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    Taraxacum officinalis

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    REMEDY ABBREV.

    Tarax.

    MASTER PROVER

    Dr. J. Gnaiger, OEGHM, Austria

    YEAR

    1994

    PROVING METHOD

    Single blind trial

    PLACEBO?

    no placebo given

    BLINDING?

    remedy unknown to the 12 provers

    PHARMACY OF REMEDY IN PROVING

    Mag. Heidemarie Brunner, Austria

    Description of the substance

    A homeopathic drug proving- now termed a homeopathic pathogenetic trial- of Taraxacum officinale, the Dandelion

    Eine homöopathische Arzneimittelprüfung von Taraxacum officinale, dem Löwenzahn

     

    Proving document currently only available in German

     

    Published in the Austrian journal Documenta Homoeopathica No.15

     

     

    Taraxacum

    Eine Arzneimittelprüfung

    Von R. Körner, R. Körner und H.M. Rauch

     

    Auf der Frühahrstagung am Millstättersee 1994, welche dem Thema „Die Sprache des Leibes – Leib- und Organsymptome“ gewidmet war, fand eine Arzneimittelprüfung mit Taraxacum statt, einer Arznei aus der Familie der Compositae, die bisher nur als organotrop, nämlich als Lebermittel, bekannt war. Die Fragestellung war, welche Seelensymptomatik sich hinter dieser Arznei verbirgt, um dem Geheimnis der Körpersprache näherzukommen.

    Die Arzneimittelprüfung wurde von Frau Dr. utta GNAIGER organisiert und geleitet.

     

    Die Arznei wurde von der Stadtapotheke Retz zur Verfügung gestellt; die Herstellung übernahm Frau Mag. Heidemarie BRUNNER. Allen sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Auf detaillierte Ausführungen dazu verweisen wir auf den nachfolgenden Artikel von Frau Mag. BRUNNER.

     

    Die Arzneimittelprüfung wurde nach der Methode von ürgen BECKER aus Freiburg durchgeführt. Die Arznei war den Prüfern nicht bekannt, es gab keine Placebogaben. Die Prüfpersonen waren angewiesen worden, eine Woche lang täglich fünf Globuli Taraxacum C30 einzunehmen, bis deutliche Symptome auftraten. Nach dieser Woche wurden die Eindrücke, Beobachtungen und Erfahrungen aller Prüfungsteilnehmer in der Gruppe besprochen und auf Tonband aufgezeichnet.

     

    An der Arzneimittelprüfung beteiligten sich 18 Personen, davon zehn Frauen und acht Männer. Eine Prüferin (7) nahm zwei Wochen vor Beginn der Arzneimittelprüfung Silicea D1000 ein, was in weiterer Folge zu beachten ist. Neben der gemeinsamen Besprechung und der Tonbandaufzeichnung standen zur Auswertung von den 18 Probanden zwölf Protokolle, davon acht mit Anamnese, zur Verfügung.

     

    Es handelt sich hierbei nicht um eine Arzneimittelprüfung im klassischen Sinne, und es soll auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Trotzdem wurde der Versuch unternommen, das bisher bekannte Taraxacum-Bild durch die neuen Erfahrungen, vor allem im seelischen Bereich, zu erweitern.

     

    Die Zahlen in den Klammern weisen auf die Prüfpersonen bzw. auf das Plenum (19) hin.

    Weibliche Prüfer (1, 2, 4, 6, 7, 8, 11, 15, 16, 17)
    Männliche Prüfer (3, 5, 9, 10, 12, 13, 14, 18)

    :-) - Symptome sind Heilungssymptome,

    x - Symptome führten zum Abbruch der Prüfung.

     

    Körpersymptome

    Kopf

    1) Kopfschmerz, drückend – spannend, beidseits vom Nacken über den Hinterkopf bis zum Scheitel, allmählich beginnend, morgens beim Erwachen. (7)
    2) Kopfschmerz, vor allem morgens beim Erwachen, diffus und dumpf-drückend. (5)
    3) Kopfschmerz diffus, vormittags und abends. (6)
    4) Kopfschmerz vom rechten Hinterkopf bis zum rechten Auge, dumpf-drückend, schlechter durch Schütteln, Zugluft, Kälte, besser in Ruhe und beim Augenschließen. (5)
    5) Dumpfer Kopfschmerz über dem rechten Auge. (18)
    6) Kurzdauerndes Stechen in der rechten Schläfe gleich nach dem Mittagessen, erstreckt sich zum rechten Oberkiefer. (18)
    7) Kopfschmerz, stechend im Hinterkopf ohne Ausstrahlung, kurzfristig. (6)
    8) Kopfschmerzen mit Übelkeit und Appetitlosigkeit. (7)
    9) Kopfschmerz mit Schwindel, „als ob man abheben würde und sich erden muß“. (7) (kein Silicea-Symptom)
    10) Kopfschmerz mit Unfähigkeit klar zu denken und einem Gespräch zu folgen. (7)
    11) Kopfschmerz mit allgemeinem Abgeschlagenheitsgefühl. (5)
    12) Kopfschmerz mit gedrückter, reizbarer Stimmung. (5)
    13) Kurzdauernde, diffuse Schwindelattacken mit Gefühl, zu Boden gezogen zu werden, als ob die Lebenskraft nach unten hinausfahren würde. Dabei innere Gelassenheit. (5)
    14) Schwindel mit Schwäche. (5)
    15) Schwindel mit Unsicherheit beim Abwärtsgehen. (2)
    16) Schwindel, als ob sie abheben würde, wie schwebend, sie hatte das Gefühl sich wieder erden zu müssen, Bewegung besserte. (7) (kein Silicea-Symptom)
    17) Tränendes linkes Auge am Morgen. (2)
    18) Trockene, brennende Augen nach dem Spazierengehen, wie beginnender Heuschnupfen, wieder gut nach Erwachen am Morgen. (2)
    19) Heftiger Heuschnupfen mit Augenbrennen und reichlicher, durchsichtiger, milder Nasensekretion, Jucken am Gaumensegel, Druckgefühl in beiden Kieferhöhlen und Ohren, Verschlimmerung beim Niederlegen, Besserung durch Kälte in jeder Form, im Freien (beim Prüfer besteht eine Allergie auf Jasmin, Heuschnupfen deutlich stärker als sonst). (14)
    20) Beistrichförmiges, zentrales Flimmerskotom nur am rechten Auge, besser durch Abwärtsgehen im kühlen Wald, schlechter durch Bücken. (5)
    21) Deutlich verstopfte Nase beidseits ohne Sekretion, tagelang anhaltend. (10)
    22) Fließschnupfen, einen Tag lang, mit schleimig-klarer Sekretion, dabei Gefühl krank zu werden. (4)
    23) Druckempfindlichkeit des rechten inneren Nasenflügels, wie bei beginnender Entzündung. (2)
    24) Morgens kurzdauernde Nasensekretion. (12)
    25) Lippen plötzlich wie angeschwollen und betäubt, von kurzer Dauer. (12)
    26) Zucken in der Mitte der Oberlippe mit dem Verlangen, die unruhige Lippe festzuhalten, Berühren bessert. (8)
    27) Schmerz, tief im linken Kiefer und Hals, dumpfes Druckgefühl wie von einer Faust, allmählich auftretend und vergehend (ähnliche unklare neuralgiforme Beschwerden bestanden vor einem Jahr). (4)
    28) Schmerz im linken Nasenloch, tief drinnen; Gefühl, als würde jemand von innen dumpf drücken, deswegen ärgerlich. (4)
    29) Sie macht ein mißmutiges Gesicht, ihr erscheint es schmerzhaft verzogen. (4)
    30) Gefühl, als ob die Mundwinkel nach unten gezogen würden, mit leichtem Krampfgefühl im Schlund. (5)
    31) Im rechten Oberkiefer in einem seit zwölf Jahren beschwerdefreien toten Zahn plötzlich beginnendes, ganz langsames, nach unten gerichtetes Pochen und Pulsieren mit diffuser Ausstrahlung in den Kiefer, tief drinnen wie ein dumpfes Gefühl. (12)
    32) Gefühl, als ob sich ein schmerzendes Zahngranulom entwickelt; dumpfer, wandernder Zahnschmerz im Ober- und Unterkiefer. (2)
    33) Gefühl, Zahnfleisch netzförmig angeschwollen, rauh, Brennen am weichen Gaumen, an der Zunge vor allem am Rand und an den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen. Landkartenzunge, besonders an der Zungenspitze und den Rändern, mit fleckig-girlandenförmiger Zeichnung mehr links als rechts, dabei Sprechen erschwert wegen der starken Schmerzen und der Ungeschicklichkeit der Zunge. Entzündung der gesamten Mundschleimhaut mit geröteten Plaques am Gaumen und geschwollener Gingiva, Uvula, alles hochempfindlich; Verschlimmerung morgens beim Erwachen, beim Essen, durch Alkohol (Mercurius kein Antidot) x Vermehrter Speichelfluß mit saurem bis metallischem Geschmack. Zahnfleischbluten beim Zähneputzen (sehr schmerzhaft). Bei allen diesen heftigen Beschwerden ist er guter Dinge (siehe Geist-Gemütssymptome). (9)
    34) Vermehrte Speichelbildung mit metallischem Geschmack. (5)
    35) Zahnfleischbluten stärker als sonst. (5)
    36) Jahrelanges Zahnfleischbluten hat aufgehört. (4) :-)
    37) Im rechten Oberkiefer Wundheitsgefühl am Zahnfleischrand. (6)
    38) Aphthe am Zungenrand und am Zahnfleischrand im linken Unterkiefer ganz hinten. (9/3)
    39) Mundgeruch mit pappigem Geschmack den ganzen Tag. (9)

     

    Hals

    40) Ein seit drei Wochen bestehendes Trockenheitsgefühl an der Rachenhinterwand wird gut. (4) :-)
    41) Trockenes, hitziges Brennen im Rachen, abends. (5)
    42) Trockenheitsgefühl, Kratzen, Stechen weit hinten im Rachen, Schlucken bessert nicht. (14)
    43) Brennende Halsschmerzen morgens und abends, ausstrahlend in beide Ohren, dabei Husten durch Reiz im Kehlkopfbereich, auch beim Niederlegen, belegte Stimme nur beim Singen, nicht beim Sprechen (bei schon vorher erkälteter Prüferin hielten die Symptome länger als gewöhnlich an). (15)
    44) Starke Halsschmerzen im Rachen wie bei einer Seitenstrangangina, mehr links als rechts. (9)
    45) Retronasales Schleim-Kloßgefühl, zäher Schleim im Rachen mit Hustenreiz.(9)
    46) Leichte Übelkeit im Hals und im Unterkiefer. (5)

     

    Larynx, Thorax

    47) Kitzeln im Kehlkopf mit trockenem Reizhusten, besser durch Kalttrinken. (6/7)
    48) Kitzeln im Kehlkopf mit spärlichem Schleim, schwer abzuhusten. (7)
    49) Er hustet, ohne daß er es merkt, nachts beim Niederlegen und im Schlaf. (14)
    50) Intermittierendes feines Stechen in der Herzgegend beim Einschlafen in linker Seitenlage. (14)
    51) Dysästhesien im Bereich der rechten vorderen Axillarlinie. (4)
    52) Abends beim Einschlafen plötzliches Hochschrecken mit Gefühl, das Herz sei stehengeblieben, dabei große Schwäche und Angst. (5) x
    53) Dumpfes Druckgefühl wie von einer Faust, von der Leber in Richtung Zwerchfell und Rippen drückend. (4)
    54) Unangenehmes Druckgefühl über dem Herzen. (4)

     

    Gastrointestinaltrakt

    55) Dumpfer Druck im rechten Oberbauch. (4)
    56) Vermehrtes Aufstoßen, Brennen im Magen und in der Speiseröhre mit Unverträglichkeit von Saurem und Bitterem (Essig, Bier). (9)
    57) Die Nüchternschmerzen im Oberbauch, vor allem gegen 3 Uhr nachts, bleiben fast die ganze Zeit aus (Prüfer hat bei der Einnahme ein florides Ulcus duodeni). (18) :-)
    58) Um 9 Uhr plötzlich beginnende, deutlich wellenartige Krämpfe im gesamten Bauchbereich verbunden mit Übelkeit ohne Brechreiz, Appetitverlust, Aufstoßen ohne Besserung und ausgeprägter Müdigkeit mit Schwindel, als ob die Beine weggezogen würden, sowie das Gefühl, sich nicht aufrecht halten zu können, besser abends und nach Schlaf. (10)
    59) Bauchschmerzen mit leichten Krämpfen und Stuhldrang nach Biergenuß. (6)
    60) Krampfartige Beschwerden im Unterbauch, verstärkt vor Stuhlentleerung, besser nach Stuhlentleerung, Stuhl weich und hell. (6)
    61) Krampfartiger Analschmerz nach Stuhlgang. (11)
    62) Stechende Schmerzen im Rektum vor Stuhlgang, bei weichem Stuhl. (16/3)
    63) Heftiger Stuhldrang mit weichem Stuhl. (6)
    64) Nachmittags plötzlicher, heftiger, imperativer Stuhldrang; dabei grüner Stuhl mit fadem, stechendem, krankem Geruch, auch am nächsten Morgen. (9)
    65) Hämorrhoiden (jahrelang beschwerdefrei) bereiten stark drückende Schmerzen und Jucken, morgens beim Erwachen. (16)
    66) Entsetzliche Blähungen mit bleierner Müdigkeit, Windabgang bessert, einmal mit Stuhlabgang, sehr unangenehm. (13)
    67) Starke Blähungen mit geruchlosem Abgang. (3)
    68) Blähungen gebessert. (14) :-)
    69) Chronische Blähungen wurden gut. (5) :-)
    70) Wohliges Wärmegefühl im Oberbauch. (18/10)
    71) Ausgeprägtes Wärmegefühl im Oberbauch und den Extremitäten, abends im Bett, von oben nach unten sich ausbreitend. (10)
    72) Obstipation mit Schmerzen im Unterbauch beidseits, sie kann keinen Druck ausüben. (2) x

     

    Menses

    73) Menses verfrüht. (15)
    74) Krampfschmerz länger anhaltend als sonst üblich. (11)
    75) Seit Beginn der Arzneimitteleinnahme ab dem 18. Zyklustag dumpfer Druck im Unterbauch mit tagelanger, mäßig starker, hellroter Blutung. Diese Symptome sistierten nach Ende der Arzneieinnahme und die Menses kam anschließend zum planmäßigen Zeitpunkt.(4)

     

    Rücken, Extremitäten

    76) Schulterschmerzen wie gelähmt, steif, deutliche Verschlimmerung bei jeder Bewegung, beim Bücken; Aufrichten bessert, obwohl es ihn vor Schmerzen krümmt. Schmerz, wie geprügelt, in der gesamten Rückenmuskulatur, muß sich nachts beim Umdrehen im Bett aufsetzen, schreit vor Schmerzen morgens beim Aufstehen.
    Schmerzen im gesamten Beckenbereich, in den Sakroiliakalgelenken rechtsbetont; dabei Schwäche mit Gefühl dort und in der Lendenwirbelsäule abzubrechen, Verschlimmerung im Liegen, nachts (leichte Besserung gegen Morgen), könnte schreien bei jeder Bewegung.
    Schmerzen im Bereich alter Frakturen, rechtes Schlüsselbein als wäre es zusammengedrückt, kann nicht darauf liegen, stechend in der linken Tibiavorderkante. (danach völlig beschwerdefrei, Prüfer fühlt sich von seinem Bechterew geheilt) (13) :-)
    77) Ameisenlaufen an Schultern, Rücken, Beinen; schlimmer abends und nachts. (2)
    78) Ziehendes, kribbelndes Gefühl, wie Ameisenlaufen, an beiden Schultern ventral sowie an Oberarmen und Unterarmaußenseite. (10)
    79) Kribbeln, zunächst an den ersten drei Fingern der rechten Hand, dann wandernd zur linken Hand. (16)
    80) Kribbeln und eingeschlafenes Gefühl an der linken Hand und im linken Unterarm. (16)
    81) Ödematöse, schmerzlose Schwellung aller Finger, länger anhaltend. (11)
    82) Ziehende, zerrende Schmerzen am rechten Ellbogen innen, zur Schulter wandernd, kurz dauernd. Besser durch Bewegung und gebeugten Rumpf. (Zustand nach Lymphangitis durch Venflon vor zwei Monaten). (5)
    83) Unwillkürlicher, schnellschlägiger Tremor, alternierend in beiden Unterarmen beim Halten eines Gegenstandes. (13)
    84) Sehr schmerzhafte, dumpf-drückende Schwellung und Verhärtung der Streckmuskulatur des rechten Unterarmes; schlimmer durch Bewegung, besser durch Ruhe und Massieren. (10)
    85) Stechende Schmerzen im Kniegelenk beim Stiegensteigen; Stehenbleiben und Entlasten bessert. (8)
    86) Knieschmerzen bei Drehbewegungen, seit Monaten bestehend, sind geheilt. (11) :-)
    87) Kurzdauerndes totes Gefühl in der linken Kniebeuge beim Gehen. (18)
    88) Parästhesien und Taubheitsgefühl an der rechten Großzehenkuppe, erstreckt sich zur vorderen Fußsohle, er denkt dabei an einen Bandscheibenvorfall. (5)
    89) Lange bestehende Schmerzen an beiden Knieinnenseiten sind bei Bewegung nicht mehr spürbar. (7) :-)
    90) Zerschlagenheitsgefühl morgens in allen Gliedern. (5)
    91) Schwere Glieder morgens. (4)

     

    Haut

    92) An der Stirn viele, kleine Eiterpusteln, akneartig. (5)
    93) Am gesamten behaarten Kopf etwas schmerzhafte, nicht juckende Pusteln; sie kann sich deshalb nicht frisieren. (17)
    94) Furunkel in der Mitte der linken Ohrmuschel. (18)
    95) Stechen und Brennen der Haut des rechten hinteren Thorax („wie beginnender Herpes zoster“). (4)
    96) Leicht rötlicher, kreisrunder Fleck über dem rechten Rippenbogen; diese Hautstelle ist tagelang äußerst berührungsempfindlich und schmerzhaft bei Druck und Bewegung. (Dabei erinnert sich der Prüfer an seine Hepatitis vor 20 Jahren). (12)

     

    Allgemeinsymptome

    97) Bleierne Müdigkeit, Augen fallen zu, er könnte schon im Stehen einschlafen. (13)
    98) Kraftlosigkeit, große Schwäche, Gefühl als ob das Leben unten hinausfließen würde. (5)
    99) Morgens im Bett faul, träge, müde. (4)
    100) Stark in den Sessel drückende Müdigkeit. (4)
    101) Allgemeines Abgeschlagenheitsgefühl als ob er krank werden würde. (5)
    102) Deutliche Müdigkeit um 15 Uhr, im Sitzen umgefallen, besser nach Schlaf, kein wie sonst übliches Bedürfnis nach Bewegung. (11)
    103) Bleierne Müdigkeit am ganzen Körper, plötzlich auftretend, mit Gefühl im Stehen einschlafen zu können. (3)
    104) Enorme Müdigkeit mittags nach der Arbeit mit starkem Verlangen sich niederzulegen. Ruhe und Schlaf brachten aber keine Erfrischung. (6)
    105) Ungewöhnliche Munterkeit mit fehlendem Bedürfnis zum gewohnten Mittagsschlaf. Die sonst am Vormittag auftretende bleierne Müdigkeit ist verschwunden. (12) :-)
    106) Sehr aktiv, vormittags keine Müdigkeit, braucht sich mittags nicht niederzulegen (13/14), verspürt mehr Kraft. (17)
    107) Sehr starker Durst auf alles, besonders Saft; Verlangen nach Kaffee, vor allem nach Süßem. (13)
    108) Rechte Körperseite kalt, linke Körperseite warm. (5)
    Schmerzen, dumpf-drückend.
    Schmerzen, in der Tiefe empfunden.
    Druckgefühl, dumpf, wie von einer Faust.
    Wandernde Beschwerden.
    Symptome erstrecken sich von oben nach unten.

     

    Schlaf

    109) Abends nach dem Niederlegen eine Stunde wach und schlaflos trotz Müdigkeit, dann aber gut und erholsam geschlafen. (7)
    110) Zunehmende Wachheit abends trotz müder Augen. (1)
    111) Sehr guter, erholsamer Schlaf. (1/7)
    112) Schlaflosigkeit die ganze Nacht ohne Müdigkeit am nächsten Tag. (2)
    113) Müdigkeit und Wachheit abends zugleich. (1)

     

    Modalitäten

    Keine vorherrschende Seitenbevorzugung.
    Verschlimmerung: morgens beim und nach dem Erwachen, abends und nachts beim Einschlafen und Niederlegen, Bewegung, Schütteln des Kopfes, Umdrehen im Bett, Bücken, Berührung und Druck.
    Besserung: Ruhe, Entlastung, Augenschließen, Aufrichten, Kälte in eder Form.

     

    Ungewöhnliche, auffallende Symptome

    Schwindel, als ob sie abheben würde, wie schwebend, „sie hatte das Gefühl, sich wieder erden zu müssen“.
    Gefühl, als würden die Mundwinkel nach unten gezogen.
    Lippen plötzlich wie angeschwollen und betäubt.
    Leichte Übelkeit im Hals und im Unterkiefer.
    Er hustet ohne es zu bemerken.
    Ausgeprägtes Wärmegefühl im Oberbauch und den Armen, von oben nach unten sich ausbreitend.
    Rechte Körperseite kalt, linke Körperseite warm.
    Müdigkeit und Wachheit zugleich.
    Er sei distanziert und reserviert gewesen, habe es aber selbst nicht so empfunden.
    Sie hatte das Gefühl abwärts zu gehen, obwohl der Boden eben war.

     

    Geist-Gemütssymptome

    114) Er macht unangenehme blöde Witze, der Schalk sitzt ihm im Nacken, ohne es selbst zu bemerken.
    Er ist aggressiv trotz gehobener, ausgelassener Stimmung, ohne es so zu empfinden.
    Er empfindet sich anders als die anderen ihn; das verunsichert ihn nicht, er ist gelassen dabei. (14)
    115) Schalkhafte Stimmung und Ausgelassenheit, voller Energie trotz Kopfschmerzen. (7)
    116) Er vergißt wichtige Sachen aus Gedankenlosigkeit, ohne es eilig dabei zu haben. (14)
    117) Verlust des Kurzzeitgedächtnisses an drei Tagen, wußte nicht mehr was sie gerade tun wollte. (11)
    118) Unfähig, den Gedankenfluß während der Anamnese zusammenhängend wahrzunehmen, während Kopfschmerzen. (7)
    119) Morgens lähmendes Durcheinander im Kopf, sie bekam keine Ordnung in ihre Gedanken, sie fühlte dies wie einen farblosen Knäuel im Kopf. (4)
    120) Er hat Distanz zu den anderen, ist mehr bei sich und auf sich selbst bezogen, er ist reserviert und hält sich heraus. Gleichgültigkeit den anderen gegenüber ohne Unbehagen, aber ohne Ruhe. (14)
    121) Er sei distanziert und reserviert gewesen, hat es aber selbst nicht so empfunden. (12)
    122) Angenehme Distanz von den Alltagsthemen, abends. (1)
    123) Eine Art von Gehobensein, dabei unzureichende Gedankenklarheit, energetisch aber besser. (2)
    124) Völliger innerer Abstand und innere Gelassenheit zu bisher belastenden, unangenehmen Dingen (2/17)
    125) Innere Gelassenheit im Gegensatz zu sonstiger Überbesorgtheit um andere. (2)
    126) Sie zieht sich zurück und will alleine sein, ohne Streit vorher, sie sucht emotionale Distanz. (7)
    127) Andere Leute sind ihr egal, sie ist nicht mitfühlend, sie ist uninteressiert und distanziert. (8)
    128) Er empfindet sich isoliert, erlebnisunfähig, kann sich nicht freuen über die Schönheiten der Natur, er fühlt dabei eine schmerzhafte Getrenntheit zwischen Außenwelt und innerem Erleben. (5)
    129) Sie konnte die Freude an den schönen Farben der Natur nicht empfinden und versuchte sich diese Empfindung durch Wünschen und wiederholtes Vorsagen derselben selbst herzuholen; sie „sieht und sieht nicht“. (4)
    130) Sie war sehr „geladen“, ungerecht und böse, wollte am liebsten weinen wegen des Gefühls völlig ausgepumpt zu sein; sie hat aber nur herumgeschrien, sie war aggressiv bei Widerspruch, auf alles was von außen an sie herankam. (8)
    131) Ärger (12)
    132) Ärger und Gereiztheit aus dem Gefühl der Überforderung, sie hat Türen zugeschmissen. (6)
    133) Ärger, Mißmut über aufgetretene Schmerzen bzw. Prüfungssymptome. (4)
    134) Während er unter den starken rheumatischen Schmerzen litt, war er die ganze Zeit inaktiv, arbeitete schlecht und ineffektiv. Er war grantig, sauer auf alles, am meisten auf sich selbst, ungeduldig und beleidigt. (13)
    135) Es geht ihm auffallend gut, er ist voll Energie trotz starker Beschwerden, dem Brennen im Mund, bei wenig Schlaf, er nimmt seine Beschwerden gelassen hin. (9)
    136) Leicht gedrückt-grantige Stimmung während der Kopfschmerzen. (5)
    137) Hektische Unruhe mehr als sonst, Unruhe beim Sitzen. (16)
    138) Plötzliche Angst vor Gebärmutterkrebs bei verfrühter Menses; Angst, was alles auf sie zukommen wird, wie sie damit zurechtkommt, ohneAngst zu sterben. (15)
    139) Sorge, sie könnte einen Herzinfarkt bekommen, dabei aber spöttisch und belustigt. (4)
    140) Denkt, aus geringfügigen Beschwerden könnten sich ernsthafte Krankheiten entwickeln, dabei sorglos. (4/5)
    141) Plötzlich aufkommende, überschwengliche Dankbarkeit seinem Vater gegenüber. (5)
    142) Überschwengliche Gefühle, sie wußte nicht, wie sie sich von ihren Kindern, diesen entzückenden Wesen, verabschieden sollte, konnte schwer weggehen. (4)
    143) Gefühl von Zeitfluß, sie ist tief berührt, aufgeregt und erschrocken, längst Vergangenes taucht blitzartig auf. Sie erfährt diese Erinnerungen und Situationen, die sie selber gar nicht erlebt hat, wie emotionale Assoziationsketten, die alle nebeneinander fast im gleichen Augenblick gegenwärtig sind; dabei sorgenvolle, fast schreckhafte Dankbarkeit ihrer Mutter gegenüber. (4)
    144) Sie hatte das Gefühl abwärts zu gehen, obwohl der Boden eben war. (2)

     

    Träume

    Nur von vier Prüfern wurden Träume berichtet. Es werden alle Träume im Original wiedergegeben. Die Frage, inwieweit diese Träume in direktem Zusammenhang mit der Arzneimittelprüfung stehen, ließ sich an Hand gemeinsamer Themen, die im Plenum herausgearbeitet wurden, erhellen.

     

    1) „Ich bin in Amsterdam. Irgendein Giftler haut mir mit einem Stab, wo eine Spritze befestigt ist, über den Kopf und sagt: ‘Da hast Du, die brauch' ich nicht mehr’. Mir ist das völlig egal. Ich dachte mir im ersten Moment, der wird AIDS oder so etwas gehabt haben. Dann gehe ich nach dieser Szene an lauter Rauschgiftsüchtigen vorbei, die am Boden liegen, sich spritzen und herumsandeln und mir ist das völlig egal. Es betrifft mich überhaupt nicht.“ (12)

    Auffallend ist hier eine Distanz, ein Unbeteiligtsein in einer außergewöhnlichen, gefährlichen Situation, eine Gleichgültigkeit in einer extremen Atmosphäre. (19)

     

    2) „Ich bin zu Hause, plötzlich kommt ein Hagelschlag, ein richtiger Schauer von Hagelkörnern fällt mir auf den Kopf und die Schultern. Es passiert aber nichts.“ (12)

    Dem Prüfer fällt auf, daß auch in diesem Traum, wie im vorhergehenden, wo er etwas auf den Kopf bekommt, wieder etwas von oben kommt, nämlich der Hagel. Die Richtung von oben nach unten scheint dem Prüfer sowohl in seinen Träumen als auch in den Körpersymptomen charakteristisch zu sein.

     

    3) Derselbe Prüfer berichtet einen Traum „von einem Oldtimer-Auto, mit dem er über eine schräge Wiese fahren kann. Die Bremse funktioniert nicht. Er macht Photos dabei.“

    Auch hier wieder das Thema der Unberührtheit in einer bedrohlichen Situation. (19)

     

    4) „Ich bin in einen falschen Zug eingestiegen, er braucht sehr viel länger als sonst, für die Strecke Innsbruck-Bregenz 17 Stunden, also ewig lang. Es war mir eigentlich gleich, daß ich so lange brauchte. Freunde und Bekannte sind zugestiegen, sie sind auch in den falschen Zug eingestiegen. Wir waren in einem Abteil, es ist lustig zugegangen, und niemand hat bedacht, daß wir eigentlich viel, viel länger brauchen, und daß der Zug gar nicht dort hinkommen muß, wo wir hinwollten. Zum Schluß ist nur noch übriggeblieben, daß etzt alle mit mir heim müssen, weil es a keine andere Möglichkeit gibt, wenn der Zug so lange braucht. Aber es war allen egal. Es war ein Durcheinander, aber es war ganz angenehm. eder war damit einverstanden, daß die Fahrt so lange dauert, und es hat niemanden berührt, daß er nicht dorthin kommt wo er hinkommen will. Niemand hat das wahrgenommen, was er tun müßte.“ (6)

    Gleichgültigkeit und angenehmes Empfinden trotz Durcheinander und Ziellosigkeit. (19)

     

    5) „Ich war mit einer zweiten Person abends in einem Park. Da kamen zwei unge Burschen und haben uns auf eine sehr aggressive Weise angestänkert. Ich habe aber keine Angst gehabt und habe versucht mit dem einen zu reden und ihm irgendwie klarzumachen, “dies ist ein Blödsinn was ihr da macht„ und “macht das nicht!„ Doch die zwei Burschen sind immer aggressiver geworden und es hat ihnen anscheinend auch Spaß gemacht. Dann gehe ich auf den einen zu und schmeiße ihn mit einem Schulterwurf ein paar Meter weit weg von mir. Ich bin dann noch zu dem Liegenden hingegangen und hab´ ihn ein paar mal in den Bauch getreten und hab´ das sehr angenehm empfunden, wie eine Genugtuung.“ Als die Prüferin aufwachte, war sie berührt von der Gleichgültigkeit, mit der sie auf den Liegenden eingetreten hatte; gleichzeitig hatte sie ein befreiendes Gefühl. (8)

    Thema: Wohlfühlen in der Aggression, dabei völlige Gleichgültigkeit.

     

    6) „Ich bin im Krankenhaus mit meinem Söhnchen wegen schwindender Lebenskraft und Verkühlung. Er sei wegen hektischen Fiebers aufgenommen worden. Ich wußte nicht mehr genau warum ich aufgenommen worden war, aber ich wollte auf eden Fall meinen Sohn begleiten. Ich dachte daran, daß ich heuer schon zum dritten Mal im Krankenhaus war, würde das die Krankenkasse bezahlen? emand von der Verwaltung kam und sagte, ich müsse vorausbezahlen. Die Visite machte der Professor persönlich, mit Gefolge. Es war mir unangenehm vor so vielen Leuten im Bett zu liegen und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein. Ich rief: ‘Ich werde a schon bald nach Hause gehen, bleibe aber nur wegen meines Sohnes noch ein bis zwei Tage.’ Man nahm es zur Kenntnis. Eine Krankenschwester zeigte mir ihr Schädel-CT-Bild und fragte, ob ich ihr sagen könne,was es zu bedeuten hätte. Im Text zum Bild stand etwas von verstärkter Fibrosierung der Rand- oder Markstrahlen. Tatsächlich sah man einen Strahlenkranz dichter, paralleler Linien um die Mitte des Gehirns, wie eine massive Verfestigung. Es bedeutete sicher nichts Gutes. Ich sagte, ich sei kein Spezialist für Schädel-CTs, das müsse man gelernt haben, und ich verst¸nde zuwenig davon.“ (5)

     

    Der Proband war von dem Traum recht unangenehm berührt und konnte kein zentrales Thema angeben. Wichtig erschien ihm das Thema der schwindenden Lebenskraft. Die Fibrose auf dem CT-Bild wurde als Mauer zwischen dem Oben und Unten, unserem Wahrnehmungsorgan und dem Empfindungsorgan, dem Herzen, erklärt. (19)

    Der Traum weist auf den interessanten Zusammenhang zwischen den im Schädel-CT-Bild des Traumes fibrosierten und verfestigten Hirnanteilen mit den aus der Prüfung deutlich aufgetretenen Störungen im Wahrnehmungs-Empfindungsbereich hin.

     

    7) Ein turmartiger Berg, um den ich eine gedeckte Holz-Ballustrade baue, die ringsum weit über dem Abgrund schwebt. Diese Holzballustrade zeige ich meinem Vater und ich gehe mit ihm in diesem gedeckten Gang herum. (5)
    Vater-Sohn-Thema, Oben-Unten-Polarität. (19)

     

    8) Ein Treffen von Leuten in meiner Wohnung; mein Vater war mit, und ich stelle ihm die ungen Leute vor – Studenten, ungakademiker – und hoffe, ein Gespräch würde in Gang kommen. Dahinter liegt ein Saal, ein Sitzungszimmer; eder hat ein Brötchen auf dem Tisch liegen. Ich hatte verzichtet ein Brötchen zu nehmen, hatte aber Hunger. Später oder früher wird getanzt, im Kreis ein Tanzschritt geprobt. (5)
    Vater-Thema

     

    9) Ein unger Student, nicht sehr „vif“, war Gesandter zur Europapolitik; ich dachte, die wirklich guten Leute bleiben bei ihrer Arbeit, ihrem Beruf, aber ein wenig lockte es mich auch mitzumachen in der Europapolitik. Einer saß da und sagte, er verzichte bewußt auf ede Ausbildung. Mein Vater mißbilligte das zutiefst und versuchte ihm klarzumachen, daß man ohne Ausbildung nicht weit kommen könnte; aber der unge Mann ließ sich nicht beirren. (5)
    Rückerinnerung in tiefer Dankbarkeit an seinen Vater, der sich immer sehr für eine gute Ausbildung seiner Kinder eingesetzt hatte. (5)

     

    Besprechung der Prüfungssymptome

    Auf körperlicher Ebene wurden die Symptome am deutlichsten im Kopf, Verdauungstrakt und Bewegungssystem wahrgenommen.

    Von den unterschiedlichen Kopfschmerzen standen solche von dumpf-drückender Qualität im Vordergrund. An begleitenden Empfindungen gaben die Prüfer Übelkeit, große Schwäche und Abgeschlagenheit, Schwindel mit dem Gefühl abzuheben, sowie das Gefühl, zu Boden gezogen zu werden und von der Lebenskraft nach unten verlassen zu werden, an. Es wurden eigenartige wie von einer Faust dumpf drückende Empfindungen in der Tiefe beschrieben.

    Viele Symptome erstreckten sich von oben nach unten (Gefühl, die Lebenskraft verläßt ihn von oben nach unten; pochende Zahnschmerzen von oben nach unten gerichtet; Gefühl von nach unten gezogenen Mundwinkeln; Gefühl abwärts zu gehen; Wärmegefühl von oben nach unten).

     

    Ebenso häufig betrafen die Reaktionen die Schleimhäute von Mund, Rachen, Nase und Augen. Dabei fielen vor allem brennende Schmerzen sowohl mit Trockenheitsgefühlen als auch mit vermehrter Sekretion auf. Ausgeprägte entzündliche und sehr schmerzhafte Veränderungen der Mundschleimhaut, der Zunge und des Zahnfleisches veranlaßten den Prüfer (9) zum Abbruch der Arzneimittelprüfung.

     

    Im Bauchbereich werden übereinstimmend krampfartige Schmerzen angegeben, besonders vor der Stuhlentleerung. Bemerkenswert ist, daß sich bei einem Probanden die Nüchternschmerzen durch ein ahrelang bestehendes Zwölffingerdarmgeschwür wesentlich besserten. Weiters fielen unbeherrschbarer, imperativer Stuhldrang mit weichen Stühlen auf. Starke Blähungen mit reichlichem Abgang von geruchlosen Winden, verbunden mit bleierner Müdigkeit, waren die Hauptbeschwerden eines Prüfers (3). Auffallend war auch das Sistieren der chronischen Blähungen bei zwei Probanden. Sowohl über weichen Stuhl als auch über ausgeprägte Obstipation, die sogar zum vorzeitigen Abbruch der Arzneimittelprüfung führte, wurde berichtet (2). Dumpf drückende Schmerzen im rechten Oberbauch wurden nur von einer Prüferin (4) angegeben, was angesichts der Tatsache, daß dieses Symptom in den bisherigen Prüfungen mit großer Deutlichkeit hervorstach, etwas verwunderte.

     

    Im Kehlkopf-Brustgebiet gab es wenig deutliche Beschwerden, lediglich trockenen Kitzelhusten vom Kehlkopf ausgehend und drückende, leicht stechende Empfindungen in der Herzgegend. Für den Abbruch der Arzneimittelprüfung des Prüfers (5) waren plötzliches Hochschrecken beim Einschlafen mit dem Gefühl, das Herz sei stehengeblieben – verbunden mit Schwäche und Angst –, ausschlaggebend. Dieser Proband hatte aber in seiner Anamnese schon längere Episoden von ähnlichem Charakter. Der Husten, der vom Probanden selbst nicht bemerkt wurde, ist eine interessantes Symptom, das auf eine Störung im Wahrnehmungs-Empfindungsbereich hinweist.

    Bei einem Prüfer verschlimmerten sich die ahrelang bestehenden rheumatischen Schmerzen im Rücken-Gelenks-Muskelbereich in dramatischer und quälender Weise. ede Bewegung verschlimmerte bis zum Schreien. Die Bewegungsverschlechterung war auch bei den Knieschmerzen von drei Prüfern auffallend, und zwar einmal als Prüfungssymptom, zweimal im Sinne einer Heilung von lange bestehenden Beschwerden.

    Kribbeln, Ameisenlaufen, eingeschlafenes Gefühl, Taubheitsgefühle wurden von mehreren Prüfern angegeben. Interessant mutet die Lokalisation eines äußerst berührungsempfindlichen Hautbezirkes über dem rechten Rippenbogen mit Schmerzzunahme bei Druck und Bewegung an.


    Eine Prüferin (17) reagierte deutlich mit schmerzhaften Pusteln am gesamten behaarten Kopf.

    Der in den bisherigen Arzneimittelprüfungen als charakteristisch beschriebene bittere Mundgeschmack und die Harnflut, die dem Löwenzahn im Volksmund den Namen „Bettseicher“ einbrachte, fehlten in dieser Arzneimittelprüfung vollständig.

     

    Besonders auffallend war eine nicht unterdrückbare, bleierne Müdigkeit, welche zum Sitzen und Niederlegen zwang. Diese Müdigkeit trat entweder isoliert oder zusammen mit den verschiedenen Lokalsymptomen in Erscheinung. Bei drei Probanden stellten sich anstelle des sonst benötigten Mittagsschlafes eine ungewohnte Munterkeit und Aktivität ein.

    Überaus beeindruckend bei den meisten Teilnehmern waren die Reaktionen im Geist-Gemütsbereich. Im Vordergrund standen dabei Empfindungen von Distanz, Gleichgültigkeit, Erlebnisunfähigkeit und Isolation, einerseits verbunden mit Unbehagen, andererseits mit angenehmer Gelassenheit. Von einem Prüfer wurde dies als schmerzhaftes Getrenntsein zwischen Außenwelt und innerem Erleben beschrieben. (5)

     

    Mehrfach erlebten sich die Probanden anders, als sie durch Außenstehende wahrgenommen wurden.

    Neben der emotionalen Indifferenz imponierte edoch ebenfalls eine übersteigerte Emotionalität mit tiefem Berührtsein und Ergriffenheit gegenüber nahestehenden Personen. Dieser Polarität zwischen Distanz und überschießenden Empfindungen entsprachen auf körperlicher Ebene einerseits die Gleichgültigkeit gegenüber heftigen, andererseits die hypochondrische Ängstlichkeit gegenüber geringfügigen Beschwerden. (19)

     

    Pflanzenbetrachtung

    Im Bild des Löwenzahns kommt uns eine Hochgebirgspflanze entgegen, ähnlich der Arnika, die aber im Tal wächst, die im Mai wunderschöne gelbe Teppiche über die Wiesen breitet. Die goldgelben Blütenköpfe, kleinen Sonnen gleich, bringen das Licht den Menschen näher ins Tal. Ihre Pfahlwurzeln bohren sich tief in die Erde, „das Unkraut“ ist kaum auszurotten. Der Löwenzahn wächst mit Vorliebe auf verdichteten, überdüngten Böden, zum Beispiel in den Spuren des Traktors auf dem Felde; er zeigt sich so fähig, verkrustetes Erdreich aufzubrechen. (19)

    Als Lichtpflanze ist er neben seinem hohen Kaliumgehalt überaus magnesiumreich. Seine Sensibilität und Wandlungsfähigkeit stehen im Gegensatz zu seiner fast protzigen Vitalität und Derbheit. Keine zwei Blätter gleichen einander; auf schattigen, feuchten Plätzen sind sie fast ungeteilt, auf lichten trockenen Plätzen, im Gebirge sind sie scharf und spitz eingeschnitten, wie Löwenzähne. Hier zeigt sich auch wieder die intensive Beziehung zum Licht. Die Pflanze zeigt ein ausgeprägtes Mitschwingen mit dem Tagesrhythmus, die Blüten öffnen und schließen sich vollständig im Laufe des Tages.

     

    Zur Zeit der Reife schließt sich der Hüllkelch, die Blütenköpfe hängen traurig nach unten. Dann schießt fast explosionsartig der Fruchtstand hervor, wie die Blüte weit entfernt von den Blättern, die sich am Boden zu einer Rosette formen. Seine Samen-Sternchen bilden eine schöne weiße Kugel um ihre Mitte und erinnern an den Sternenhimmel im All. Der Löwenzahn vermehrt sich parthenogenetisch, er bedarf nicht der Bestäubung durch das Tier (der Gefühlswelt). Der Wind verteilt dann die Samen, kleinen Fallschirmchen gleich, wie Nebel über die Wiesen.

     

    Der organotrope Bezug zur Leber weist den Weg zum Verständnis von Taraxacum

    Die Leber ist die größte Drüse im menschlichen Körper mit vielfältigen Aufgaben im intermediären Stoffwechsel, der Speicherung, vor allem der Entgiftung und Exkretion in Form der Galle. Die Leber vernetzt den „Lebenssaft“ aus zwei unterschiedlichen Blutkreislaufsystemen, den Pfortaderkreislauf mit dem arteriell-venösen Leberkreislauf. Bei den alten, großen Ärzten wurde sie als Sitz der Gefühle angesehen, die Galle in Verbindung mit den verschiedenen Temperamenten gebracht. Im Wort „Choleriker“ verwenden wir diesen Zusammenhang noch heute.

    Im Hebräischen stehen Buchstaben auch für Zahlen und so er-zählen Verwandtschaften verschiedener Wörter aufgrund ihrer Zahlenstruktur von bestimmten Entsprechungen. So bedeutet das Wort „Leber“ auch „schwer“ und „ehren“. Weinreb schreibt: „In Deiner Leber also stellt sich die Frage: worauf legst Du Ge-wicht? was ist Dir wichtig?“ Wem gibt der Mensch die Ehre, das Ge-wicht, der begrenzten Zeitlichkeit oder der Transzendenz? Vereinzelt sich der Mensch, indem er am Materiellen oder an Ideen haftet, sich im Egoismus isoliert? Oder erkennt er seinen Sinnzusammenhang mit der ganzen Schöpfung, in Gott?

     

    In der Arzneimittelprüfung deuten sich die großen Themen von Taraxacum an:

    • Emotionale Distanz in Reserviertheit und Bezogenheit auf sich selbst, die das Umfeld nicht wahrnimmt bzw. nicht durchkommen läßt.
    • Polarität von Gefühlsindifferenz und übersteigerter Emotionalität, Fehlen einer Gefühls-balance.
    • In der Rückbesinnung auf die Wurzeln, primäre Bezugsfelder, Fragen nach der Identität.

    Auffallend nehmen die Kopfsymptome einen verhältnismäßig großen Raum in der Arzneimittelprüfung ein. Die Beschwerden werden oft in der Tiefe empfunden, es geht buchstäblich an die Knochen, an die Substanz, zu den Wurzeln (in den Träumen, in den Symptomen 141, 143) zu Vater-, Mutter-, Kindheitsthemen zurück (19). Wie hält der Mensch diese Spannung zwischen dem Oben und Unten (19), dem Sich-Bewußtwerden (im Kopf) und dem gefühlsmäßigen Verarbeiten seiner Lebensgeschichte aus? Wird er sich seines Vernetztseins auch im Augenblick in ein konkretes Umfeld bewußt? Wie tritt er zu seinem Umfeld in Beziehung? Kommt Bewußtseinslicht in diese Wurzeln, wird er sich über sinnhafte Zusammenhänge in seiner aktuellen wie biographischen Lebenssituation klar und bekommt der Mensch darin seine Identität, oder „rettet“ er sich in die emotionale Distanz, bzw. lassen ihn seine Gefühle kindlich symbiotisch zerfließen (Symptom 142)?

     

    Der Löwenzahn zeigt diese Oben-Unten-Spannung, indem die Blüte weit entfernt, „entkoppelt“ von der Blattrosette am Boden ist (19). Im Traum eines Prüfers (5) wird ihm auf einem CT-Bild ein Strahlenkranz von dichten, parallelen Linien um die Mitte des Gehirns gezeigt, und er empfand ihn als eine massive Verfestigung. Doch gleichzeitig deutet der Strahlenkranz auf Licht in der Sklerose der gefühlsmäßigen Entkopplung hin, das Licht von Taraxacum, eigentlich einer Hochgebirgspflanze, die mit ihren tiefen Pfahlwurzeln Licht durch verkrustetes Erdreich in den Boden, der uns trägt, in unseren Lebens-Sinnzusammenhang bringen will.

     

    Interessant ist dabei, daß im Sommer in Zeiten intensiven Sonnenlichtes die Milchsaftprozesse in der Wurzel zurückgedrängt werden. Diese stehen nach anthroposophischem Verständnis für lemurisches, symbiotisches Verschmelzen mit einem paradiesischen Zustand, in dem das Bewußtsein der Individualität noch nicht ausgeprägt ist.

    Eine Prüferin (4) hat ein „Gefühl von Zeitfluß“ in gleichzeitig erfahrenen Emotionen von Assoziationsketten. Das erinnert an die Situation eines Menschen im Angesicht des Todes, dem in Zeitraffung sein ganzes Leben wie ein Film vor seinem inneren Auge vorbeizieht und der dabei Sinnzusammenhänge erfährt. Die Prüferin ist auch „tief erschüttert“.

    Der Taraxacum-ähnliche Mensch hat Schwierigkeiten seine Gefühlsbalance zu finden, wenn er zu seiner Umwelt, zu seinen Mitmenschen in Beziehung tritt. Einmal reagiert er mit emotionaler Distanz und diese wird als „angenehm“ oder als „schmerzhaftes Getrenntsein“ (5) erlebt. Wo es keine Gefühlsgrenzen gibt, werden überschwengliche Gefühle (4) oder ausufernde Aggressionen, „sie war aggressiv auf alles, was an sie herankam“ (8), erlebt. Auf der einen Seite stehen Wohlbefinden, Gelassenheit und Kraft, und auf der anderen Seite, wenn der Mensch die Oben-Unten-Spannung nicht aushält, überfällt ihn eine „bleierne Müdigkeit“, die ihn zu Boden sinken, „seine Kraft nach unten ausfließen“ läßt. In dieser fehlenden Gefühlsbalance hat der Taraxacum-ähnliche Mensch auch Schwierigkeiten sich selbst in Beziehung zu setzen, sich in sinnhaften Zusammenhängen mit seiner aktuellen wie biographischen Lebenssituation zu erfahren, zu begreifen. „Unzureichende Gedankenklarheit“ (2), „lähmendes Durcheinander im Kopf, sie bekam keine Ordnung in ihre Gedanken, sie fühlte diese wie ein farbloses Knäuel im Kopf“ (4).

     

    So kann Taraxacum ein Mensch brauchen, der den realen Kontakt zu seiner Umwelt verloren hat, der nicht mehr „geerdet“ (7) ist, der nur mehr sich in seiner Welt wahrnehmen kann, zum Beispiel ein Suchtkranker (19) (die Leber ist in ihrer Entgiftungsfunktion überfordert, ist verfettet, schwammig aufgetrieben oder in der Zirrhose erstarrt).

    Auf der anderen Seite können es Menschen sein, die sich ihren Mitmenschen gegenüber nicht abgrenzen können, die permanent überfluten und überflutet werden, die mit ihren Gefühlen nicht haushalten können. Auch Suchtpatienten brechen zuweilen aus ihrer Gefühlsisolation aus und werden klebrig in ihrer Gefühlsbezeugung und Anhänglichkeit.

    Taraxacum kann eine Arznei für Menschen sein, denen der Halt im Leben fehlt, die in übersteigerter Emotionalität oder Distanz den Bezug zu ihrem augenblicklichen wie biographischen Vernetztsein im Leben nicht herstellen können, denen von diesem Sinn des Lebens nur mehr ein „bitterer Geschmack im Munde“ geblieben ist.

     

    Vielleicht ist die zentrale Idee von Taraxacum:

    Fehlende Gefühlsbalance ohne Halt im Lebenskontext, dem persönlichen Sinnzusammenhang.

     

    Ist Taraxacum auch ein globales Thema unserer Zeit? Die Vergiftung unserer Umwelt hat ein bisher nicht gekanntes Ausmaß erreicht. Wertgefüge, Sinnzusammenhänge werden atomisiert. In emotionaler Distanz ist der Einzelne isoliert, isolieren sich die Interessen der Clubs der reichen Länder vom Wohl der ganzen Menschheit, brechen Nationalismen auf. Daneben werden wir von der Grenzenlosigkeit gesellschaftlicher Auswüchse beherrscht, vom Konsum, von Wirtschaftswachstumdoktrin, Umweltzerstörung und vom Glauben an die Allmacht der Technologie.

    Und da kann uns die selbstverständliche Schönheit von Taraxacum, des Löwenzahns, eine Hilfe sein. Eine selbstverständliche Schönheit, die zu selbstverständlich ist, als daß man sie pflückt und in einer Blumenvase auf den Tisch stellt, die aber aus der Weite betrachtet in den goldgelben Blütenteppichen den derben Stengel vergessen läßt. So ist es auch mit unserem Sinnzusammenhang, der in der Weite der Biographie unseres Lebens aufleuchtet, dem Sinnzusammenhang der Welt, der sich im Geheimnis der ganzen Schöpfung zeigt. Unser Lebens-Sinnzusammenhang, der oft zu selbstverständlich ist, als daß wir ihn so nehmen wie er ist und ihn uns auf den Tisch unseres Lebens stellen. Und doch ist er einfach da, so sanft, wie der Nebel von kleinen weißen Fallschirmchen über die Wiesen weht, wenn der Wind die schönen, weißen Sterne-Kugeln von Taraxacum zerstäubt.

     

    Weiterführende Literatur

    • Allen: Encyclopedia, Band 9, New York/Philadelphia 1879, Boericke and Tafel Verlag.
    • Clarke, .H.: Dictionary of practical materia medica, Asia Publishing House, Kent, 1991.
    • Deichmann, H.: Allgemeine Homöopathische Zeitung, Band 215, Heft 8, Heidelberg 1970, Haug Verlag.
    • Fischer, S.: Medizin der Erde, Hugendubel Verlag, München, 1985.
    • Hahnemann, S.: Reine Arzneimittellehre, Band 5, Haug Verlag, Heidelberg, 1991.
    • Heinigke, C.: Handbuch der homöopathischen Arzneiwirkungslehre, 3. Auflage, Schwabe Verlag, Leipzig, 1922.
    • Hering, C.: Guiding Symptoms of our Materia Medica-Philadelphia, Band 10 (1891)
    • Hughes: Cyclopedia, Band 4, Boericke and Tafel Verlag, New York, 1889.
    • Leeser, O.: Lehrbuch der Homöopathie, (Hrsg. Stübler und Krug), Band 3, Pflanzliche Arzneistoffe, Haug Verlag, Heidelberg, 1987.
    • Mezger, .: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre, Band 2, Haug Verlag, Heidelberg, 1993.
    • Pelikan, W.: Heilpflanzenkunde, Band 1, „Verlag Am Goetheanum/KNO“, Dornach 1988.
    • Pischl, W.: Allgemeine Homöopathische Zeitung, Band 200, Heft 5, Haug Verlag, Ulm/Donau 1955.
    • Weinreb, F.: Unser Körper und seine Organe, Leiblichkeit als Ausdruck des ewigen Menschen, Thauros Verlag, Weiler im Allgäu, 1987.

    Anschrift der Verfasser: Dr. med. Reinhold Körner, Dr. med. Roswitha Körner, Riesengasse 1, A-6020 Innsbruck. Dr. med. Heribert M. Rauch, Templstraße 3, A-6020 Innsbruck.