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    Oenanthe crocata

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    REMEDY ABBREV.

    Oena.

    MASTER PROVER

    Dr. Leisigang, OEGHM, Austria

    YEAR

    1988

    PROVING METHOD

    Double blind, placebo controlled trial

    PLACEBO?

    yes

    BLINDING?

    remedy unknown to the 14 provers

    PHARMACY OF REMEDY IN PROVING

    Dr. Gerhard Peithner, Austria

    Description of the substance

    A homeopathic drug proving- now termed a homeopathic pathogenetic trial- of Oenanthe crocata, the hemlock water dropwort

    Eine homöopathische Arzneimittelprüfung von Oenanthe crocata, der Safranrebendolde

     

    Proving information available in English: PDF simimonomonimi page 132-134

    Published in the Austrian journal Documenta Homoeopathica No.11

     

     

    Arzneimittelprüfung von Oenanthe crocata*)

     

    *) Vorgetragen am Kongreß der LMHI in Köln, 1991

    Oenanthe crocata ist eine zweijährige Pflanze aus der Familie der Umbelliferen und kommt vor allem in SW-Europa, aber auch in Marokko und Indien auf feuchten Wiesen und an Flußufern vor. Sie wurde bisher in der Homöopathie nicht geprüft. Ihre Verwendung stützt sich auf Angaben von HAHNEMANN (Apotheker-Lexikon 1793) und auf Symptome, die bei Vergiftungen durch den Genuß der Wurzel beobachtet wurden. Die Wurzel enthält als Hauptwirkstoff Oenanthotoxin, ein Polyazetylen, das dem Cicutoxin aus Cicuta virosa isomer ist. Oenanthotoxin ist ein Krampfgift. Bei der Vergiftung mit dieser Wurzel (Verwechslung mit Karotten oder Sellerie, Petersilie) kommt es zu stundenlang anhaltenden Krämpfen, mit blutigem Schaum vor dem Mund und Mydriasis. Charakteristisch ist der plötzliche Beginn. Die Vergifteten stürzen unter Aufschreien zu Boden, erbrechen und werden bewußtlos. Die Gesichtsfarbe ist dabei grünlich. Bei weniger foudroyantem Verlauf kommt es zuerst zu Entzündungen, Brennen und Blasenbildung im Mund und in den oberen Atemwegen, dann zu Schwächegefühl, Schwindel, Unruhe, Muskelzittern und Kältegefühl. Diese Symptome treten auch in der AMP auf.

     

    Bisherige Indikation von Oenanthe crocata für die homöopathische Verwendung

    Epileptiforme Krämpfe mit plötzlichem Beginn ohne Aura. Der Anfall beginnt mit einem Schrei. Nach dem Anfall Schlafsucht, oft ist die Sprache gelähmt. Die Anfälle treten besonders während der Menses auf, in der Gravidität, nach einem Trauma oder bei Kindern (nach VOISIN).

     

    Arzneimittelbild von Oenanthe crocata

    Das bisherige Arzneimittelbild enthält hauptsächlich Beobachtungen von Vergiftungen und ganz vereinzelt Angaben über den Einsatz von Oenanthe crocata bei Kranken.
    Es folgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Angaben aus HERING: Guiding Symptoms of our Materia medica und ALLEN: Encyclopedia of pure Materia medica.

     

    Geist und Gemüt
    Plötzliche Bewußtlosigkeit, Störungen des Intellekts, wild und zornig wie betrunken, außerordentliche Ruhelosigkeit wie bei Manie, Halluzinationen, Schwindel mit Übelkeit, Gefühl zu fallen, Schwindel mit Brechreiz, fällt plötzlich nach hinten, der Schwindel wird besser an der frischen Luft, die Fenster und Türen müssen offen sein.

     

    Kopf
    Verschiedenste Formen von Kopfschmerz. Ein plötzliches Gefühl von brennender Hitze, die in den Kopf steigt.

     

    Augen
    Die Pupillen sind anfangs verengt, dann erweitert und zeigen keine Reaktion auf Licht. Entzündung der Augenlider. Die Augenlider werden krampfhaft geschlossen oder sind halb geschlossen, Sehstörungen.

     

    Nase
    Nasenbluten.

     

    Gesicht
    Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen im Gesicht, das Gesicht ist geschwollen und bläulich verfärbt mit blutigem Schaum vor Mund und Nase. Hellrosa Flecken können auf der Haut auftreten.

     

    Mund
    Die Zähne werden krampfhaft bewegt, die Zunge ist wund und geschwollen, an der Spitze und den Rändern offen, Blasen treten auf, auch das Zahnfleisch ist entzündet mit Blasen, Zittern der Zunge.

     

    Rachen
    Brennende Hitze im Rachen, Schluckschmerzen wie bei Angina, Berühren des Halses verschlechtert.

     

    Verdauungstrakt
    Appetit ist vermindert, Verlangen nach kalten Getränken. Brechreiz und Erbrechen, brennendes Gefühl im Magen in Verbindung mit Schwindel, starke Blähungen des Bauches, Bauch ist wie angeschwollen, Bauch wie ein Ballon, dabei Krämpfe und Koliken, plötzlicher Stuhldrang, auch unwillkürlicher Stuhlabgang.

     

    Urogenitaltrakt
    Harnverhaltung, aber auch sehr viel Harn.

     

    Herz-Kreislauf
    Herzschmerzen, sehr schwacher Puls, manchmal beschleunigt.

     

    Thorax
    Muskelkrämpfe und -schmerzen.

     

    Glieder
    Zucken der Handmuskeln, scharfe lanzinierende Schmerzen in beiden Armen, tetanische Krämpfe in den Unterarmen, ischialgiforme Schmerzen in beiden Beinen, Wadenkrämpfe, Taubheit und Schwäche der Glieder im allgemeinen.
    HERING gibt als Vergleichsmittel Cicuta an. Cicuta ist die einzige Umbellifere, von der in der Homöopathie auch die Wurzel verwendet wird. Bei den anderen Umbelliferen, wie zum Beispiel Conium, Aethusa, Petroselinum, wird die ganze Pflanze verwendet, bei Asa foetida das Harz.

     

    Arzneimittelprüfung

    Im Herbst 1987 beziehungsweise Herbst 1988 wurde in Österreich eine Arzneimittelprüfung mit Oenanthe crocata durchgeführt. Der Prüfungsablauf war folgender:
    Nach Erstellung der Anamnese und vier Tagen Vorbeobachtung (wobei auch schon protokolliert wurde), wurde mit der Einnahme des Prüfstoffes (Oenanthe crocata D 3) dreimal täglich begonnen. Die Einnahme sollte drei Wochen lang dauern, und sämtliche Symptome sollten genau protokolliert werden. Daran wurde eine Nachbeobachtungszeit von zwei Wochen, ebenfalls mit Protokoll, angeschlossen. Im Frühjahr sollten die Probanden vor Beginn der zweiten Prüfung (es war eine Zeit von zwei bis drei Monaten seit dem ersten Teil vergangen) zusammenfassend über diese erste Prüfphase und eventuelle Änderung ihres Befindens seither berichten. Dann erfolgte wieder die Einnahme (D 30), diesmal nur einmal täglich und 14 Tage Nachbeobachtung. Sowohl im ersten als auch im zweiten Teil erhielt ein Teil der Probanden Plazebokügelchen. Leider mußten aus diesem Grund sechs Protokolle aus der Bewertung ausgeschlossen werden, weil durch einen Fehler bei der Zuteilung die betreffenden Probanden beide Male Plazebo prüften. Die Prüfung wurde doppelblind durchgeführt, das heißt, Leiter und Auswerter kannten weder die Substanz noch den Verteilungsschlüssel. Ein Kontakt mit den Probanden während der Prüfung fand in regelmäßigen Abständen statt. Der Prüfstoff wurde von der Firma Dr. Gerhard PEITHNER zur Verfügung gestellt. Frau FLETZER von der Firma Peithner kümmerte sich in dankenswerter Weise wieder um die Zubereitung und Aussendung. Prüf Stoff und Unterlagen wurden an 38 Teilnehmer verteilt, 21 ausgefüllte Protokolle kamen retour. Von diesen 21 Protokollierungen mußten leider sechs wegen nur Plazeboprüfung ausgeschieden werden. Eines war wegen mangelhafter Protokollierung nicht verwertbar. 14 Protokolle konnten ausgewertet werden, davon waren zehn Frauen und vier Männer. Neun Probanden prüften nur Oenanthe crocata D 3, das heißt, nahmen in Phase zwei Placebo ein, drei Probanden prüften nur Oenanthe crocata D 30, das heißt, nahmen in Phase eins Plazebo ein, zwei Probanden prüften Oenanthe crocata D 3 und D 30, das heißt, sie hatten in beiden Phasen Verum. Alle Probanden sind Ärzte oder Medizinstudenten im Alter zwischen 25 und 47 Jahren. Zwei Probanden brachen die Prüfung wegen massiver Symptome vorzeitig ab. Ein Proband unterbrach wegen eines akuten Infektes (Otitis, die anti-biotisch behandelt wurde) und setzte danach die Prüfung wieder fort. Im folgenden soll versucht werden, aus den Symptomen, die während der AMP aufgetreten sind und die wahrscheinlich auf die Einnahme von Oenanthe crocata zurückzuführen sind, ein Arzneimittelbild zu entwerfen.

     

    Protokoll
    Nummer

    Geschlecht

    Alter
    (Jahre)

    Verum-
    Dosierung

    Zeitraum der
    Einnahme

    6

    weibl.

    33

    D3

    5. 12.-24. 12 1987

    7

    männl.

    40

    D3

    10. 12. 1987- 1. 1. 1988

           

    und

         

    D30

    15. 3.-19. 4. 1988

    9

    männl.

    32

    D3

    1. 12.-21. 12. 1987

    12

    weibl.

    25

    D3

    15. 12. 1987- 4. 1. 1988

    17

    weibl.

    25

    D3

    6. 12.-12. 12. 1987

           

    und

         

    D30

    28. 3.- 3. 4. 1988

    18

    weibl.

    25

    D30

    6. 3.-19. 3. 1988

    22

    weibl.

    31

    D3

    12. 12.-21. 12. 1987

    24

    weibl.

    29

    D3

    28. 11.-18. 12. 1987

    26

    weibl.

    27

    D3

    8. 12.-24. 12. 1987

    27

    männl.

    26

    D3

    2. 12.-16. 12. 1987

           

    nach einer Woche Pause

         

    D3

    23. 12.-29. 12. 1987

    31

    weibl.

    30

    D3

    27. 11.-17. 12. 1987

    33

    weibl.

    38

    D30

    7. 4.-10. 4. 1988

    34

    männl.

    42

    D3

    27. 11.-20. 12. 1987

    38

    weibl.

    47

    D30

    28. 3.-15. 4. 1988

           

    23. 5.-12. 6. 1988

     

     

    Arzneimittelbild von Oenanthe crocata nach den Prüfungssymptomen

     

    Geist und Gemüt
    Gleichgültig, distanziert, teilnahmslos.
    Nervös, unruhig, getrieben, unzufrieden, mit Besserung beim Alleinsein. Das Zittern und die Nervosität fallen auch anderen auf. Es fallen viele Dinge ein, die sie alle auf einmal tun möchte. Viele Ideen, möchte vieles ändern, die Möbel umstellen, möchte lesen, kann sich aber nicht konzentrieren, will vieles tun, schafft aber nichts. Fühlt sich wie gehetzt, geht trotz Müdigkeit nicht schlafen. Angst, daß etwas passieren wird.
    Gefühl, als ob die Hände oder die Stimme nicht zu ihr gehören würden. Angst, wahnsinnig zu werden, sieht, beziehungsweise fühlt Gestalten, fühlt sich wie in einem Rausch, Kaufrausch, kauft Unmengen von Schmuck.
    Erlebt sich als unberechenbar, sehr streitsüchtig, gereizt, Wutanfälle, kann sich kaum beherrschen hinzuschlagen, hört deshalb mit der Prüfung am 4. Tag auf.
    Traurig und weinerlich, könnte dauernd weinen, ist rührselig und voll Selbstmitleid (andererseits: fühlt sich wohl und ausgeglichen, obwohl sie sonst eher depressiv ist. Diese Probandin nahm das Mittel deshalb zwei Wochen später aus therapeutischen Zwecken wieder ein).
    Schwindel und Unsicherheitsgefühl, ein Gefühl, wie auf Wolken zu gehen mit Besserung an der frischen Luft, als ob Watte in den Beinen wäre, als ob man umfallen würde. Schwindel und Übelkeit beim Gehen mit dem Gefühl der Instabilität der Füße, als ob man vom Körper abgelöst wäre.
    Ungeschicklichkeit, Sachen fallen aus der Hand, Proband verletzt sich dauernd.
    Konzentrationsstörung, kann nicht zuhören, Besserung an der frischen Luft.

     

    Schlaf und Müdigkeit
    Am Morgen sehr unlustig, schwerfällig, bleierne Müdigkeit am Vormittag mit Besserung an der frischen Luft. Bleierne Müdigkeit auch nach dem Mittagessen. Auch am Nachmittag jeden Tag müde. Abends müde, schläft im Konzert zum Beispiel ein, kann aber dann nicht einschlafen, besonders unternehmungslustig nachts.
    Mag gar nicht schlafen gehen, es ist ihr schade um die Zeit, möchte lesen und arbeiten, geht erst ab ein oder zwei Uhr nachts schlafen. 4 Probanden erlebten sich als sehr leistungsfähig und auffallend frisch trotz sehr wenig Schlafs, obwohl sie sonst am Morgen bleierne Müdigkeit hatten. (Diese auffallende Frische war auch von einer Probandin prämenstruell festzustellen, die sonst in dieser Zeit sehr müde und depressiv ist.)

     

    Kopf
    Gefühl wie geschwollen, wie aufgeblasen. Bei Bewegung Gefühl, als ob sich Flüssigkeit im Kopf mitbewegen würde. Hämmernde Schmerzen über den Augen, die bei Bewegung schlechter werden und durch Druck besser, vor allem nachts. Bohrende beziehungsweise ziehende Schmerzen an der rechten und linken Schläfe nachts und am Morgen.

     

    Augen
    Augenbrennen, Druckgefühl an den Lidern oder als ob jemand von hinten an den Augapfel drückt.
    Sehstörung, sieht unscharf und verschwommen, Punkte vor den Augen, auffallende Lichtempfindlichkeit.

     

    Mund
    Fieberblasen, Bläschen an der Zungenspitze, die bei Berührung schmerzen, Gefühl, als ob die Oberlippe geschwollen wäre, Mundtrockenheit trotz vielen Trinkens.

     

    Nase
    Kribbeln an der Nasenspitze, Brennen am linken Nasenflügel, häufiger Niesreiz ohne Schnupfen.

     

    Brustkorb
    Druck auf der Brust beim Atmen, krampfartiges Zusammenziehen hinter dem Brustbein (wiederholt bei einem Prüfer), dieser Krampf dauert zirka eine Viertelstunde.

     

    Magen
    Hunger ohne Appetit oder Appetit ohne Hunger, Magenkrämpfe nach reichlichem oder fettem Essen, Verlangen nach Essig oder pikant, Abneigung gegen Süßes und Obst, vermehrter Durst, Übelkeit mit Schweißausbrüchen, Brechreiz und häufigem Stuhldrang, Übelkeit und Völlegefühl auch ohne Essen.

     

    Abdomen
    Schmerzen und Blähungen bei längerem Sitzen, Bewegung bessert. Heftiger Stuhldrang abends mit gleichzeitigem Harndrang, kann den Stuhl kaum halten. Afterjucken.

     

    Blase
    Muß häufiger und mehr urinieren als sonst, ohne Schmerz, Blasenschmerzen nach kalten Füßen, die aber durch Wärmeanwendung schlechter werden.

     

    Geschlechtsorgane
    Männer: Steigerung der Genußfähigkeit beim Geschlechtsverkehr.
    Frauen: Verlangen ist stärker, fühlt sich aber nach dem Verkehr erschöpft.

     

    Menstruation
    Die Blutung dauert länger als sonst (bis zu zwei Wochen), dieser Effekt wurde von einer Probandin durch einen neuerlichen Versuch mit Oenanthe crocata D 30 bestätigt (Protokoll 38). Die Menstruationsblutung setzt verspätet ein.

     

    Glieder
    Stechende und ziehende Schmerzen mit Schwächegefühl in allen Gelenken. Ziehende Schmerzen in den Gliedern mit gleichzeitiger Schwere und Schwächegefühl. Diese Schmerzen beginnen nachmittags und werden abends und nachts schlechter.
    Taubheitsgefühl mit Kribbeln in Armen und Händen, bamstiges Gefühl zuerst nur an der rechten Handfläche, dann bis in den rechten Unterarm mit Schweregefühl. Gefühl, als ob die Finger der rechten Hand dicker wären als die der linken. Prellungsgefühl im rechten Handgelenk, dann elektrisches Gefühl entlang des rechten Unterarms bis in den vierten und fünften Finger.
    Zittern der Finger und Hände in Ruhe und bei der Arbeit.

     

    Haut
    Schuppenbildung am Kopf (eine Probandin hatte während der AMP weniger Schuppen als sonst, die Haare fetteten weniger stark).

     

    Wärmeregulation
    Trockene Hitze am ganzen Körper, aber auch verstärkt Frösteln. Schwanken zwischen heiß und kalt.

     

    Besprechung der Prüfung

    Obwohl die bisher vorgelegten Symptome von Oenanthe crocata nur auf Beobachtungen bei Vergiftungen basieren, war es doch erstaunlich, wie viele dieser Symptome durch die AMP bestätigt wurden. Zwischen der Einnahme von D 3 und D 30 ergab sich bezüglich der Körpersymptome kein Unterschied. Das Zittern und die enorme Unruhe und Getriebenheit traten vorwiegend bei D 3 auf, die Reizbarkeit und die Zornausbrüche sowohl bei D 3 als auch bei D 30.
    Interessant ist auch ein Vergleich mit anderen Umbelliferen, die schon länger bekannt und geprüft sind, obwohl, wie schon gesagt, nur bei Cicuta die Wurzel verwendet wird. Als Beispiel sollen einige Angaben aus dem Arzneimittelbild von Conium erwähnt werden:

     

    Conium maculatum, der Schierling

    Geist und Gemütssymptome
    Ängstlichkeit, mißmutig, reizbar, zornig, ärgerlich, gleichgültig, menschenscheu mit Furcht vor dem Alleinsein, Hypochondrie, Unbesinnlichkeit, vor allem nach dem Erwachen, nervöse Schwäche mit Zittrigkeit und Ohnmacht, Drehschwindel, der durch Essen gebessert wird, unruhiger Schlaf.

     

    Kopf
    Kopf wie zu voll, als wolle das Gehirn bersten.

     

    Augen
    Auffallend starke Lichtscheu, erschwerte Adaptation, Druck auf die Augenlider, kann sie kaum heben.

     

    Herz, Kreislauf
    Ohnmachtsartige Schwäche, heftiges Herzklopfen.

     

    Verdauungssystem
    Verlangen nach sauer und salzig, Magenkrämpfe, Sodbrennen und Magenschmerzen, die durch Essen gebessert werden (klinisch: Bei der Prüfung traten diese Beschwerden nach dem Essen auf), Blähsucht und Koliken, Durchfall oder Verstopfung mit viel Drang und Schwächegefühl nach dem Stuhlgang.

     

    Urogenitaltrakt
    Dysurie, Pollakisurie, gesteigerte Libido bei geschwächter Potenz, Regel zu früh oder unterdrückt, Verschlimmerung des Allgemeinzustandes bei Geschlechtsverkehr.

     

    Glieder
    Zittern der Glieder, Muskelzuckungen und Krämpfe bis Lähmung, sehr rasche Erschöpfung durch geringe Anstrengungen. Unsicherheit beim Gehen, Zittern und Schwäche der Beine, Taubheitsgefühl und Pelzigkeit in Fingern und Zehen, reißende und ziehende Schmerzen in den Gliedern, die sich bei Bewegung bessern.

     

    Wärmeregulation
    Neigung zu Schweißen.

    Wenn man nun das Charakteristische von Oenanthe crocata in Vergleich zu Conium oder Cicuta herausarbeiten möchte, so fällt vor allem die enorme Unruhe und Getriebenheit auf. Es kann zu keiner wirklich schöpferischen, zielgerichteten Anstrengung und Arbeit kommen, der Geist und der Körper werden ständig von neuen Reizen überflutet und überschwemmt. Die Antwort auf diese Reizüberflutung scheint im körperlichen Bereich ein ständiges Zucken und Zittern und Fibrillieren einzelner Muskelpartien zu sein, mit dem Gefühl der Bamstigkeit, der Gefühllosigkeit in den Erschöpfungsphasen und im Seelisch-Geistigen, sich in einer starken Reizbarkeit, Unbeherrschtheit und Ängstlichkeit zu äußern. Euphorische Zustände (Ideenzustrom, Kaufrausch, Aktivitätssteigerung) wechseln mit Phasen von Zurückgezogenheit, Menschenscheu, depressiver Verstimmung, Weinerlichkeit und Selbstmitleid. Die Umwelt wird sehr distanziert erlebt. Diese Distanz kann sich sogar auf den eigenen Körper erstrecken (Symptom: Gefühl, als ob die Hände oder die Stimme nicht zu ihr gehören würden). Auf Anforderungen reagiert der Patient wütend und unbeherrscht. Wenn ihm seine Unbeherrschtheit zu Bewußtsein kommt, ist er sehr unglücklich darüber, er glaubt wahnsinnig zu werden, aber er kann sich nicht beherrschen. Die andauernde Überreizung führt dann schließlich zu Zuständen tiefster Erschöpfung und Müdigkeit. Auf die Körpersymptome muß nicht mehr extra eingegangen werden. Sie sind in der Prüfung erstaunlich klar von den Probanden empfunden worden und bestätigen die Vergiftungssymptome.


    Aufgrund dieses Arzneimittelbildes, das unsere Prüfung ergibt, sollte der Einsatz von Oenanthe crocata sicher nicht nur auf Epilepsie beschränkt bleiben. Wenn wir bei Patienten subjektive oder objektive Störungen der Feinmotorik, Unbesinnlichkeit, Ungeschicklichkeit, Konzentrationsstörungen in Verbindung mit der beschriebenen Unruhe und Reizbarkeit und Getriebenheit finden, könnte Oenanthe crocata in die Differentialmittelwahl kommen. Conium, gegen das man Oenanthe crocata abgrenzen muß, zeigt mehr Symptome der Starre, der Lähmung. Bei Cicuta steht mehr das Rauschartige im Vordergrund, bei Oenanthe die Angst, die Unruhe und die Reizbarkeit.

    Anschrift der Verfasserin: Dr. Helga Lesigang, Ludwig Boltzmann-Institut für Homöopathie, Mariahilferstraße 110, 1070 Wien