Wiener Probanden konnten den empirisch vorgegebenen Schwerpunkt – Beschwerden im Sinne einer zerebralen Leistungsminderung (Vergeßlichkeit, Abstumpfung, Gleichgültigkeit, Konzentrationsstörungen, soziale Rückzugstendenz …) – bestätigen. Gemeinsam mit vielen anderen z.T. recht dramatischen Ginkgo-Symptomen, präsentiert sich uns nach Bearbeitung dieser Arzneimittelprüfung eine „neue“ – aber entwicklungsgeschichtlich doch „uralte“! – Arznei, die möglicherweise zu einem echten Polychrest heranreifen könnte.
Einleitung
Warum sollte Ginkgo arzneilich geprüft werden?
Die Pflanze Ginkgo biloba beeindruckt in vielerlei Hinsicht: Es ist nicht nur die faszinierende, so unvorstellbar weit zurückreichende Geschichte dieses Baumes, es sind auch jene Eigenschaften, die ihn zum „Einzelgänger“, zum „Exzentriker“ unter den Pflanzen machen, Eigenschaften, die es nicht erlauben, all seine Charakteristika eindeutig zuzuordnen.
Ungewöhnlich ist Ginkgo auch, was die chemisch-pharmakologischen Eigenschaften seiner Inhaltsstoffe betrifft. Ginkgo biloba hat nunmehr eine Zeitspanne von 300 Millionen Jahren überdauert, hat Umwälzungen von unvorstellbarem Ausmaß, Klimakatastrophen überlebt. Es haftet etwas Zähes, Resistentes an dieser Pflanze, was sich auch durch eine besondere Widerstandsfähigkeit gegenüber umweltverschmutzenden Noxen und eine weitgehende Immunität gegenüber Schädlingen aller Art (Bakterien, Viren, Pilzen) äußert. Wir kennen auch die Geschichte vom ersten Grün des Sprosses eines alten Ginkgobaums, das aus der Asche nach der Atombombenexplosion von Hiroshima emporwuchs.
Warum konnte Ginkgo bis heute überleben? Verdankt Ginkgo dies dem geringen Ausmaß seiner Spezialisierung? Oder ist es die Nähe, die Ginkgo zur Spezies Mensch gefunden hat, die sich heute dadurch ausdrückt, daß dieser Baum praktisch nur mehr in kultivierter Form anzutreffen ist? War es der Mensch, der Ginkgo letztlich beschützt hat, weil er ihm verehrungswürdig und heilig erschien, – eine Pflanze, die für ihr Überleben eher ungünstige Eigenschaften aufweist? Oder gibt es einen anderen Grund, daß Ginkgo von der Evolution begünstigt, „auserwählt“ wurde?
Ginkgo ist also faszinierend, interessant, herausfordernd. Vor dem Hintergrund seiner fast enthusiastisch zu nennenden Verwendung in der modernen Phytotherapie und Pharmakologie und seiner bisher bescheidenen Präsenz in der Homöopathie erschien es den Autoren reizvoll, aber auch notwendig, Ginkgo biloba einer Arzneimittelprüfung zu unterziehen. Auch die tiefe erdgeschichtliche Verwurzelung, die Ginkgo mit dem homöopathisch weitaus besser bekannten Lycopodium, aber auch mit Equisetum teilt, mag ein Anreiz dafür gewesen sein, Ginkgo auf seine sich in der homöopathischen Arzneimittelprüfung entfaltenden Kräfte hin zu erforschen.
Anlage
Die Prüfung ist zunächst als Fortsetzung der mit Abrotanum, Acidum succinicum und Magnesium fluoratum begonnenen Versuche zu betrachten, zu einer verläßlichen Bereicherung der Materia Medica durch doppelblind geführte Arzneimittelprüfungen beizutragen. Die Arzneiwahl Ginkgo biloba (Ginkg-b.) traf der Prüfleiter P.K. Der zweite Prüfleiter F.S., wußte nicht, um welche Arznei es sich handelte, er war ebenso „blind“ wie die Probanden. Lediglich daß es sich um eine Arznei in der D30-Potenz handeln sollte, war vereinbart.
Die Firma Dr. Peithner KG, Wien, bereitete die Arznei auf bewährt verläßliche Weise zu und stellte sie nach dem von P.K. vorgegebenen Schlüssel zur Verfügung. Eine D30 wurde aus den frischen Blättern der Pflanze hergestellt. Als Protokolle wurden die nach STÜBLER und BAYR von einer Gruppe in Celle und Wien neugestalteten Hefte verwendet.
Für die erste Prüfung (1987) hatten sich 25 Probanden, in erster Linie homöopathische Ärzte, gefunden. 21 Protokolle kamen zurück, nach Sichtung wurden 10 ausgewertet. Als klar wurde, daß mit Ginkgo biloba eine höchst interessante Arznei geboren war, wollten wir es nicht bei dem unvollständigen Entwurf einer ersten Prüfung belassen, und unternahmen eine zweite (Wien 1989). Unter den Hörern der Homöopathievorlesung der Universität Wien (Lektor Dr. Peter KÖNIG) fanden sich 29 Probanden. 25 Protokolle kamen zurück, davon konnten 8 ausgewertet werden. Der Rest wurde ausgeschieden wegen mangelnder Reaktion oder Protokollführung oder es hatte sich um Placeboeinnahmen gehandelt.
Bei der ersten Prüfung erhielten die Probanden 3 Fläschchen, von denen jedes Placebo oder Verum enthalten konnte, bei der zweiten Prüfung wurde nur ein Fläschchen ausgegeben, das wiederum Placebo oder Verum enthalten konnte. Diese Information erhielten auch die Probanden.
Insgesamt hatte der Prüfleiter F.S. also 18 Protokolle (10 aus der ersten, 8 aus der zweiten Prüfung) zur Erstellung einer Symptomenliste zur Verfügung.
Tabelle 1: Einschätzung der 3 Fläschchen bei den 10 Probanden der Prüfung I (Wien 1987), deren Protokolle ausgewertet wurden. P: Placebo, V: Verum
|
Nummer des Probanden |
tatsächlich eingenommen |
Einschätzungdurch den |
Alter, Geschlecht des Probanden |
|
|
Probanden |
Prüfleiter |
|||
|
1 |
V P V |
V P V |
V ? ? |
32, m |
|
2 |
V P V |
V P V |
V P V |
32, w |
|
3 |
V V V |
V P V |
V P V |
44, w |
|
4 |
V P ? |
V V ? |
V V ? |
34, m |
|
5 |
V V V |
P V V |
? V V |
35, m |
|
6 |
V V V |
? V P |
? V P |
34, w |
|
7 |
V P V |
? P V |
P V V |
26, w |
|
8 |
V P V |
V P V |
V P V |
32, w |
|
9 |
V P V |
V P V |
V P V |
43, w |
|
10 |
V V V |
V P V |
V ? V |
23, m |
? = unsicher bzw. keine Einschätzung
Zunächst soll von zwei Versuchen berichtet werden, welche der Symptomauswertung vorangingen. Die Doppelblindanlage der Prüfungen sollte nicht bloß zum kritischen Bewerten führen, sondern sollte zwei Experimente zulassen, welche das Beurteilungsvermögen der Prüfleitung und die Spezifität von Verumsymptomen untersuchen sollte.
In der ersten Prüfung, als der Prüfleiter F.S. nicht wußte, um welche Arznei es sich handelte, hatte er zu beurteilen, welche der drei an die Probanden ausgegebenen Fläschchen Placebo/Verum enthielten; zusätzlich sollte er der Arznei auf die Spur kommen. Ebenso wurden die Probanden gebeten, ihre „Tips“ abzugeben, in welchen der Fläschchen nun Verum oder Placebo gewesen war.
In 22 von 29 Fällen fanden die Probanden heraus, ob sie nun Verum oder Placebo eingenommen hatten, der Prüfleiter behielt in 19 von 29 Fällen recht. Bei den weniger gut geführten Protokollen, die hier nicht angeführt sind, war die Treffsicherheit von beiden Seiten deutlich geringer.
Nun folgte die Suche nach der Arznei, immer noch vor Aufdeckung des Verum/Placebo-Schlüssels. Diese Suche dauerte nicht lange und kam zu einem scheinbar klaren Ergebnis. Die Repertorisation in einer großen Anzahl von Symptomen wies deutlich auf Sulfur hin. Es war wohl klar, daß nicht Sulfur selbst Gegenstand der Prüfung gewesen sein konnte, denn um eine der bestbekannten Arzneien unserer Materia Medica neuerlich zu prüfen, hätte die Arbeit kaum gelohnt. Dennoch war nach Durchsicht der Symptome keine andere Arznei in die engere Wahl gekommen. Die Suche nach der Arznei war also erfolglos geblieben. Aber war sie auch sinnlos? Gibt nicht die Nähe zu dem Polychrest Sulfur einen wichtigen Hinweis auf die mögliche Bedeutung Ginkgo bilobas als homöopathischer Arznei?
An der Prüfung II nahmen, wie erwähnt, 29 Probanden teil. Jeder hatte ein Fläschchen erhalten, das Verum oder Placebo einer ihm nicht bekannten Arznei in D30 enthalten sollte. Diese Prüfung dauerte wieder, nach einer obligaten ersten Woche ohne Einnahme der Arznei, in der etwaige Symptome aufgezeichnet werden sollten, etwa 9 Wochen. Grundsätzlich sollte die Arznei einmal täglich eingenommen werden, eine Pause sollte eingelegt werden, sobald deutliche Symptome auftraten. Großer Wert wurde wiederum auf die Zeit nach der Einnahme der Arznei gelegt. An diese Nachbeobachtungszeit (NB) schloß sich die Nachanamnese durch den Prüfleiter F.S., zusammen mit den einzelnen Probanden an. 25 Protokolle wurden abgegeben, davon waren 5 Placebos, weitere 12 wegen mangelhafter Reaktion oder mangelhafter Aufzeichnung nicht verwertbar. Verblieben also 8 Protokolle, die aufgrund der Nachanamnese für wertvoll befunden worden waren. Diesmal war dem Prüfleiter F.S. wohl die Arznei, aber wiederum nicht der Verteilungsschlüssel Verum/Placebo bekannt.
Diesmal waren die Probanden etwas weniger treffsicher in ihrer Einschätzung als der Prüfleiter, 13 von ihnen kamen zum richtigen Schluß, ob sie Verum oder Placebo erhalten hatten, der Prüfleiter behielt in 16 der 22 Fälle recht. Besonders schön war die Übereinstimmung bei den „guten“ Protokollen, die dann auch ausgewertet werden konnten.
Nun war die Arbeit mit den Probanden abgeschlossen. Die Auswahl und Zusammenstellung der Symptome konnte beginnen.
Tabelle 2: Einschätzung aller beurteilbaren Protokolle der Prüfung II (Wien 1989) [Die in der Auswertung angeführten Protokolle sind durch kursive Nummern gekennzeichnet]
|
Nummer des Probanden |
tatsächlich eingenommen |
Einschätzung durch den |
Alter, Geschlecht des Probanden |
|
|
Probanden |
Prüfleiter |
|||
|
(2) |
V |
V |
V |
36, w |
|
3 |
V |
P |
eher V |
|
|
5 |
P |
P |
P |
|
|
6 |
P |
P |
eher P |
|
|
7 |
V |
eher P |
eher V |
|
|
(8) |
V |
V |
V |
27, w |
|
(9) |
V |
V |
V |
28, w |
|
12 |
P |
V |
V |
|
|
13 |
V |
eher P |
eher P |
|
|
(14) |
V |
V |
V |
40, w |
|
(15) |
V |
V |
V |
28, w |
|
16 |
V |
eher V |
eher V |
|
|
17 |
V |
P |
eher P |
|
|
20 |
P |
V |
eher V |
|
|
21 |
V |
eher V |
eher V |
|
|
(23) |
V |
eher V |
V |
24, m |
|
24 |
P |
eher P |
eher P |
|
|
25 |
V |
P |
eher P |
|
|
26 |
V |
eher V |
eher P |
|
|
(28) |
V |
… |
eher V |
23, w |
|
29 |
V |
… |
V |
|
|
(30) |
V |
eher V |
V |
22, w |
… = unsicher bzw. keine Einschätzung
Kommentar zu Durchführung und Auswertung
Nach jeder Arzneimittelprüfung meint man ein Stück klüger geworden zu sein und es beim nächsten Mal bestimmt besser zu machen. Doch was die Durchführung von AMP betrifft, gibt es wohl nichts, worüber sich HAHNEMANN und MEZGER nicht schon Gedanken gemacht hätten. Vor allem haben sie in der Praxis kennengelernt, welches Vorgehen sinnvoll ist, um aus einer beliebigen Substanz eine homöopathische Arznei zu gewinnen.
Wir meinen nun soweit klüger geworden zu sein, daß es der Erfahrung von HAHNEMANN, MEZGER und anderen nichts Wesentliches hinzuzufügen gibt, was dem Erschließen einer Arznei not täte.
Wir möchten in diesem Kapitel über jene Details berichten, an denen wir entweder von den Angaben der erfahrenen Prüfungsleiter abgewichen sind oder auf die wir unserer Erfahrung nach ausdrücklich hinweisen möchten.
Wozu Doppelblindstudie?
Da wir wissen, wie sehr man als Prüfungsleiter geneigt ist, in eine Arznei hineinzuinterpretieren, haben wir dieses Schema gewählt. Es lag uns gänzlich fern, eine statistische Auswertung der Symptome vorzunehmen! Vielmehr fanden wir den Versuch spannend, nicht nur die Prüfer im Unklaren zu lassen, welche Arznei bzw. ob sie Verum oder Placebo nähmen, sondern auch den Prüfungsleiter, der sie betreuen sollte. Bei der Auswertung dieses Schemas fanden wir es durchaus nicht uninteressant, daß in der Mehrzahl der Fälle die Verum- oder Placebozuordnungen sowohl vom Prüfungsleiter als auch von Probanden gelangen. Die Hoffnung, daß eine doppelblindgeführte Arzneimittelprüfung von schulmedizinischen Institutionen vielleicht eher anerkannt werde als eine herkömmlich durchgeführte, wird sich mit Sicherheit nicht erfüllen. Doch sollte es unserer Meinung nach bei einer Arzneimittelprüfung in erster Linie um das Erschließen einer Arznei und die persönliche Erfahrung jedes einzelnen gehen. Kriterien einer „Anerkennung“ sollten an eine Arzneimittelprüfung wohl nicht angelegt werden, zumal man Gefahr läuft, den Wert einer so subtilen Arbeit damit zu schmälern.
Die Betreuung der Probanden
Nicht annähernd hätten wir es zuwege gebracht, unsere Prüfer so intensiv zu betreuen, wie es oft gefordert wird. Mag sein, daß einem dabei zahlreiche Feinheiten der Arznei entgehen. Wir hoffen, dies durch Genauigkeit in anderen Bereichen und Ausdauer wettgemacht zu haben. Bisweilen offenbart sich erst in der Nachbeobachtungszeit oder sogar erst bei der Nachanamnese, die in unserem Fall Wochen bis Monate nach Abschluß der Prüfung stattgefunden hat, die „Dynamik“ der Arznei. Noch bei keiner unserer vorangegangenen Prüfungen ist so viel Zeit verstrichen zwischen dem Beginn der Beschäftigung mit der Arznei und der Veröffentlichung. Vielleicht ist es gerade dieser Rückschau und Zusammenschau zu verdanken, daß wir trotz einer strengen Auslese (siehe die Zahl der ausgewerteten Protokolle) ein Symptomenbild vorlegen können, das uns hoffen läßt, seine Bestätigung und Erweiterung in der Anwendung am Kranken zu finden.
Darstellung der Symptome
Die schönste Arzneimittelprüfung bringt nichts, wenn sie nicht gelesen wird und damit die Arznei den Kranken, die sie benötigen, vorenthalten wird. Gelesen wird nur das, was einigermaßen lesbar gemacht wurde. Wir haben zwei Formen der Darstellung gewählt: In der einen, der deutschen Fassung, sind die Symptome so dargestellt, daß der Leser etwas erfährt von der Beeinträchtigung des Prüfers, seinen mitunter beträchtlichen Leiden, die er auf sich genommen hat. Wir haben verzichtet, anzugeben, wie oft das Symptom „Ärger“ oder „Traurigkeit“ vorgekommen ist, weil wir meinen, daß das nicht besonders aussagekräftig ist. In der zweiten Fassung, der englischen, haben wir die Symptome in die Sprache der Repertorien übersetzt. Wir folgen dem Synthetischen Repertorium von BARTHEL und KLUNKER und der englischen Fassung des Repertorium Generale von KENT in der Bearbeitung durch KÜNZLI.
Wir wünschen uns, daß durch Querlesen, also dem Vergleich der deutschen und der englischen Listen, eine Art Dreidimensionalität entsteht, ein Blick in die Tiefe der Arznei Ginkgo biloba.
Doch zuvor eine Übersicht über von Ginkgo bereits Bekanntes.
Botanik und Kulturgeschichte des Ginkgobaumes
„… dieses Baumes Blatt, der von Osten
meinem Garten anvertraut,…“
Bevor wir uns mit den pharmakologischen Besonderheiten von Ginkgo und seiner geschichtlichen und möglichen zukünftigen Dimension befassen, soll kurz vom Ginkgobaum selbst erzählt werden. Für interessierte Leser sei an dieser Stelle auf das Buch von MICHEL verwiesen, das mit einer ausführlichen Bibliographie ausgestattet ist.
Ginkgo biloba hat als einzige Pflanzenart seiner Ordnung (Ginkgoales) und seiner Familie (Ginkgoaceae) bis heute überlebt. Der Ginkgobaum, wie wir ihn heute sehen, ist sozusagen ein „lebendes Fossil“, Zeugnis einer „Urzeit“ (Nachweis bereits im Unterperm). Die Ginkgogewächse waren unter den ersten, sich in Form eines Baumes präsentierenden Pflanzen. Die Spuren von Lycopodium können übrigens noch weiter zurück verfolgt werden (Obersilur). Ihre höchste Entfaltung hatten die Ginkgogewächse in der Jura- und Kreidezeit.
Heimat von Ginkgo biloba ist China, wo man heute bis zu 4000 Jahre alte Exemplare bewundern kann. In seiner ursprünglichen Heimat und in Japan, wo der Ginkgobaum „Icho“ genannt wird, wurde er als (buddhistischer) Tempel- und Kultbaum gepflanzt und geheiligt. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde Ginkgo biloba durch den deutschen Arzt und Botaniker E. KAEMPFER nach Europa gebracht und somit dort sekundär (als Parkbaum) heimisch. Der älteste europäische Ginkgobaum soll in Holland stehen. 1781 – Samuel HAHNEMANN sollte ein Jahr später seine „Elise“, Henriette KÜCHLER, ehelichen – kam der erste Ginkgobaum nach Österreich und wurde im Park Schönbrunn gepflanzt. Berühmt wurde Ginkgo biloba durch das Marianne von WILLEMER 1815 zugeeignete Gedicht GOETHEs, welches dieser Arbeit vorausgestellt ist. In GOETHEs Garten in Weimar sollen mehrere Ginkgobäume gepflanzt worden sein. Die endgültige Namengebung, die übrigens durch eine G-Y-Verwechslung KAEMPFERs verkompliziert wurde, geht auf LINNÉ zurück (1771 – HAHNEMANNs Schulzeit in St. Afra).
Ginkgobäume können bis zu 40 Meter hoch werden; einzelne Exemplare erreichen einen Stammdurchmesser von 5 Metern!
Ginkgo biloba steht in vielerlei Hinsicht zwischen Blatt- und Nadelgewächsen. Morphologisch gibt es Ähnlichkeiten zu den Farnen, Palmen und zu den Koniferen. Genealogisch steht Ginkgo zwischen den Farnen und den eigentlichen Samenpflanzen.
Das typische Ginkgoblatt ist zweigeteilt, besitzt aber – auf das Alter der Pflanze bezogen – eine ausgesprochene Polymorphie. Die Sämlingsblätter sind tief eingeschnitten, jene des ausgewachsenen Baumes zunehmend fächerförmig, was sich auch in der Namengebung ausdrückt (chinesisch: Ya Chio = „Entenfuß“; „Fächerblattbaum“, „Elefantenohr“). Das Ginkgoblatt besitzt keine Mittelrippe, sondern zwei divergierende Leitbündel, die aus dem Stil mehrfach sich gabelnd in die Spreite ziehen („Mädchenhaarbaum“). Diese charakteristische Ginkgo-Blattform legt eine Zuordnung zu den Polaritäten Yang und Yin nahe, was vielleicht einer der Gründe für den mythischen Stellenwert des Ginkgobaums ist. Übrigens werden die Ginkgoblätter im Herbst leuchtend gelb und – einem Laubbaum entsprechend – abgeworfen.
Auch die Fortpflanzungsorgane des Ginkgobaums unterstreichen seine Sonderstellung in der Pflanzenwelt. Es gibt männliche und weibliche Ginkgobäume (Zweihäusigkeit der Blüten), wobei das Geschlecht der Blüten gar nicht so einfach zu bestimmen ist. Die ersten Blüten eines Baumes erscheinen erst nach ca. 40 Jahren! Die „Früchte“, die an weiblichen Exemplaren durch ihre Ähnlichkeit mit gelben Pflaumen (chinesisch: Yin Hsing = „Silberaprikose“) auffallen, sind in Wirklichkeit gar keine Früchte, sondern die Samenanlagen, die aus einer inneren Steinschale (den „Nüssen“) und einem (eßbaren) Fleischmantel bestehen. Es handelt sich hier also um eine Scheinfrucht! In China werden diese „Nüsse“ in gerösteter Form zu feierlichen Anlässen verzehrt. Der überreife Fleischmantel der weiblichen Samenanlage verströmt einen ranzigen Geruch (Buttersäure), der die Ginkgopflanze schon manche Sympathien gekostet hat. Die Fortpflanzung von Ginkgo biloba vollzieht sich nach einem höchst ungewöhnlichen und für das Überleben der Spezies recht riskanten Modus. Es fällt die Ähnlichkeit zur tierischen Fortpflanzung auf („der Ginkgobaum legt Eier!“). Jedenfalls geben die Ginkgo-Pollen begeißelte Spermatozoiden ab, die die Eizellen befruchten! Dieser komplexe Fortpflanzungsmodus ist wohl einer der Gründe dafür, daß Ginkgo in der Entwicklungsgeschichte durch die eigentlichen Samenpflanzen verdrängt wurde.
Der Ginkgobaum ist robust und anspruchslos. Er bevorzugt kühle bis halbtropische Zonen mit ihren typischen jahreszeitlichen Schwankungen sowie silikathaltige Böden. Wie bereits erwähnt, ist der Ginkgobaum in erster Linie eine Kulturpflanze, deren Bestand auch im Fernen Osten durch den Waldverlust bedroht ist und durch Wiederaufforstungen kompensiert werden soll. In Europa gibt es den Ginkgo neben seiner Präsentationsfunktion als Park- und als Bonsai- Baum zunehmend als (phytotherapeutisch ausgewerteten) Kultur- und Plantagenbaum.
Schon im alten China wurden dem Ginkgo insektenabwehrende (insektizide?) Eigenschaften nachgesagt. Die zerstoßenen Samenanlagen wurden auch als Waschmittel und zur Seifenherstellung verwendet. Das (meist paarweise!) Pflanzen von Ginkgobäumen sollte Haus und Bewohner vor der vernichtenden Kraft des Feuers schützen. In Japan stand Ginkgo im Ruf, die Milchproduktion zu fördern; dies beruht auf der Signatur mammaähnlicher, auf die Erde zuwachsender Stammauswüchse („Chi Chi“). „Frucht“-Fleisch und „Nüsse“ wurden zur Herstellung von Kosmetika verwendet, die Ginkgoblätter sogar als Geldersatz! Das an sich spröde und harte Holz des Ginkgobaums, das sich aber durch eine besondere Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen auszeichnet, wurde zur Herstellung von Gerichtstischen und buddhistischen Schreinen verwendet.
Die traditionelle medizinische Verwendung soll zum nächsten Kapitel überleiten. Bekannt ist die Verwendung von Ginkgo-Tee (aus den Blättern) als Hustenmittel, Antiasthmatikum und Expektorans, – Indikationen, die durch die moderne Ginkgo-Forschung bestätigt werden konnten. In China meinte man früher, Ginkgo könnte die Spermatogenese fördern und wäre hilfreich gegen „Tuberkulose, Pollutionen, Leukorrhoe, Pollakisurie, Skrophulose“. Die Saatkörner fungierten als Sedativum, Wurm- und Entschlackungsmittel und wurden bei Pocken eingesetzt. Lokal wurden die Ginkgoblätter als Wundpflaster und ein Brei aus diesen Blättern gegen Frostbeulen gebraucht. Ginkgo ist auch Bestandteil des „Soma“ der hinduistischen Medizin.
Ginkgo als Phytotherapeutikum und in der Pharmazie
„… gibt geheimen Sinn zu kosten,
wie's den Wissenden erbaut.“
Seit den sechziger Jahren hat die Pflanze Ginkgo biloba zunehmend das Interesse der Pharmakologen und Kliniker für sich beansprucht. Ginkgopräparate zählen heute zu den umsatzstärksten Pharmaka überhaupt. Auch was die „Breite“ der Indikationsgebiete anbelangt, drängt es sich auf, von einem Ginkgo-„Boom“ zu sprechen. Es sollen im Rahmen dieser Arbeit nur Hinweise gegeben werden. Die Ginkgo-Forschung wächst rasch weiter, und schon morgen könnten neue klinische Einsatzmöglichkeiten in den Mittelpunkt des Interesses rücken.
Der überwiegende Teil durchgeführter Arbeiten mit Ginkgo biloba bezieht sich auf einen speziellen Extrakt aus getrockneten Ginkgoblättern (auf Ginkgo folium), der durch viele patentierte Einzelschritte auf 24% ginkgospezifische Flavonglykoside standardisiert wird. Es sei hier ausdrücklich betont, daß sich dieser Ginkgo-Extrakt von der homöopathischen Urtinktur, die aus den frischen Blättern [Herstellung nach dem Österreichischen Arzneibuch, homöopathischer Teil, Amtliche Ausgabe 1990, Vorschrift 3a (bzw. dem HAB I 1987 der Bundesrepublik Deutschland] hergestellt wird, sowohl inhaltlich als auch pharmakologisch unterscheidet (CHATTERJEE).
Eine Auswahl der pharmakologisch interessanten, sehr differenten Inhaltsstoffe soll im folgenden angeführt werden. Genaueres ist der Spezialliteratur zu entnehmen; auch bei Otto LEESER findet man über die Ginkgo-Inhaltsstoffe detaillierte Angaben. Ginkgoblätter enthalten Flavonoide, Biflavone, Proanthocyanidine (wie sie übrigens auch in Flor de piedra und in der roten Bete vorkommen), Polyole (Pinitol, Sequiatol), katecholaminähnliche Substanzen, sowie die Terpene Bilobalid und die pharmakologisch interessanten Ginkgolide. Diese Ginkgolide, insbesondere das Ginkgolid B gelten als wirkspezifisch. Chemisch handelt es sich hier um komplizierte, käfigartig aufgebaute, siebenringig verknüpfte Strukturen, die sonst bemerkenswerterweise im Pflanzenreich nicht vorkommen! Diese Verbindungen gelten als sehr reaktionsfreudig und sind für den im folgenden zu besprechenden PAF-Antagonismus verantwortlich. Neuerdings konnte Ginkgolid B auch synthetisch hergestellt werden. In der Samenschale von Ginkgo biloba finden sich Ginkgolsäure und Bilobol. Dies ist für uns auch deshalb interessant, weil phenolische Verbindungen dieses Typs auch bei den Anacardiaceen (Rhus toxicodendron, Anacardium, Comocladia, …) gefunden werden.
Auch die Blätter von Crataegus oxyacantha sind chemisch teilweise mit Ginkgo vergleichbar.
Faszinierend an den pharmazeutisch verwendeten Ginkgoextrakten ist, daß ihre Anwendung praktisch nebenwirkungsfrei ist, somit keine Kontraindikationen und Anwendungsbeschränkungen bestehen (SCHILCHER). Ginkgopräparate verändern trotz ihrer Gefäßaktivität die Blutdruckwerte nicht; ebenso tritt trotz lokal durchblutungssteigernder Wirkung kein sogenanntes Steal-Phänomen auf. Ginkgo ist nur wenig toxisch, nicht teratogen. Bei lokaler Anwendung – esterartige Verbindungen aus Ginkgo biloba sind diversen Einreibemitteln zugesetzt – können Hautreizungen entstehen; Kontakt mit den Scheinfrüchten kann allergisierend wirken. Laut H. UNGER (in O. LEESER) können Ginkgoverbindungen auch hämolysierend durch Phenolatbildung sein. Die derzeit klinisch verwendeten Ginkgoextrakte können oral und parenteral zugeführt werden, eventuell auch intramuskulär oder intraarteriell.
Das „Wirkprofil“ von Ginkgo ist – wie auch die ganze Pflanze! – schwer klassifizierbar; Ginkgo wirkt „einzigartig“, – seine Wirkungen sind mit den Effekten anderer Pharmaka nur teilweise vergleichbar.
Herausragend ist vor allem die Wirkung des Ginkgoextrakts auf das Gefäßsystem, sein positiver Einfluß auf die Mikrozirkulation, seine signifikante periphere und zerebrale (HOFFERBERTH, WEIß) Durchblutungssteigerung (SCHLITTER, SCHNEIDER). Ginkgo gilt als „Nootropikum“, als „Vasoaktivator“ und ist hier in seiner Wirkung unter anderem dem Dextran, aber vor allem dem Strophantin vergleichbar!
Durch Ginkgo wird der Hirnstoffwechsel positiv beeinflußt, hypoxämische, ischämische oder sonstige metabolische und toxische Alterationen des zellulären Stoffwechsels werden ausgeglichen; Sauerstoff- und Glukoseaufnahme sowie -verwertung werden verbessert; im Hirngewebe steigt die Konzentration an Glukose und ATP; es wird von einem betastimulierenden Stoffwechseleffekt gesprochen; Ginkgo wirkt antivasokonstriktorisch; die (pathologisch gesteigerte) Kapillarpermeabilität wird vermindert, somit der Elektrolythaushalt des geschädigten Gewebes stabilisiert (Verwendung des Gingkoextrakts beim Hirnödem, beim traumatischen, ischämischen und toxischen Ödem, bei der [TAYLOR] Verbrennungskrankheit); eine antimutagene Wirkung (Ginkgo als „Radikalfänger“) wird beschrieben. An dieser Stelle sei der Hinweis gestattet, daß der Ginkgo-Baum unter den ersten grünenden Gewächsen in Hiroshima 1945 war.
Im Sinn einer Extraktion der uns vorliegenden klinischen und experimentellen Arbeiten über Ginkgo seien im folgenden die weitere Pharmakologie und klinische Anwendung des Ginkgoextrakts nur kurz beschrieben. Ginkgo – und hier ist es vor allem das bereits erwähnte Ginkgolid B – gilt als Antagonist des plättchenaktivierenden Faktors (PAF) [Es sei hier wiederum auf eine Nahtstelle zwischen klinischer Forschung und Homöopathie hingewiesen: es war niemand geringerer als Jacques BENVENISTE, jener Wissenschafter, der 1988 mit seiner Arbeit über die Beeinflussung der Basophilendegranulation durch homöopathisch potenzierte Anti-IgE-Seren größtes Aufsehen erregte, der den PAF „entdeckte“ und als erster beschrieb!], steigert die Prostazyklinsynthese und hemmt somit die kollageninduzierte Thrombozytenaggregation. Ginkgo kann somit die Blutviskosität senken und die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes vergrößern; zudem wirkt Ginkgo stabilisierend auf die Erythrozytenmembran, hat also antihämolytische Eigenschaften. – Da Ginkgo in toxischen Konzentrationen selbst hämolysierend wirken kann, deutet diese Tatsache durch ihre Bipolarität auf ein In-Erscheinung-Treten der Simileregel, zumindest aber des Satzes von Arndt SCHULTZ von der dosisabhängigen Wirkungsweise hin.
Ginkgo gilt als Regulator des zentralen Venentonus; es fördert die Fibrillogenese in der Venenwand und induziert eine gewisse Schutzwirkung gegen Kollagenasen; „Phlebopathien“, Ulcera cruris mit schlechter Heilungstendenz sowie postthrombotisches Syndrom, Stauungsdermatosen gelten als Indikationen.
Die positive Wirkung Ginkgos bei Störungen im Bereich der Sinnesorgane ergänzt das nachfolgend noch genauer zu schildernde Indikationsgebiet der „zerebrovaskulären Insuffizienz“. Bei erhöhtem Blutdruck werden Sehstörungen verbessert ; akustische Reize werden unter dem Einfluß von Ginkgo besser beantwortet. Somit umfaßt das Ginkgo-Indikationsspektrum Störungen der verschiedenen Strukturen des Gehirns selbst („Hirnleistungsstörungen“) und der sensorischen Organe. Das vestibuläre System nimmt hier eine Sonderstellung ein; gerade die Indikationen Schwindel, Tinnitus, Hörschäden und Hörverlust (auch toxischer und traumatischer Genese) lassen Ginkgo für den oto-rhino-laryngologischen Bereich interessant erscheinen.
In einer Werbeeinschaltung für ein phytotherapeutisches Ginkgopräparat wird Ginkgo als die „Gedächtnispflanze!“ angepriesen. In zahlreichen Studien konnte belegt werden, daß unter dem Einfluß von Ginkgo-Extrakt die psychische Leistungsfähigkeit, Gedächtnis und Vigilanz zunehmen, Depressions- und Angstsymptome (alter Menschen) abgeschwächt werden; auch motorische und Sensibilitätsstörungen reagieren günstig auf Ginkgo. An klinisch geprüften Indikationen scheinen auch posttraumatische Hirnschädigungen sowie die primär degenerative Demenz auf. Die Verwendung Ginkgos bei diabetischen Angiopathien ergibt sich aus dem bisher Beschriebenen, ebenso bei der arteriellen Verschlußkrankheit, wo es unter dem Einfluß von Ginkgo auch zu einer gesteigerten Kollateralenbildung kommt. Für bestimmte Migräneformen, beim vaskulären Kopfschmerz und beim Zervikalsyndrom liegen positive Berichte vor.
Der pharmakologisch verwendete Ginkgo-Extrakt hat nach neuesten Untersuchungen auch Einfluß auf das Nervengewebe selbst, indem er die Dichte der Neurorezeptoren steigert, die Kollateralensprossung aus gesunden Neuriten, angeblich auch die synaptische Effektivität fördert.
Daß Ginkgo in der „allopathischen“ Anwendung auch spasmolytisch (antivasokonstriktorisch) wirkt, wurde bereits erwähnt. Die Anwendung bei bronchialer Hyperreaktivität und beim Asthma bronchiale, die empirisch belegt ist, findet dadurch unterstützende Erklärung. An dieser Stelle kommt wiederum der plättchenaktivierende Faktor (PAF) als Mediator der allergischen Frühreaktion ins Spiel. Ginkgolid B wird (vorerst nur versuchsweise) beim anaphylaktischen Schock eingesetzt; ältere Arbeiten über eine klinische Wirksamkeit bei der obstruktiven Bronchitis und bei der Rhinitis vasomotorica, wo Ginkgo schleimproduktionshemmend und antientzündlich wirken soll, liegen vor.
Bei Nierenerkrankungen gibt es Therapieversuche mit Ginkgo-Extrakt. Es sei auf das Protokoll der Probanden I/1 und I/3 verwiesen. Ginkgo scheint in vitro auch eine tuberkulostatische Wirkung zu besitzen, jedenfalls mit Inhaltsstoffen der Samenanlage.
Ist diese Auflistung klinisch-pharmakologischer Daten für den homöopathischen Arzt überhaupt sinnvoll? – Diese Frage wird sich beim weiteren Studium unserer Arbeit klären: Vieles, was hier als „Indikation“, „Angriffspunkt“ oder „Wirkmechanismus“ beschrieben wurde, wird sich in der Gestalt eines Symptoms oder eines übergeordneten Zusammenhangs im Wirkungsbild der homöopathischen Arznei Ginkgo biloba wiederzuerkennen geben.
Ginkgo biloba – bisherige Verwendung in der
Homöopathie
„… ist es ein lebendig Wesen,
das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
daß man sie als eines kennt? …“
Von diesem Mittelteil des Gedichts von Johann Wolfgang v. GOETHE ausgehend, sind es vor allem Fragen, die sich dem homöopathischen Ginkgo-Forscher stellen. Es ist auch die Frage nach der Zuverlässigkeit unserer Arzneidaten, vor allem wenn es sich um „kleine“, wenig oder schlecht geprüfte Arzneien handelt. Ginkgo biloba kann als gutes Beispiel für diesen unbefriedigenden Zustand gelten.
Die Arznei Ginkgo fehlt im alten homöopathischen Schrifttum, d.h. von der Zeit HAHNEMANNs bis zum Ende des ersten Drittels unseres Jahrhunderts. Ausgangspunkt für die homöopathische „Entdeckung“ Ginkgos war Frankreich. Ein kurzer Rückblick: 1778 – der junge HAHNEMANN war zu dieser Zeit in Siebenbürgen – war der erste Ginkgobaum nach Frankreich (Montpellier) als Geschenk des Engländers Sir Charles BANKS an Antoine GOUAN gekommen, – jener Baum, der 1835 das erste fruchtbare Ginkgo-Samengut Europas hervorbringen sollte. – Erst 1933 war es der bereits erwähnte Franzose MAURY, der den ersten Schritt zu homöopathischer Verfügbarkeit mittels zweier Arzneimittelprüfungen tat. MAURY prüfte zuerst mit der Urtinktur, und zwar an fünf Männern und zwei Frauen, später noch mit der sechsten KORSAKOFFschen Potenz an 2 Personen.
Nach MAURY waren es H. VOISIN und später O. JULIAN, die sich mit Ginkgo auseinandersetzten, die Arznei in ihre Materiae Medicae einbrachten, sich dabei aber größtenteils auf den jeweiligen Vorgänger beriefen.
VOISIN führt Ginkgo biloba in seiner Materia Medica kurz an, allerdings ohne Quellenangaben. Er scheint sich hauptsächlich auf die Prüfungen von MAURY zu stützen. VOISIN gibt drei klinische Indikationsbereiche an: linksseitige Tonsillitis (Vergleichsmittel: Mercurius jodatus ruber) mit Räusperzwang und Besserung durch Kalttrinken, dabei möglicherweise Oligurie (oder Pollakisurie); linksseitige Kopfschmerzen, temporal oder supraorbital, die sich durch Kälte verschlimmern, aber durch Ruhe und im Liegen bessern; Schreibkrämpfe der (rechten) Hand, mit Zittern (Vergleichsmittel hierzu: Magnesium phosphoricum).
Bevor wir uns der Materia Medica O. JULIANs zuwenden, muß noch der Beitrag von H. UNGER in O. LEESERs „Lehrbuch der Homöopathie“ gewürdigt werden. Im „LEESER“ ist Ginkgo für ein „kleines Mittel“ überdurchschnittlich gut repräsentiert. Gleich eingangs irrt UNGER aber, wenn er schreibt, daß von Ginkgo biloba bisher keine Arzneimittelprüfungen durchgeführt worden sind. Teilweise beruft sich UNGER auf VOISIN, zum anderen Teil scheint sein Beitrag eigenen Überlegungen – vor allem toxikologischer Natur – entsprungen zu sein. Einige Angaben UNGERs, wie z.B. die „Disposition zu psoriatischen Hautreaktionen“ sind quellenmäßig nicht nachvollziehbar. Auch gibt es keinerlei Hinweise darauf, ob sich der Autor bei seiner Ginkgo-Beschreibung auf eigene Erfahrungen gestützt hat.
In „LEESER“ III dominiert das Nervensystem als „Angriffspunkt“ von Ginkgo biloba. Da es sich hierbei wahrscheinlich um toxikologische Beobachtungen handelt, muß auch an dieser Stelle kritisch angemerkt werden, daß UNGER die Toxikologie direkt, d.h. ohne klinische Verifikation, ins Arzneimittelbild übertragen hat. Dieser Sachverhalt ist umso herausfordernder, als es sich bei den von UNGER beschriebenen Ginkgosymptomen um „tiefgreifende“, fast spektakulär zu nennende, handelt. Zum Teil wird man bei der Lektüre dieses Ginkgo-Beitrags auch an die in der Blütezeit der „Naturwissenschaftlich-kritischen Homöopathie“ (wie z.B. auch bei J. MEZGER) gepflogenen biochemischen Exkurse erinnert. Diese sollten dazu dienen, Arzneiphänomene besser zu verstehen, erscheinen aus heutiger Sicht aber oft konstruiert. Auch für das LEESERsche Lehrbuch mag gelten, daß viele der dort beschriebenen Ginkgo-Symptome einer Verifikation bedürfen, sei es durch eine homöopathische Arzneimittelprüfung oder durch klinische Beobachtungen! Überdies gibt es eine Diskrepanz zwischen den ebendort beschriebenen Ginkgo-Vergiftungssymptomen und der von klinisch-pharmakologischer Seite behaupteten Kaum-Toxizität des Ginkgo-Extrakts. Das LEESERsche Lehrbuch läßt auch hier im Stich, weil es nicht beschreibt, an welchen Individuen bzw. an welcher Spezies und bei welchen Dosierungen die geschilderten Intoxikationszeichen aufgetreten sind.
UNGER spricht von einer „Blockierung der nervalen Erregungsleitung“, von daraus abzuleitenden Sensibilitäts- und Motilitätsstörungen, ja von einer Zerstörung der weißen Gehirnsubstanz, der Markscheiden (beginnend im Rückenmark). Der sensible Anteil des Nervus glossopharyngeus werde spezifisch angegriffen, der wiederum über vegetative Verbindungsfasern mit den Speicheldrüsen, der weichen Hirnhaut und dem Innenohr in Verbindung stehe. Symptome wie Blutdruckabfall und Kopfschmerzen bringt UNGER mit diesen anatomischen Verhältnissen in Verbindung.
Ginkgo wirke ferner auf den Gyrus post- und praecentralis der linken Großhirnrinde; damit versucht UNGER, die von ihm beschriebenen distalbetonten sensiblen Ausfallserscheinungen (bis hin zur Nekrosenbildung!) und die motorischen Reizsymptome („Graphospasmus“!) zu erklären. Die Giftigkeit von Brenzkatechin werde durch Ginkgo gesteigert.
In LEESERs Lehrbuch folgt nun eine nach Organgebieten geordnete Darstellung von Ginkgosymptomen, wobei auch hier der Ursprung des Beschriebenen unklar bleibt. Die Haut nimmt in der Darstellung UNGERs einen großen Stellenwert ein; es werden unter anderem „parakeratotische“ (psoriasiforme?) Erscheinungen beschrieben und eine deutliche Tendenz zu trockener Haut. Bei der Beschreibung der Symptome im Bereich des Rachenrings lehnt UNGER sich an VOISIN (bzw. MAURY) an. Unter dem Kapitel „Herz-Kreislauf-Gefäße“ wird die Diagnose einer Thrombangiitis obliterans genannt; UNGER weist auch auf die Möglichkeit einer Heilwirkung bei durch eine Arteriitis temporalis hervorgerufenen Kopfschmerzen hin.
Ähnlich gravierend sind die Störungen, die UNGER im Kapitel „Blut“ anführt: Verbrauchskoagulopathie, Hyperfibrinolyse, hämolytische Anämie, MOSCHCOWITZ-Syndrom! Wiederum sei hier die Bemerkung gestattet, daß Ginkgo-Extrakte im pharmakologischen Dosierungsbereich stabilisierend auf die Erythrozytenmembran wirken, auch hier eine auffallende, nur über die Simileregel oder die ARNDT-SCHULTZsche Regel erklärbare Polarität. Die Schlangengifte fallen uns hier als Vergleichsmittel ein.
Beim Urogenitaltrakt beschreibt UNGER neben Prostatabeschwerden eine hämorrhagische Nephritis. Es sei an dieser Stelle nochmals an die „Dramatik“ der von uns beobachteten Ginkgosymptome im Bereich der Harnwege erinnert!
Im Kapitel „Bewegungsapparat“ beschreibt UNGER myasthenische Symptome (bis zur Muskelatrophie!), eine Muskelschwäche, die sich durch Kälte und durch Aufrichten aus der Ruhelage verschlimmert. Ginkgo biloba tritt uns hier als „kalte“ Arznei, vor allem mit den Symptomen peripherer Kältesensationen, entgegen!
Dem Hormonsystem widmet UNGER einen Absatz seiner Ginkgo-Beschreibung; hier fällt vor allem eine Wirkung auf Lipogenese und Lipolyse auf, neben anderen Stoffwechselwirkungen, die durch komplexe endokrine Vernetzungen erklärbar sind.
Der Veterinärmedizin wird im Lehrbuch LEESERs bei Ginkgo viel Raum gewidmet. Nach UNGER gibt es vor allem im Tiefpotenzbereich gute Erfahrungen mit Ginkgo biloba. Im Zentrum der Symptomatik steht der Bewegungsapparat: „Krampfartige Bewegungen, die zur Versteifung der Muskulatur führen“, laut UNGER auf eine Durchblutungsstörung des perineuralen Gefäßsystems zurückzuführen. An klinischen Angaben werden genannt: Krämpfigkeit des Rindes; Dummkoller des Pferdes; Lähmung mit Streckkrämpfen der Hinterhand des Hundes; Ataxie, Opisthotonus; aber auch: kälteinduzierte Mastitis bei der Kuh. UNGER rät an dieser Stelle zum Einsatz von Ginkgo-Hochpotenzen, teilt aber nichts über eigene Erfahrungen mit.
Was bietet uns der Computer?
Im RADAR-Programm (Synthesis – Version 2.2) sind ganze 6 bzw. 5 Symptome im Geist- und Gemütsbereich angeführt:
anger, irascibility
delusions, unreal, everything seems
loquacity
reproaches himself
tears things
unreal, everything seems
Die Allgemeinsymptome sind:
night, midnight, after, 2–3 h
drinking agg.
rest am.
side, right
warm, am.
weakness
vertigo
sleep heavy
sleep, sleeplessness, midnight, after, 2–3 h
dreams, nightmares
men, sexuality, sexual passion diminished
women, sexuality, leucorrhoea
women, sexuality, menses, frequent too
Wenige Symptome, doch bekräftigen gerade die differenzierten unter ihnen bei der vorliegenden AMP erhaltene Symptome.
In der „Materia Medica of New Homeopathic Remedies“ von O.A. JULIAN, der die obengenannten Symptome offenbar entnommen sind, lesen sich diese doch etwas anders, besonders was die Geist- und Gemütssymptome betrifft:
irrationale Ängste, mit schnellem Sprechen
unklarer Zustand, hat den Eindruck von Unwirklichkeit
kritisiert andere und sich selbst
unterdrückter Ärger, mit dem Wunsch etwas zu zerreißen/etwas zu zerstören
trotz des Gefühls der Müdigkeit kann er/sie geistige Arbeit leichter ausführen
Wenn man diese Geist- und Gemütssymptome bei JULIAN mit jenen im RADAR-Programm vergleicht, kann man bereits ermessen, wie schwierig es ist, ein Symptom unmißverständlich zu formulieren. Dazu kommen dann Übersetzungen, Rückübersetzungen, neuerliche Übersetzungen, welche alle den Keim der fehlerhaften Übertragung in sich haben.
Doch wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen …
In der nun nahezu kompletten Literaturdurchsicht noch ein Goldkörnchen am Rande. Unter dem Titel „Sicher wirkende kleine Schmerzmittel“ hat Frau Dr. Lea de MATTOS Ginkgo als höchst wirksam empfohlen bei temporalen Kopfschmerzen, welche sich durch Kälte verschlimmern und in Ruhe bessern. Ginkgo sei umso wirksamer, je mehr der Kranke außerdem über Augenbeschwerden und Schwindel klage.
Wenn wir uns jetzt erlauben, über eine kurze Mitteilung über Ginkgo im British Homeopathic Journal vom April 1975 hinwegzugehen, in der einige wenige Prüfungssymptome beschrieben sind, ist unserer Meinung nach die Literaturschau vollständig und wir können uns jetzt daranmachen, die bei unseren beiden Prüfungen erhaltenen Prüfungssymptome anzuführen, zunächst im deutschen „Original“, anschließend in einer versuchten englischen Übersetzung.
Die Prüfungssymptome
(„I, II“ stehen für I. und II. Prüfung
„1, 2, …“ für den jeweiligen Probanden
„…“ enthalten wörtliche Wiedergaben der Symptome
„(10.), (10.–14.), (Nb 3)“ stehen für 10. oder 10.–14. Tag der Prüfung bzw. Tag 3 der Nachbeobachtungszeit
„ * “ steht für „siehe Kapitel …“)
Geist und Gemüt
|
I/2 |
|
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/4 |
|
|
I/5 |
|
|
I/6 |
|
|
I/7 |
|
|
I/8 |
|
|
I/9 |
|
|
II/2 |
|
|
II/8 |
|
|
II/9 |
|
|
II/14 |
|
|
II/15 |
|
|
II/30 |
|
Schwindel
|
I/8 |
|
|
II/30 |
|
Kopf
|
I/1 |
|
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/4 |
|
|
I/5 |
|
|
I/6 |
|
|
I/7 |
|
|
I/8 |
|
|
I/10 |
|
|
II/8 |
|
|
II/9 |
|
|
II/14 |
|
|
II/15 |
|
|
II/28 |
|
|
II/30 |
|
Auge, Sehvermögen
|
I/3 |
|
|
I/4 |
|
|
I/6 |
|
|
II/8 |
|
|
II/14 |
|
Ohr, Hörvermögen
|
I/4 |
|
|
I/5 |
|
|
I/8 |
|
|
II/8 |
|
|
II/15 |
|
|
II/30 |
|
Nase
|
I/1 |
|
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/5 |
|
|
I/6 |
|
|
I/7 |
|
|
II/8 |
|
|
II/14 |
|
|
II/15 |
|
Gesicht
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
II/2 |
|
|
II/8 |
|
|
II/5 |
|
Mund
|
I/1 |
|
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/7 |
|
|
I/8 |
|
|
II/2 |
|
|
II/8 |
|
|
II/9 |
|
|
II/14 |
|
|
II/30 |
|
Zähne
|
I/2 |
|
|
II/2 |
|
|
II/8 |
|
Innerer Hals
|
I/1 |
|
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/6 |
|
|
II/8 |
|
|
II/15 |
|
|
II/28 |
|
|
II/30 |
|
Magen
Appetenzsymptome werden in diesem Kapitel wohl fallweise angeführt, zusammengefaßt sind sie im Kapitel * Allgemeinsymptome zu finden.
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/5 |
|
|
I/7 |
|
|
I/8 |
|
|
I/10 |
|
|
II/2 |
|
|
II/30 |
|
Abdomen und Rektum, Stuhl
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/4 |
|
|
I/5 |
|
|
I/7 |
|
|
I/8 |
|
|
II/30 |
|
Harn und Harnorgane
|
I/1 |
|
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
II/2 |
|
|
II/8 |
|
Geschlechtsorgane
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/6 |
|
|
I/8 |
|
|
I/9 |
|
|
II/2 |
|
|
II/8 |
|
|
II/15 |
|
|
II/30 |
|
Atemwege, Brust, Herz/Kreislauf
|
I/1 |
|
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/7 |
|
|
I/10 |
|
|
II/2 |
|
|
II/8 |
|
|
II/23 |
|
|
II/30 |
|
Rücken und Extremitäten
|
I/1 |
|
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/5 |
|
|
I/7 |
|
|
I/9 |
|
|
II/2 |
|
|
II/8 |
|
|
II/15 |
|
|
II/30 |
|
Schlaf, Träume
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/5 |
|
|
I/8 |
|
|
I/9 |
|
|
I/10 |
|
|
II/2 |
|
|
II/8 |
|
|
II/9 |
|
|
II/14 |
|
|
II/30 |
|
Frost, Fieber, Schweiß
„Infekte“
|
I/2 |
|
|
II/8 |
|
|
II/30 |
|
Haut
|
I/1 |
Schmerzhafte Hautempfindung an der rechten Hand, am Handrücken, Zeige- und Mittelfinger, streckseitig (3.). Am nächsten Tag sind auch Berührung und Waschen der Hand schmerzhaft. |
|
I/2 |
Akne links an der Stirn – Haargrenze (4.). Zwei Pusteln am rechten Oberschenkel von rotem Hof umgeben (9.). |
|
I/3 |
Haare fetten zunächst weniger, später schneller, fallen mehr aus, nach AMP diesbezüglich keine Beschwerden mehr. Am Morgen juckendes, brennendes Exanthem links am Hals, klingt am nächsten Tag ab (12.). Am nächsten Tag juckendes Exanthem an der Streckseite des linken Unterarmes. Am nächsten Tag Exanthem auf der Brust, an Hals und Unterarm fast verschwunden; einige Wochen später juckendes Exanthem an der Innenseite des rechten Oberschenkels. An diesem Tag beginnt der erste Herpes labialis ihres Lebens. Juckende Pickel am rechten Hals (22.). Juckendes Ekzem an den Streckseiten beider Unterschenkel (50.). Kleines Furunkel rechts an der Ohrmuschel (51.). Furunkel rechts am Hinterkopf (62.). |
|
I/4 |
Haarausfall: Vor allem die weißen Haare fallen aus – bei einem 35jährigen Probanden das Symptom hält nach der AMP noch einige Zeit an (ab dem 20.). Das seborrhoische Ekzem am Kopf wird schlechter, Jucken, Schuppen, Haarausfall (ab 51.), hält gut einen Monat an. |
|
I/5 |
Pickel am rechten Kiefergelenk und an der rechten Oberlippe ab dem 8. Tag, später in der rechten Glutealgegend, am Rücken, im Gesicht, am ganzen Körper. Später auch rote Flecken ohne Jucken. Übelriechender Achselschweiß ab dem 56. Tag bis 2 Monate nach der AMP. Auffallende Neigung zu Schweißen bei der Kommunikation mit Fremden (Patienten, Verkäufer, Hausbesorger) (ab 57.). |
|
I/6 |
Wund zwischen den Zehen, „wie von Schweiß“ (ab 16.). |
|
I/7 |
Sonst relativ oft Pickel: jetzt Haut trockener als sonst, auch postmenstruell (10.). Die Haare wachsen rascher, der Haaransatz tritt tiefer in die Stirn (54.) – dabei handelt es sich um eine verläßliche Fremdbeobachtung, nämlich jene ihrer Friseurin. Die Fingernägel werden brüchig (ab dem 25.). |
|
I/9 |
Ab dem 4. Tag tritt ein juckendes Exanthem auf, das die Probandin die gesamte Prüfung hindurch begleiten sollte, wird in der zwischengeschalteten Placebophase kurzzeitig besser, um unter erneutem Verum wieder aufzublühen. Es treten stecknadelkopfgroße Papeln auf, die dicht beieinander stehen, eine Rötung der Haut, heftiges Jucken zunächst an den Oberschenkeln, von hier aus über das Gesäß zum Dekolleté sich ausbreitend. Die Haut ist rauh, das Jucken behindert die Nachtruhe, teilweise ist die Probandin um 2 Uhr morgens schlaflos und kratzt sich blutig. Das Exanthem breitet sich auf die Arme aus, fettige Cremes lindern den Juckreiz etwas. Die Stimmung der Probandin bleibt trotz alledem gut, die Haut wird trocken an Gesicht und Händen. Ein Thermalbad (Schwefel) verschlimmert das Bild deutlich. |
|
I/10 |
Große Pickel an jeder Schulter (36.), Trockenheit und Schuppenbildung der Kopfhaut nimmt zu (45.). |
|
II/2 |
Jucken der Handflächen, wiederholt (ab dem 1.). |
|
II/8 |
Zeitweise Jucken am ganzen Körper (22.). Eine alte Narbe beginnt anhaltend zu schmerzen (NB). |
|
II/14 |
Juckreiz am ganzen Körper abends (24.), besonders im Gesicht (51., 53.). |
|
II/15 |
Die Nägel werden brüchig, die Haut trocken (46.). |
|
II/28 |
Die Haut ist trocken und juckt (16.). |
Allgemeinsymptome
|
I/1 |
|
|
I/2 |
|
|
I/3 |
|
|
I/4 |
|
|
I/5 |
|
|
I/6 |
|
|
I/7 |
|
|
I/8 |
|
|
I/9 |
|
|
I/10 |
|
|
II/2 |
|
|
II/8 |
|
|
II/9 |
|
|
II/14 |
|
|
II/15 |
|
|
II/30 |
|
Aussehen, Fremdbeobachtungen
|
I/1 |
|
|
II/8 |
|
|
II/15 |
|
„Therapeutische Effekte“
Weniger leicht Gewichtszunahme I/9
Weniger erkältungsanfällig I/9
Weniger geraucht I/4
Menses schmerzlos I/3
Haar wächst rascher, wird dichter I/8
Weniger Zahnfleischbluten I/8
Weniger Pickel (in Phase I) I/5
Weniger reizbar vor der Regel II/15
Auffallende, sonderliche, paradoxe Symptome:
Seelisch wohl trotz: intensiven Juckreizes
gestörten und zuwenig Schlafs I/9
Gewichtszunahme bei weniger Appetit II/8
Traurigkeit, besser während Pneumonie I/3
Gelenkschmerz: schlimmer bei Berührung,
besser durch Druck II/30


