New provings

    Vincetoxicum officinale

    Requests: If you need specific information on this remedy - e.g. a proving or a case info on toxicology or whatsoever, please post a message in the Request area www.homeovision.org/forum/ so that all users may contribute.


    REMEDY ABBREV.

    Vince.

    MASTER PROVER

    Dr. Walter Glueck, OEGHM, Austria

    YEAR

    1986

    PROVING METHOD

    Classical

    PLACEBO?

    probably no placebo given

    BLINDING?

    Remedy unknown to the 6 provers

    PHARMACY OF REMEDY IN PROVING

    unknown

    Description of the substance

    A homeopathic drug proving of Vincetoxicum officinale, the white swallows wort

    Eine homöopathische Arzneimittelprüfung von Vincetoxicum officinale, dem weissen Schwalbenwurz

     

    Proving document available currently only in German

    Published in the Austrian journal Documenta Homoeopathica No.9

     

    The Foto is taken from Wikipedia (5/11), the author of the foto released it into the public domain (License: see here).Thank you very much for your contribution! 

     

    Arzneimittelprüfung Vincetoxicum, ein Inhaltsstoff des Präparates „Engystol"

     

    Einleitung

    Die Schwalbenwurz, Vincetoxicum officinale Moench (syn. Cynandricum vincetoxicum), aus der Familie der Asclepiadaceen genoß in alten Zeiten den Ruf einer hervorragenden Heilpflanze. Vermutlich wurde sie als „Giftbesiegerin" in der Volksheilkunde verwendet [1].
    Die ca. 30—120 cm hohe Pflanze ist in Europa, Westasien und Nordafrika verbreitet. Der Name Vincetoxicum setzt sich aus dem lateinischen vincere = besiegen und toxicum = Gift, zusammen. Die Ähnlichkeit der mit einem Haarschopf versehenen Samen leitete wahrscheinlich zu dem Namen hirundinaria (lat. hirundo = Schwalbe), Schwalbenwurz. In der Literatur des 17.—19. Jahrhunderts finden sich Hinweise auf den Einsatz von Vincetoxicum als diuretisches und purgierendes Mittel in der Human- und Veterinärmedizin. Auch als Wundmittel und gegen Bisse giftiger Tiere wurde Vincetoxicum gerühmt. Haller preist die Schwalbenwurz als Mittel gegen die Pest und die Gifte hitziger Krankheiten, außerdem gegen Würmer, Koliken, Ohnmacht und Herzklopfen [2].
    In der Literatur der letzten Jahrzehnte wird neben den Heilwirkungen auf die Giftigkeit und die Vergiftungserscheinungen der Pflanze hingewiesen, zu denen Erbrechen, Diarrhö, zentrale Erscheinungen und Herz- sowie Skelettmuskellähmung zählen [3].
    Im Homöopathischen Arzneibuch ist eine Vorschrift zur Herstellung von Vincetoxicum enthalten [4]. Die Empfehlungen zur Anwendung in der Homöopathie sind spärlich, Kafka empfiehlt Vincetoxicum bei Diabetes [5]. Hans-Heinrich Reckeweg gibt in seiner Homoeopathia antihomotoxica als Indikationen von Vincetoxicum akute fieberhafte Reaktionsphasen, Mononukleose, Lymphadenitis und Viruskrankheiten an. In dem Präparat „Engystol" (Heel) ist Vincetoxicum in der D 6, D 10, D 30 mit Sulfur D 4 und D 10 als sog. Potenzakkord enthalten [6].


    In der Beschreibung des Präparates wird die Wirkung von Vincetoxicum als „Anregung der körpereigenen Abwehr mit Gefäß- und Sympathikuswirkung" dargestellt.


    Bei Leeser (B/II) wird festgestellt, daß es kein Vergiftungsbild und auch kein Arzneimittelbild gäbe. Es seien lediglich aus der Empirie die Wirksamkeit von Vincetoxicum bei Virusinfekten bekannt sowie Therapieerfolge bei infektiöser Mononukleose, Grippe und Poliomyelitis beschrieben worden. Es wird angeregt, Vincetoxicum bei Virusinfekten in der D 1—D 3 zu versuchen [7].
    Im Erfahrungsaustausch mit Kollegen wurde festgestellt, daß bei letztgenannter Indikation gute Therapieerfolge mit „Engystol" erzielt werden konnten. Dies ermunterte uns dazu, der homöopathischen Wirkung des Inhaltsstoffes Vincetoxicum auf den Grund zu gehen.

     

    Die Arzneimittelprüfung

    Ende 1986 wurde mit 7 gesunden Versuchspersonen eine Arzneimittelprüfung von Vincetoxicum in der C 30 (Fa. Iso) vorgenommen, wobei von 6 Prüfern brauchbare Resultate erhalten werden konnten. Prüfungsergebnisse liegen von 3 weiblichen und 3 männlichen Prüfern im Alter zwischen 20 und 36 Jahren vor.

     

    Nachstehend einige Ergebnisse in zeitlichem Ablauf, möglichst Wortlaut der Prüfer:

    Prüfer 1 / weibl., 36 Jahre
    Am Abend nach der Mittelgabe die Empfindung von Fieber (ohne Temperatur)
    14 Tage keine Symptome
    15. Tag: Morgens müde, alle Knochen schmerzhaft, besonders der Schulter, im Nacken. Halsschmerz innen

    Im Kopf komisch, wie verkühlt, kein Schmerz, wie benommen
    32. Tag: Herzschmerz gegen 1 Uhr nachts beginnend, nach Aufwachen mit einem dumpfen Druck über dem Herzen

     

    Prüfer 2 / männl., 20 Jahre

    1 Woche nach Mittelgabe: Alpträume, schlechter Schlaf
    14. Tag nach Mittelgabe: Ziehendes, steifes Gefühl im Genick, seitl. Hals, antriebslos, schwach, im Kopf komisch, schwer, morgens schlechter, Nase verstopft, muß nachts durch den Mund atmen.
    Halsschmerz beim Schlucken, Empf. von vergrößerten Tonsillen, Knödelgefühl (obj. Tonsillen leicht vergrößert) Sekret der Nase anfangs grün, nach 2 Tagen weiß-gelb, zunächst zäh, dann flüssig bis zum 30. Tag.

     

    Prüfer 3 / männl., 35 Jahre
    14. Tag nach Mittelgabe: morgens Erwachen mit bleierner Müdigkeit, Antriebslosigkeit, wie benommen. Schmerz im Genick wie von einem festen Griff oder wie in einen Schraubstock eingespannt, mit Steifigkeit, Knochenschmerz (Extremitäten). Der Hinter köpf schmerz erstreckt sich nach oben, am Nachmittag Schmerzen im Scheitel.
    15. Tag: Schmerzen im Hals, Empf. von vergrößerten Tonsillen, schlechter beim Schlucken, schlechter morgens, Schnupfen wäßrig, Nase zeitweise verstopft. Empf. von Hitze (Temp. 37,3 °C um 20 Uhr)
    17. Tag: Die Halsschmerzen besser, Schnupfen gleich, Absonderung schleimig, wäßrig
    Dumpfer Kopfschmerz, besonders im Scheitel, manchmal klopfend, zum Bersten, schlechter nachmittags, hält eine Woche an, Schwindel bei Kopfschmerz, wie benommen, Druckgefühl in den Augen

     

    Prüfer 4 / weibl., 22 Jahre
    1 Woche nach Mittelgabe: Ein chron. Schnupfen (Nase morgens juckend, wäßrige Absonderung) bessert sich für ca. 12 Wochen

     

    Prüfer 5 /männl., 27Jahre
    24 Tage nach Mittelgabe: Empfindung im Hals, als hinge rechts etwas aus der Nase herunter; er versucht, es durch Schlucken wegzubekommen, was nicht gelingt.
    Träume wöchentlich ca. 3mal von Tagesereignissen, erwacht um aufzustehen, seiner Beschäftigung nachzugehen.
    26 Tage n. M: Um 17 Uhr Übelkeit im Magen, Brechreiz, dann Erbrechen, nachher besser. Gleichzeitig starker Durchfall (fragl. „Fleischvergiftung"). Nachts unruhiger Schlaf, starke Schmerzen im DWS-Bereich. Findet keine Schlaflage, in der er länger als 10 Sek. ruhen kann. Nimmt um 6 Uhr morgens ein warmes Bad, die Glieder fühlen sich zerschlagen an, nimmt Rhus tox., C 200, am nächsten Tag Eupat. D 4.
    Nachmittagsschlaf bessert, abends noch matt, nachts erholsamer Schlaf, am nächsten Tag noch leicht müde, sonst in Ordnung.

     

    Prüfer 6 / weibl., 25 Jahre
    5 Tage n. Mittelgabe: Morgens Hitzegefühl, im Hinterkopf ein stechender Schmerz, der sich nach oben erstreckt. Am nächsten Tag morgens 38,2 °C Temperatur, mittags besser, wechselndes Gefühl von heiß und kalt, kalte Füße, tags darauf morgens 37,2 °C am nächsten Tag beschwerdefrei.
    15 Tage n.M.: Starker Kopfschmerz nachmittags, Liegen bessert, pochend, im Scheitel, „zum Explodieren", hält 3 Tage an
    19. Tag n. M.: Husten tagsüber, trocken, stechender Schmerz zwischen den Schulterblättern, tags darauf anfallsartiger Husten, weißes, zähes, klumpiges Sekret, nachts erwachen durch Husten, Ekel vor Schlucken des Auswurfs, Husten schmerzhaft, nachher Brennen in der Brust.
    bis 24 Tag: Unwillkürlicher Harnabgang beim Husten

     

    Übersicht (Kopf-Fuß-Schema)

    Psyche:

    Gleichgültig, apathisch,

     

    Schwindel:

    Schwindel bei Kopfschmerz, benommen

     

    Kopf:

    Gefühl „komisch", „wie benommen", schwer, dumpf

    Kopfschmerz:

    Vom Genick ausgehend, drückend, dumpf, schwer, erstreckt sich zum Scheitel,
    K. dumpf, pochend, berstend, besser im Liegen
    K. im Scheitel, dumpf, Gefühl „der Kopf explodiert"

     

    Augen:

    Gefühl von Druck in den Augen

     

    Nase:

    Schnupfen wäßrig, zeitweise mit verstopfter Nase
    Absonderung wäßrig, weiß-gelb, grün

     

    Hals:

    Gefühl von Steifigkeit, ziehendes Gefühl seitlich

     

    Hals (innen):

    H.schmerz, schlechter beim Schlucken, Gefühl von vergrößerten Tonsillen (auch objektiv)

     

    Magen:

    Ekel vor Schlucken des Auswurfs

     

    Blase:

    Harnabgang unwillkürlich bei Husten

     

    Husten:

    H. trocken, tagsüber, anfallsartig,
    Auswurf zäh, weiß,
    H. schmerzhaft, nachher ein Brennen in der Brust H. nachts, Erwachen durch Husten

     

    Rücken:

    Schmerz in der Zervikalregion, „wie in einen Schraub
    stock eingespannt", mit Steifigkeit, erstreckt sich zum Kopf

    Steifigkeit im Hinterkopf

     

    Extremitäten:

    Gliederschmerzen, alle Knochen tun weh

     

    Schlaf:

    Alpträume, schlechter Schlaf
    Träume von Tagesereignissen

     

    Fieber:

    Empf. von Hitze (obj. leichte Temp.erhöhung)
    Hitze morgens, Empf. kalt wechselnd mit heiß

     

    Allgemein:

    Schwäche, schlechter morgens, Abgeschlagenheit, mit Apathie, Antriebslosigkeit.

     

    Die vorstehenden Ergebnisse zeigen, daß sich die Beschwerden eines grippalen Infektes widerspiegeln, insbesondere Kopf- Atemwegssymptome sowie Gliederschmerzen und Schwäche wurden deutlich.


    Fragliche Symptome wie Herzbeschwerden (Prüf. 1), die nur bei einem Prüfer aufgetreten sind sowie gastroenteritische Beschwerden, die möglicherweise einer bakteriellen Lebensmittelvergiftung zuzuschreiben sind (Prüf. 5), wurden in die Übersicht nicht aufgenommen.


    Der Verfasser konnte in 3 Fällen von Grippe, welche Ähnlichkeit mit den Symptomen des Mittels aufwies, das Mittel mit gutem Erfolg einsetzen. Gegeben wurde jeweils eine Gabe der C 30.
    Die vorliegende Arbeit soll dazu anregen, umfangreichere Prüfungen der vielversprechenden Pflanze vorzunehmen und sie therapeutisch einzusetzen.

     

    Zusammenfassung

    Die aus der Volksheilkunde bekannte Heilpflanze Vincetoxicum officinale wurde einer homöopathischen Arzneimittelprüfung in der C 30 an 6 Prüfern unterzogen. Es konnte die vermutete Affinität des Mittels zu den Beschwerden eines grippalen Infektes in den Symptomen der Prüfung erlebt und bestätigt werden. Angeführt werden die Symptome der Prüfer im zeitlichen Ablauf sowie eine Übersicht nach dem Kopf-Fuß-Schema, die zu weiteren Prüfungen sowie zum therapeutischen Einsatz der Pflanze anregen sollen.

     

    Literatur

    1. Madaus, Gerhard: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Abt. I: Heilpflanzen, Bd. III. Georg Thieme Verlag, Leipzig 1938 und Willfort, Richard: Gesund leben mit Heilkräutern. P. Weiden Verlag, Porz/Rhein.
    2. Haller, V.: Medicin-Lexicon, S. 759, 1755.
    3. Roth: Giftpflanzen. Ecomed, 1984.
    4. HAB, 1. Ausgabe 1978,4. Nachtrag 1985. Amtliche Ausgabe. Deutscher Apotheker-Verlag, Stuttgart 1985.
    5. Kafka: Transactions of the International Homoeop. Convention, 1886.
    6. Reckeweg, Hans-Heinrich: Homoeopathia antihomotoxica. Aurelia Verlag, Baden-Baden 1980.
    7. Leeser, Otto: Lehrbuch der Homöopathie, Band 4: Pflanzliche Arzneistoffe II. Karl F. Haug Verlag, Heidelberg 1987.

    (Anschrift des Verfassers: Dr. med. Walter Glück, Neustädter Str. 67, A-2542 Kottingbrunn)