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    Latrodectus mactans

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    REMEDY ABBREV.

    Lat-m.

    MASTER PROVER

    1) Dr. Leisigang, OEGHM, Austria

    2) Jonathan Shore

    YEAR

    1) 19892) 1994

    PROVING METHOD

    1) double blind, placebo controlled trial, conducted with 23 provers in 1989 and single blind without placebo, conducted with 4 provers in 1992

     

    2) Dream proving

    PLACEBO?

    placebo given in the proving of 1989

    BLINDING?

    remedy unknown to the 27 provers

     

    PHARMACY OF REMEDY IN PROVING

    1) Dr. Gerhard Peithner, Austria

    2) Nelson, U.K.

    Description of the substance

    A homeopathic drug proving- now termed a homeopathic pathogenetic trial- of Latrodectus mactans, the Black Widow (spider)

    Eine homöopathische Arzneimittelprüfung von Latrodectus mactans, der Schwarzen Witwe (Spinne)

     

    2) Proving conducted by J.Shore is not available

     

    1) Proving document is currently available only in German

    Published in the Austrian journal Documenta Homoeopathica No.12

     

     

    Latrodectus mactans

     

    Arzneimittelprüfung

     

     

    I. Herkunft der Arznei

    Latrodectus mactans, die „Schwarze Witwe", gehört zu den echten Spinnen, den Aranomorphaeen. Sie bauen kunstvolle Netze, mit denen sie ihre Beutetiere fangen und fesseln. Alle Spinnen sind Gliederfüßer. Sie töten ihre Beutetiere mit einem vorwiegend neurotoxisch wirkenden Gift, dem Chelizerengift. Chelizeren nennt man die Greifzangen mit dem Chitinhaken am Ende, mit denen die Spinnen ihre Beute festhalten und verletzen. Dort liegen die Ausführungsgänge der Giftdrüsen. Das Gift fließt bei der Verletzung in die Wunde und wirkt tödlich.

    Der Speichel der Spinnen enthält ein proteolytisch wirkendes Ferment, mit dem sie die Körpersubstanz der Beute verdauen und sich anschließend einverleiben. Im Körper der Spinne selbst findet keine Verdauung statt. Zusätzlich zu diesen Stoffen findet sich im Körper der Weibchen noch eine hämolytisch wirkende Substanz, das Arachnolysin.

    Für das homöopathische Arzneimittel wird der ganze Körper des weiblichen Tieres verwendet. Die Vergiftungssymptome hingegen sind auf das Chelizerengift zurückzuführen. Bei einer Arzneimittelprüfung, die das ganze Tier zur Ausgangssubstanz hat, ist demnach mit einer Erweiterung der aus der Vergiftung bekannten Symptome zu rechnen.

    Es gibt mehrere Latrodectusarten. Latrodectus mactans kommt in Südamerika und den südlichen Staaten Nordamerikas vor.

    Den Namen „Schwarze Witwe" hat sie auf Grund ihres Paarungsverhaltens: Nach der Paarung fressen die stärkeren Weibchen die Männchen auf, wenn diese nicht rechtzeitig die Flucht ergreifen. Die Tiere sind schwarz mit einer sanduhrförmigen Zeichnung auf der Bauchseite.

     

     

    II. Wirkung (Toxikologie)

    Über die Folgen des Bisses von Latrodectus mactans gibt es umfangreiche Literatur.
    Als Beispiel möge die Schilderung eines Selbstversuchs von A. W. BLAIR angeführt werden:

    1. Aufnahme des Giftes
      Aufsteigend von der Bißstelle am Finger kommt es zuerst zu Taubheit und Brennen an Hand und Arm. Es entsteht eine lokale Entzündung mit Lymphangitis. Nach einer halben Stunde tritt ein Schmerz in der Herzgegend auf.
    2. Resorption des Giftes
      Dumpfes Gefühl von Benommenheit, Lethargie, dann zunehmend Schmerzen in Verbindung mit krampfhafter Steifheit der Muskulatur an Rumpf und Extremitäten.
      Die Bauchdecke ist gespannt bis bretthart, sodaß ein „akutes Abdomen" vermutet werden kann. Schmerz in der Nackenmuskulatur, der sich lumbalwärts ausbreitet, schließlich ein Zusammenschnürungsgefühl um die Brust mit beschleunigter Atmung, erschwertem stoßweisem Sprechen, schwachem beschleunigtem Puls und Angst. Die gesamte Muskulatur zittert und ist verkrampft bis in die Lippen, sodaß die Mundstellung verändert wird. Wärmeanwendungen bessern.
      Die Haut ist blaß, es tritt kalter klebriger Schweiß aus.
      Klopfender Kopfschmerz mit Übelkeit und Erbrechen.
      Kribbeln an Händen und Füßen.
    3. Elimination des Giftes
      Dabei kommt es zu einer vorübergehenden Nierenschädigung mit Anstieg von Temperatur, Leukozyten, Blutdruck. An der Bißstelle treten erst jetzt starke Schmerzen auf. Der Patient ist äußerst unruhig, ängstlich, zittrig (gleichzeitig lassen die Muskelkrämpfe nach). Vorherrschend ist ein Gefühl von Frostigkeit und Schwäche.
    4. Erholung
      Pruritus am ganzen Körper, die Haut schält sich 3 Wochen lang an Händen und Füßen. Brennen an den Fußsohlen.
      Taubheitsgefühl und Kribbeln, vorübergehende Muskelspasmen über Monate.
      Die Giftwirkung zeigt sich demnach vorwiegend in einer Hyperreflexie der Muskulatur und in einem Schockzustand. Als Modalität
      hat sich nur die Besserung durch Wärme ergeben.

     

     

    III. Latrodectus mactans in der Homöopathie

    ALLEN und HERING führen Latrodectus mactans nicht an. J. H. CLARKE beschreibt eine Vergiftung mit Latrodectus mactans. Es existiert keine Arzneimittelprüfung.

    Indikationen nach DORCSI, MEZGER, VOISIN

    Angina pectoris und ähnliche anfallsartige Schmerzzustände
    Bronchospasmus
    Krampfzustände im Bauchraum
    Muskelkrämpfe, Muskelzittern
    Neuralgien an den Gliedmaßen mit Kälte und Taubheit

    Latrodectus wird auch als Begleitarznei bei der Nikotinentwöhnung angeführt.

     

     

    IV. Arzneimittelprüfung mit Latrodectus

    Im Jahr 1989 wurden in Österreich 2 Prüfungen durchgeführt. Die eine erfolgte durch eine Gruppe von Prüfern in Oberösterreich und erbrachte 12 verwertbare Protokolle, die zweite wurde im Raum Wien durchgeführt und erbrachte 11 verwertbare Protokolle.

     

    Der Prüfungsablauf war beide Male gleich:
    Geprüft wurde mit Latrodectus mactans D 30. Die Prüfsubstanz wurde von der Firma Dr. Gerhard Peithner KG zur Verfügung gestellt. Beide Prüfungen erfolgten im Doppelblindverfahren (d. h. weder Probanden noch Auswerter wußten die Arznei und den Verteilungsschlüssel), beide Male wurden Kontrollgruppen mit Placebogaben geführt. 3 Tage lang wurden je 5 Globuli aus dem ersten Fläschchen genommen, ab dem 3. Tag wurde die Einnahmefrequenz gesteigert. Beim Auftreten von Symptomen sollte mit der Einnahme aufgehört werden. Waren nach einer Woche keine Symptome aufgetreten, sollte mit dem Fläschchen Nr. 2 begonnen werden (wieder anfangs 1x5 Glob., dann steigern bis zu 5 x 5 Glob.), wieder sollte bei Symptomen vor einer neuerlichen Einnahme deren Abklingen abgewartet werden. Im Anschluß an die Einnahme (maximal 2 Wochen) erfolgte eine zweiwöchige Nachbeobachtung.

     

    1992 wählten wir für eine neuerliche Prüfung einen anderen Modus. Nach einer Anregung von Dr. J. BECKER aus Deutschland nahm eine Gruppe homöopathischer Ärzte, die sich damals wöchentlich traf, 1 Woche lang täglich 5 Globuli Latrodectus C 30 bis Symptome zu bemerken waren. Dann wurde die Einnahme beendet. Nach dieser Woche wurden die Eindrücke in der Gruppe besprochen. Die Teilnehmer kannten den Prüfstoff nicht, nur die Leiterin der Gruppe, die auch die Auswertung vornahm, wußte um das Mittel. Es gab keine Placebogaben. Aus dieser Prüfung stammen 4 verwertbare Protokolle.

    Zur Auswertung standen demnach 27 Prüfprotokolle zur Verfügung.

     

    Die Prüfungsleiter waren:
    Dr. Gabriele MOHR-BAUMANN, Dr. Marietta PERNSTEINER, Dr. Romed RECHEIS für die Prüfung in Oberösterreich, Dr. Helga LESIGANG für die beiden Wiener Prüfungen.

     

     

    V. Wahrscheinliche Prüfungssymptome

     

    Allgemeinsymptome

    Geist und Gemüt
    Unruhig, launisch, gereizt.
    Reagiert verärgert, ist kurz angebunden, grob, streitsüchtig, jähzornig. Ärgert sich über Unwesentliches, weint bei Kleinigkeiten. Will allein sein, aber auch Verlangen nach Gesellschaft. Hat das Gefühl sich nicht durchsetzen zu können, nicht mehr sie selbst zu sein (diese Symptome klingen bei Einnahmestop nach 2 Tagen ab, bei Wiederbeginn der Einnahme treten sie neuerlich auf).
    Müde, abgeschlagen, erschöpft. Unkonzentriert, wie benommen.
    Verspricht sich, stolpert über Worte, verwechselt Krankengeschichten. Aber auch: gesteigerte Leistungsfähigkeit, vor allem abends.
    Gefühl, als ob jemand hinter ihm ginge oder ihn berühren würde.

     

    Schlaf und Träume
    Unruhiger Schlaf, wacht schweißgebadet zwischen 3 und 4 Uhr früh auf. Träume von Verfolgung.

     

    Temperatur
    Gefühl innerer Wärme und Hitze bis in Gesicht und Ohren,
    Hitzewallungen.
    Gefühl, als ob sich Wärme im Kopf stauen würde.
    Wärmegefühl um die Augen und an der (vorwiegend rechten) Wange.
    Wärmegefühl beginnt im Gesicht, ergreift dann den ganzen Körper, sodaß sich der Proband ausziehen muß. Wärmegefühl in den Fingern, Finger wie geschwollen. Frösteln und Kältegefühl.

     

    Lokalsymptome

    Kopf
    Morgens eingenommener Kopf, diffuse Kopfschmerzen.
    Drückende Kopfschmerzen am Morgen (Stirn).
    Gefühl von Schwere und Müdigkeit in den Augenlidern.
    Stirnkopfschmerz, hell drückend, in Verbindung mit Abdominalkolik.
    Der Schmerz breitet sich über den ganzen Kopf bis zum Nacken aus, gleichzeitig Drehschwindel, vor allem im Sitzen und Stehen mit Frösteln und Kältegefühl. Kalte frische Luft bessert.
    Der Schlaf ist bei dem beschriebenen Schmerz ungestört.
    Druckgefühl in den Schläfen, schlechter im Liegen.
    Umklammernde Kopfschmerzen vom Nacken her.
    Stechende Kopfschmerzen am späten Nachmittag vom Nacken in die Ohren, die plötzlich beginnen und plötzlich enden.
    Wärmegefühl und Taubheit in Verbindung mit Kopfschmerzen um die
    Augen, mehr rechts als links.

     

    Augen
    Augenbrennen, Sandgefühl.
    Reibung und Fremdkörpergefühl im Lidwinkel (rechts außen).
    Gefühl von Müdigkeit, muß die Augen öfters schließen.
    Gefühl von Schwere und Müdigkeit in den Augenliedern.

     

    Mund
    Mundtrockenheit, Gefühl als ob man eine Zitrone gegessen hätte; als ob die Mundschleimhaut wie durch Sog am Kiefer haften würde.
    Metallischer Geschmack, Geschmack nach Pfeffer.
    Gefühl wie Batteriestrom zwischen Zungenkörper und Gaumen.
    Wundheitsgefühl, „wie ein Muskelkater" in der Zunge.

     

    Hals
    Kitzel und Kratzen im Hals mit nicht unterdrückbarem Hustenreiz, dieser Reiz dauert wenige Minuten und ist schmerzlos.

     

    Herz
    Herzklopfen abends.
    „Herzstolpern", Puls wechselt in der Stärke.
    Gefühl, als ob das Herz beim Hals heraushüpft, mit Schwächegefühl und Angst. Anfangs nur minutenlang, im Lauf der Prüfung an Häufigkeit und Dauer zunehmend. Verstärkt nach Anstrengung, bei und nach dem Essen. Nachts beschwerdefrei.
    Hüsteln bei den Herzsymptomen.
    Greift reflektorisch ans Brustbein.
    Dauer der Herzsymptome bis zum 25. Tag der Nachbeobachtung, ein EKG am 12. Tag der Nachbeobachtung ist unauffällig.
    Herzstolpern ohne Angst 1-2 x täglich, ebenfalls ca. 1 Monat lang bei einer anderen Probandin.
    Spannungsgefühl in der Brust, das wochenlang anhält und nur während der Regel nicht auftritt.

     

    Verdauung
    Verlangen nach Schokolade (sonst sauer und Vollkornbrot),

    nach süß,
    nach Salat, Brot, Geräuchertem,
    nach Obst und Saftigem, nach
    fetten Speisen.

    Abneigung gegen Alkohol und Zigaretten. Unverträglichkeit von Alkohol und Zigaretten. Ekel vor dem Geruch von Fleischspeisen, die sie sonst liebt. Trinkt Milch, die sie sonst nicht mag.
    Hunger vermehrt,

    nach der Einnahme,
    trotz Übelkeit.

    Kann trotz fehlendem Hungergefühl mit dem Essen nicht aufhören, wenn sie einmal angefangen hat.
    Übelkeit, Schwindel und Brechreiz, Ekel vor dem Essen.
    Übelkeit nach wenigen Bissen, trotzdem kurz darauf wieder Hunger.
    Magendrücken, Sodbrennen, Völlegefühl.
    Stechende kolikartige Schmerzen im Abdomen mit Blähungen nachmittags bis 19 Uhr. Die Koliken dauern ca. 2 Minuten und wiederholen sich in 1/4 bis 1/2 stündlichen Abständen.
    Schmerzen im Ober- und Unterbauch, vorwiegend rechts, die durch starken Druck z. B. mit der Faust besser werden und bei Bewegung schlechter.
    Nach dem Genuß von Kuchen heftige Schmerzen im ganzen Bauch mit Stirnkopfschmerz und Drehschwindel.
    Blähungen und Bauchkrämpfe.
    Plötzlich heftige Bauchschmerzen beim Erwachen, besser nach der Entleerung.
    Bauchgrimmen und weicher explosionsartiger Stuhl mit Schweißausbruch.
    Häufige schmerzlose Entleerung von immer weicher werdendem Stuhl am Morgen.
    Schmerzhafter Stuhldrang, als ob sich der untere Teil des Darmes zusammenziehen würde.
    Blähungen und Verstopfung.
    Kaffeebohnengroße trockene, schwer zu entleerende Knöllchen.
    Wenig harter kleinknolliger Stuhl bei mehrmaligem Stuhldrang.
    Nach Abbruch der Arzneimittelprüfung normalisiert sich die Verdauung ab dem 6. Tag und ist in der Folge monatelang so regelmäßig wie noch nie.

     

    Geschlechtsorgane
    Starke Regelschmerzen, ziehend, krampfartig,
    mit Übelkeit, kann nichts essen.
    Bewegung bessert, Sitzen verschlechtert.
    Starke Blutung.
    Schmerzen wie vor der Regel und leichte Blutung beim Eisprung (Kreuz und Bauch).
    Prämenstruell sehr depressiv, möchte am Tag vor der Regel und am ersten Regeltag nur weinen.
    Ejakulation „auf Raten" ohne Schmerz.

     

    Muskulatur und Gelenke
    Sehr schmerzhafte Nackensteifigkeit.
    Ein Nackenschmerz (Verspannung), der seit Jahren bestand, hört auf.
    Schwellung und Schmerz entlang der Halsmuskeln mit Besserung durch Druck.
    Kälte und Steifheitsgefühl zwischen den Schulterblättern.
    Ziehende Schmerzen von der Lendengegend entlang der Beugeseite der
    Oberschenkel beidseits mit Verschlechterung beim Bücken (Lumboischialgie).
    Krampf in der Oberschenkelmuskulatur.
    Ziehende Schmerzen im linken Unterschenkel bis zur Kniekehle. Anschwellung der Unterschenkel, besonders links, mit 2 kg Gewichtszunahme. Diese Anschwellung hält 3 Wochen an und endet mit einer Harnflut.
    Nächtliche Schmerzen in der rechten Großzehe.
    Brennen der Fußsohlen. Schmerz an der Hand „wie Muskelkater".
    Schmerzhafter Knoten am rechten Handgelenk mit Verschlechterung durch Aufstützen und Druck.

     

    Haut
    Trockene Haut, Juckreiz.
    Verschlechterung eines bestehenden seborrhoischen Ekzems.
    Duschen bessert.
    Rötliche schuppende Flecken ca. 1/2 bis 1 cm im Durchmesser.

     

     

    VI. Besprechung der Prüfungssymptome

     

    Allgemeinsymptome

    Diese sind nicht besonders auffällig, es zeigt sich aber doch in fast allen Protokollen eine mehr oder weniger starke „Verstimmung" - die ärgerliche Gereiztheit, die unverhältnismäßig starken Reaktionen auf Kleinigkeiten sind Ausdruck einer labilen Gemütslage.

     

    Auffällig, weil tendenziell in dieselbe Richtung gehend, sind für mich:

    Träume von Verfolgung,
    das Gefühl, daß jemand hinter ihm ginge oder ihn berühren würde, das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein.

    Schon bei den Allgemeinsymptomen scheint eine Besserung gegen Abend bzw. nachts erkennbar zu sein.

    Entgegen den Erwartungen, die man nach Kenntnis der Toxikologie hat, überwiegen Sensationen von Wärme und Hitze. Nur bei einigen Probanden wird das Kältegefühl angegeben, das eigentlich für Spinnengifte typisch wäre.

     

    Lokalsymptome

    Wie bei den meisten Arzneimittelprüfungen finden sich vielerlei Beschreibungen von Kopfschmerzen. Ganz massiv scheint aber der Stirnkopfschmerz zu sein, der in Verbindung mit Abdominalkoliken auftrat, bei gleichzeitigem Drehschwindel. Auch hier die Besserung nachts („Schlaf ungestört").

     

    Trockenheit scheint auch ein Symptom zu sein, das verschiedentlich in Erscheinung tritt: Augenbrennen, Sandgefühl, Mundtrockenheit, trockene Haut. Auch der Husten ist eher trocken.

     

    Am auffallendsten für die Wirkung von Latrodectus mactans sind aber die Symptome von Seiten der Muskulatur. Die gesamte Muskulatur scheint betroffen zu sein: Skelettmuskulatur, glatte Muskulatur und Herz. Krampfartige kolikartige Zustände werden beschrieben, immer wieder ein Gefühl von Zusammenschnüren bzw. die Folge dieses Zusammenschnürens (wie Atemnot, Angst, Kribbeln, . . .). Je nachdem welche Muskeln betroffen sind, sind die Symptome verschieden. Ihre Ursache ist aber ein Krampf dieser Muskeln.

     

    Am Herz wird dieser Krampf im Extremfall (nicht bei unserer Prüfung) als Angina-pectoris-Anfall erlebt. Unsere Probanden schilderten ein Spannungsgefühl, das Gefühl als ob das Herz beim Hals heraushüpfe, mit mehr oder weniger Angst verbunden. Begleitend dabei „Herzstolpern".

     

    Die Symptome von Seiten der Bronchialmuskulatur sind aus der Toxikologie bekannt, bei der Prüfung traten keine auf.

    Sehr stark zeigte sich die Wirkung auf den Verdauungstrakt: heftigste kolikartige Bauchschmerzen wiederholt während der Prüfung und bei einer großen Zahl der Probanden.

     

    Die Koliken treten am Morgen auf, bei einem Probanden nachmittags, gegen Abend werden sie besser.

    Der Stuhl war bei einigen Probanden weich, sogar explosionsartig, typischer scheint mir aber der kleinknollige trockene, schwer zu entleerende Stuhl zu sein. Dafür spräche auch die Normalisierung der Verdauung bei einer Prüferin nach der Arzneimittelprüfung. Da diese Prüferin sonst einen unregelmäßigen Stuhlgang hat und zu Verstopfung neigt, ist diese Beobachtung als therapeutische Wirkung zu sehen.

     

    Während der Prüfung erlebten die Probanden zum Teil von ihren sonstigen Gewohnheiten abweichende Essensvorlieben. Es läßt sich aber daraus kein gemeinsamer Zug feststellen. Interessant ist die Abneigung bzw. Unverträglichkeit von Nikotin und Alkohol bei 2 Prüfern. Dieses Symptom könnte eine Bestätigung der Indikation „Nikotinabusus", Hilfe beim Raucherentwöhnen, sein. Das Prüfungssymptom „schmerzhafter Stuhldrang, als ob sich der untere Teil des Darmes zusammenziehen würde" ist eine ausgezeichnete Beschreibung der Konstriktion, des Krampfes im Bereich der Darmmuskulatur und muß als wertvolles „as if" - Symptom gesehen werden.

     

    Auch an den Geschlechtsorganen werden in der Prüfung Krampf- und Kolikzustände geschildert. Auch das Symptom „Ejakulation auf Raten" läßt sich auf solche Verkrampfungen zurückführen. Im Bereich der Skelettmuskulatur wird mehrmals der Vergleich „wie ein Muskelkater" gebraucht. Alle Muskeln können davon betroffen sein, besonders schmerzhaft scheint die Verspannung im Bereich der Halsmuskulatur zu sein. Bei einer Probandin ist ein Nackenschmerz, der seit Jahren bestand, während der Prüfung verschwunden (therapeutischer Effekt). Sogar die Zungenmuskulatur war betroffen (Wundheitsgefühl „wie ein Muskelkater" in der Zunge), das erinnert an das erschwerte stoßweise Sprechen bei der von BLAIR geschilderten Vergiftung.

     

    Eine eindeutige Seitenbeziehung ließ sich nicht entnehmen, doch war die rechte Seite bevorzugt befallen.

     

    Modalitäten:

    Besserung abends und nachts.
    Besserung der Schmerzen durch Druck.

    Es soll nun versucht werden, aus den beschriebenen Prüfungssymptomen ein vorläufiges Arzneimittelbild von Latrodectus mactans zu entwerfen:

     

     

    VII. (Vorläufiges) Arzneimittelbild von Latrodectus mactans

     

    Allgemeinsymptome

    Geist und Gemüt: gereizt, unruhig, leicht verärgert

    müde, unkonzentriert verspricht sich,
    verwechselt Dinge
    Gefühl, nicht mehr er selbst zu sein
    Gefühl, als ob jemand hinter ihm ginge oder ihn berühren würde

    Schlaf und Träume: unruhiger Schlaf, Träume von Verfolgung

    Temperatur: Gefühl innere Hitze, als ob sich Wärme im Kopf stauen würde

    Wärmegefühl vom Gesicht aus in den Körper
    Finger sind warm und geschwollen

    Appetit: viel Hunger, Hunger trotz Übelkeit

    Verlangen nach für ihn ungewöhnlichen Dingen
    Unverträglichkeit von Alkohol und Nikotin und Abneigung dagegen

    Stuhl: kleinknollig, trocken und schwer zu entleeren

    Harn: ??

    Sexualität: Ejakulation unterbrochen, „auf Raten"

    Menstruation: starke Blutung, ziehende krampfartige Schmerzen bei der Regel

    am Tag vor der Regel und am ersten Regeltag sehr traurig, möchte immerzu weinen

     

    Lokalsymptome

    Kopf: drückende stechende, umklammernde Kopfschmerzen in der Stirn, den

    Schläfen und besonders im Nacken Übelkeit, Abdominalkoliken, Drehschwindel bei den Kopfschmerzen

    Parästhesien (Wärmegefühl, Taubheit) bei den Kopfschmerzen
    Besserung abends und nachts
    Besserung durch kühle frische Luft

    Augen: Augenbrennen, Sandgefühl, Fremdkörpergefühl müde, schwere Augenlider

    Mund: Mundtrockenheit

    metallischer oder pfefferiger Mundgeschmack
    Wundheitsgefühl in der Zunge „wie ein Muskelkater"

    Hals: schmerzloses Kratzen im Hals, das zum Husten reizt

    Herz: Gefühl von Beengung, Beklemmung mit Angst

    unregelmäßiger Puls, „Herzstolpern"
    Gefühl, als ob das Herz beim Hals heraushüpft

    Magen: Übelkeit, Völlegefühl, Blähungen

    Darm: kolikartige Schmerzen, 1/4 bis 1/2Stündlich, für jeweils wenige Minuten

    schmerzhafter Stuhldrang, als ob sich der untere Teil des Darmes zusammenziehen würde
    mühsame Entleerung von trockenem kleinknolligem Stuhl mehrmaliger Stuhldrang

    Geschlechtsorgane: siehe Allgemeinsymptome

    Gelenke und Muskulatur: schmerzhafte Steifigkeit der Muskeln

    wie ein Muskelkater
    besonders betroffen ist die Nacken- und Halsmuskulatur, aber auch
    Zunge, Rücken, Arme und Beine

    Haut: Trockenheit, Juckreiz

    rötliche schuppende Flecken
    Brennen der Fußsohlen

    Modalitäten: besser durch Druck
    besser abends und nachts.

     

    Weiterführende Literatur

    • Clarke, J. H.: Dictionary of Practical Materia Medica, B. Jain Publishers Pvt. Ltd. New Delhi, Reprint 1990
    • Dorcsi, M.: Arzneimittellehre. Haug Verlag, Heidelberg, 1983 Leeser, O.: Lehrbuch der Homöopathie Bd. V: Tierstoffe. 3. Auflage, Haug Verlag, Heidelberg, 1961
    • Mezger, J.: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre. Haug Verlag, Heidelberg, 1981
    • Voisin, H.: Materia medica des homöopathischen Praktikers. Haug Verlag, Heidelberg, 1969

    Anschrift der Verfasserin: Dr. med. Helga Lesigang, Grünbergstraße 9, A-1120 Wien.